Review

Gesamtbesprechung

Blackout - Die Erinnerung ist tödlich

Paul Novak, Cop und Drogenfahnder, erleidet beim Versuch seine Ehefrau ins Krankenhaus zu fahren einem schweren Unfall. Im Gegensatz zu Lily (seine Frau) überlebt er, aber kämpft seitdem mit massiven Gedächtnisstörungen. Ein halbes Jahr später versucht er sein altes, für ihn in Vergessenheit geratenes, Leben zu rekonstruiert und stößt dabei unter anderem auf den noch immer ungeklärten Mord an seiner Frau. Bei der Suche nach dem Täter gerät Paul bald selbst in höchste Gefahr, denn einzelne Erinnerungen kehren wieder zurück und mit jeder alten/neuen Erkenntnis wird er ein immer gefährlicherer Mann für sein ganzes Umfeld aus dem alten Leben. Auch die Tatsache dass er nicht immer ein ehrbarer Ehemann und Cop war, will er mitsamt den daraus resultierenden Konsequenzen auf sich nehmen und wenn möglich bereinigen.

Ein Mann auf den Spuren seiner düsteren Vergangenheit durchwatet einen Sumpf aus Lügen, Korruption und dem geheimen Verlangen am liebsten alles ungeschehen zu machen.

Was für ne geile deutsche Produktion!

Ein wirklich umfangreiches Drehbuch als Hauptträger der vielen verschachtelten Plots, rund um die Erinnerungsfetzen des Hauptcharakters, bietet genug Platz für Spannung, Twists und wirklich Niveauvolle TV-Kost Made in Germany. Das Beste was die beiden Regisseure Hans-Günther Bücking („Jennerwein“) und Peter Keglevic („Der Bulle und das Mädchen“) machen konnten war das Drehbuch nicht einfach zu einem abendfüllenden Film zusammen zu pressen (war wohl aber auch als Mini-Serie konzipiert und wäre, bei der Fülle an Fakten und Geschehnissen, nicht möglich gewesen). So kann und muss man als Zuschauer fast 270 min. warten bis wirklich alles aufgeklärt wurde.

Das lang angelegte Puzzle was aber, trotz hohem Niveau, nicht der erwartete Quotenknaller, weshalb nach der ersten Doppelfolge der Sendeplatz nach hinten verlegt wurde. Irgendwie ne dummes Entscheidung, da nun noch weniger Zuschauer erreicht wurden. Schade!

Auf jedem Fall erinnert „Blackout“ in seiner episodenhaften Erzählung, fixiert auf 8 chronologisch aufeinander folgende Tage, ein wenig an die US-Serie „24“, nur das hier statt Stunden, Tage hoch gezählt werden.

Damit das ganze nicht zu Langatmig wird, bekommen wir und Paul Novak es mit einer ganzen Reihe an Charakteren zu tun, die immer wieder neue Plotlinien einführen, welche oft erst viel später aufgeklärt werden. Da wären sein Bruder und dessen Familie, sein ebenfalls korrupter bester Freund Boris, sein Sohn Finn, die Arbeitskollegen, Dealer, Junkies, Großunternehmer, Prostituierte, die Türkenmafia usw. Geschickt und authentisch wurden die vielen Figuren in die Geschichte eingeflochten, so das man nicht mal sagen kann das auch nur eine einzige zuviel präsent ist. Zugegeben, die Story ist nicht gerade innovativ, aber als Aufhänger hält sie einen von Anfang an bei der Stange und weiß zu gefallen. Ja, man könnte sich nun an der Umsetzung echauffieren, vor allem die Art und Weise wie sich Paul Stück für Stück erinnert wiederholt sich dabei ständig (oft sind dies dann Details eines Schauplatzes oder eine Aussage vor Ort von den Befragten), aber darauf muss man sich dann schon einlassen, zumal es ja noch immer eine TV-Produktion ist.

Um die Fakten nicht wieder zu vergessen schreibt Paul alles in einen Buch nieder und trägt so zusammen was nötig ist, die Mörder seiner Frau zu fassen. Große Unterstützung erfährt er dabei durch seinen Sohn und die braucht er auf jeden Fall, denn Paul war im seinem alten Leben kein Mann der halbe Sachen machte und er kannte viele Leute die ihm ebenbürtig sind. Weshalb sich beide schnell in Gefahr befinden. Rückschläge, Unmut und Ausweglosigkeit finden ihren Ausgleich in kindlicher Naivität, und die Hilft! Natürlich gibt es noch einige Charaktere die sich auf Pauls Seite befinden, so z.B. sein Freund Boris (wirklich brillante Performance von Roeland Wiesnekker) dessen Beziehung zum vergesslichen Kollegen lange zwiespältig bleibt und welcher gleichzeitig als eine Art Spiegelbild von Paul fungiert. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und anfangs sympathische Figuren entwickeln sich zu hinterhältigen und berechnenden Marionettenspielern. Dabei ist Macht natürlich ein wahrhaftiges Motiv!

Ein Actionfeuerwerk wird hier natürlich nicht abgebrannt, was jedoch eingestreute Ausbrüche nicht vermissen lässt. Vor allem ein Shootout hebt sich dabei eindeutig aus den Recherchesequenzen heraus. Brav unblutig aber doch authentisch und passt somit perfekt in den Stil von Blackout. Der Score übt sich ebenfalls eher in Zurückhaltung und fällt eigentlich nie aus dem Rahmen. Doch sollte man dies nicht negativ bewerten, da er so unbewusst die Szenarien unterstreicht.

Die Darsteller sind durch die Bank Top besetzt und wirken eigentlich immer überzeugend. Wirklich hervorheben kann ich keinen, da hier quasi mehrere Hauptdarsteller agieren und jeder genug Spielraum hat seinen Charakter zu zeichnen. Misel Maticevic als adretter Paul ist von Beginn an der Gute (sein Aussehen unterstützt diesen Aspekt), aber ist dies nur zu beklatschen, da sonst diese Vergangenheitsbewältigung -wo er ja sein böses Ich antrifft- nicht glaubhaft funktionieren würde. Ihm zur Seite stellte man Roeland Wiesnekker und der ist dann schon ne Granate, „ ACHTUNG SPOILER“ mutiert er doch vom Oberarschloch zu einer gebrochenen Schlüsselfigur im Film… usw.
Wie gesagt, der Stab ist sehr überzeugend.

„Blackout“ ist wohl seid langem mal wieder einer der besseren deutschen Beiträge in diesem Genre. Funktioniert als Thriller, Krimi und als Drama wunderbar, aber hat sicher auch seine Ecken und Kanten.

Irgendwo zwischen den deutschen Genrebeiträgen „DIE SIEGER“ und „LAUTLOS“ einzuordnen und hat aber so oder so definitiv eine Sichtung verdient.

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