Review

Plastische Pionierarbeit 


Das Medium Film war noch in seinen stillen Kinderschuhen,
man wusste kaum, was sich noch befand in all diesen magischen Truhen. 

Da nahm ein Mann seine Kamera mit an den eisigen Pol,
ja, diese Idee war wertvoll und alles andere als hohl. 

Er begleitete die Eskimos hautnah mit Linse und großen Augen, 
was man hier sieht und lernt konnte man damals wohl kaum glauben.
 
Vor allem der titelgebende Mann des Nordes ist nun Legende, 
gab er sein kurzes Leben und sein langes Erbe doch in fremde Hände. 

Man sieht ihn und seine Familie beim Jagen, Iglubauen und (Über-)Leben, 
das ist immer noch faszinierend, selbst wenn man sich Ähnliches heute jederzeit in Naturdokus könnte geben. 

Nanook und seine Gefährten live und nahezu unverfälscht, 
sind sie fröhlich, ehrlich und ganz sie selbst. 

Selbst wenn einige Passagen und Beziehungen gestellt sein sollen, 
ist es einfach eine Freude dabei zuzusehen, wie sie kämpfen, taktieren und tollen. 

Dass er kurz darauf im Eis erfror, 
ist für dieses Monument an Nanook ein noch größeres Tor. 

Zugleich Erlebnis, Unterhaltung und Schulunterricht, 
verklärt hier kein Schnickschnack, kein Glamour, keine Show die Sicht. 

Wegweisend in Art und Weise und Inhalt und Form, 
entsprach diese Tour durch Schnee, Eis und Familie ganz und gar nicht der Norm. 

Vom rohen Fleischverzehr über ungewohnte Riten bis zur Nähe zur Natur, 
das ist Leben, das ist Lieben, das ist Menschheit pur. 

Voller Respekt und unter Einbeziehung seiner „Darsteller“, 
erstrahlt hierbei, nicht nur durch das unendliche Weiss, die Welt ein Stück heller. 

Nicht nur auf den Macher und die damaligen Zuschauer machte das nachhaltig was her, 
man bringt einem schlicht eine fremde und doch so nahe Welt sehr viel näh'r. 

Ruhig, gelassen, aber von erstaunlicher Klarheit und Würde, 
spürt man zum Glück bei keinem der Beteiligten etwas von einer Bürde oder Hürde. 

Ich werde diese Bilder, Gefühle, Lächeln und Eindrücke jedenfalls in meinem Leben nicht vergessen, 
selbst wenn es hart und sogar etwas gruselig war zu sehen, wie sie einen frisch getöteten Seelöwen essen. 

In seiner Wichtigkeit und Eminenz kaum zu überbieten, 
dagegen wirken viele neuere Dokus und Aufnahmen wie leere Nieten.  

Ein Grundpfeiler unserer Spezies und des bewegten Bildes, 
haben wir zu danken Herr Flaherty für's gefühlvolle Runterreißen eines Schildes. 

Ohne ihn wäre der Dokufilm nicht was er ist, 
dieses antarktische Abenteuer man jedenfalls kaum mehr vergisst. 

Fazit: einer der besten Doku- und Stummfilme überhaupt. Wichtig und für jeden angehenden Filmkenner, Filmmacher, Filmforscher unumgängliches Pflichtprogramm. Viel näher kann man Eskimos und einer fremden, unheimlich interessanten Kultur, Landschaft, Lebensweise nicht kommen. Absolut erfrischend - und das zum hundertsten (!) Jubiläum!!!

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