Review

Hier ist sie dann doch endlich, die erste herbe Enttäuschung im Jahre 2007. Unter Pathfinder stellte ich mir einen Old-School Wikinger-Abschlacht Film mit viel Potential im Kampf und wenig Interesse an der Story vor. Leider bin ich da wohl einer falschen Vorinterpretation gefolgt. In Pathfinder geht es um die Geschichte eines Jungen Wikingers, der bei der ersten Landung in Amerika zurückgelassen und dort dann von den Einheimischen großgezogen wurde. Die Entwicklung des Jungen geht zügig voran, vorallem was seine Kampftechnik angeht. Allerdings kann er die vergangenen Zeiten nicht einfach so vergessen. Als 15 Jahre später dann die Wikinger ein weiteres Mal einfallen, beginnt die Wut in ihm neu zu entfachen, da diese seine gesamte "Familie" auslöschen. In einem Katz und Mausspiel nimmt er sich immer mehr Wikinger vor und bringt sie zur Strecke, bis ein Indianerstamm seine Taktik zunichte macht und er in die Gewalt der Wikinger gelangt.

Schauspielerisch hatte ich eigentlich nicht sehr viel von dem Film erwartet, doch ich wurde dann doch eines besseren belehrt. Karl Urban als Ghost wirkt wirklich wie eine vom Hass erfüllte Kampfmaschine und seine dunkle Mimik (ob wirklich geschauspielert oder angeboren sei mal dahin gestellt) passt wunderbar in die Thematik. Dass Urban mit einem Schwert umgehen kann weiß man aus Der Herr der Ringe auch schon länger. Leider hätte Pathfinder viel stärker auf diesen Bonus eingehen müssen, um so das Talent Urbans noch weiter auszureizen. Weiterhin erwähnenswert sind die Wikinger. Riesige Hünen, die die Indianer um mindestens 2 Köpfe überragen. Vorallem der Oberanführer Gunnar gespielt von Clancy Brown ist eine Augenweide. Er sieht unter dem Bart und dem Helm wirklich böse aus und kann daher die Zuschauer sicherlich für sich gewinnen. Unglaublicherweise macht selbst der gute alte Ralf Möller als Wikinger Ulfgar einen durchaus guten Eindruck. Endlich mal wieder eine Rolle, in der der ehemalige Spitzenbodybuilder glänzen kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass er sehr wenige Sprechanteile hat und er dann auch nicht viel verkehrt machen kann^^.

Die Geschichte ist für einen solchen Film angemessen, wird zum Ende meiner meinung nach viel zu kitschig und kostet dem Film so seine dunkle Atmosphäre. Während anfangs die Wikinger als unaufhaltbare Macht beschrieben werden, können sie mit andauernder Filmzeit immer weniger gegen die unterbewaffneten Indianer anrichten. Eigentlich ziemlich merkwürdig. Und diese wirklich merkwürdige Wendung nimmt am Ende des Films unerreichbare Höhen an. Wikinger, die sich in der eisigen Kälte auskennen, besteigen einen Berg, der schon vom Ansehen auseinander bricht. Also bitte, wie dumm werden die Wikinger hier denn gemacht. Desweiteren sind auch die Handlungen der Indianer häufig nicht ganz logisch. Nur weil sich jeder als Held fühlen will, lassen sie die Gruppe im Stich und werfen sich in die Fänge der Wikinger. Aber wie schon erwähnt, die Story war von vornherein nicht umbedingt zu den Stärken von Pathfinder gezählt worden.

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Höhepunkt von Pathfinder: den Kämpfen. Ich sage eigentlich, weil man das aus den Trailer erwartete. Im Film war davon aber kaum was zu erkennen. Die wirklich guten Kampfszenen waren in den Trailern schon zu bewundern und sind daher nicht neu. Der großteil der Schlachten sind ein 1 gegen 1 und ca 5 Sekunden lang zu betrachten. Keine langen Schwertschwingereien, und auch kein ultrahoher Goreanteil, diese Fakten erschrecken mich heute noch, wenn ich bedenke, dass ich soviele Hoffnungen in den Film gesteckt habe. In Der 13. Krieger waren zwar weniger Kampfszenen zu sehen, aber diese dauerten länger an und waren um ein vielfaches besser gemacht. In Pathfinder sind sehr viele einzelne Plänkereien zu bestaunen, diese sind aber einfach nicht atmosphärisch und gut genug Choreographiert um diese Szenen als positiv für den Film anzurechnen. Der Endkampf, den man eigentlich immer zu einem Höhepunkt zählen muss, ging für mich in einem Schaudern unter, denn es gab in dem Sinne wie schon angedeutet kein Eins gegen Eins. Hier hat mich der Film dermaßen enttäuscht, dass er nur Mittelmaß unter vielen Filmen ist.

Warum der Film dann doch kein Mittelmaß ist? Wegen der augenfeindlichen Computereffekte. In einem Film, in dem es um rohe und pure Gewalt von Wikingern geht, will ich echte Blutspritzer und keine im PC gemachten roten Schlieren sehen. Hier hat der Film mit mir gebrochen und ich werde ihm das immer und immer wieder nachwerfen. CGI in Maßen kann effektiv und ansehnlich sein, aber wenn ein Film versucht dreckig und dunkel zu sein, dann muss auch die Technik sich diesem Prinzip fügen. Genau wie die gänzlich misslungenen Bluteffekte sind die anderen Special Effects ebenfalls unter aller Kanone. Während man einmal einfach eine Lawinenaufnahme aus einer Dokumentation nimmt und diese künstlich beschleunigt, wird die Lawine in der nächsten Szene wieder mit Hilfe von Computern generiert, und das leider schlecht. Hier wäre weniger oder garnichts viel mehr gewesen und hätte dem Film wenigstens die Ehre gerettet.

Pathfinder hat mir das Filmherz gebrochen (schwafel^^), und ist damit der erste Film 2007, der meine Vorfreude nicht nur nicht erfüllt hat, sondern auch total zerstört hat. Das warten auf einen guten dunklen Wikingerfilm wird also fortgesetzt. Das Potential des Films ist zu erkennen, aber die Durchführung ist an fast jeder ecke schlampig und nicht strikt genug. Pathfinder sichert sich nur auf Grund der, zugegeben, sehr stylischen Kostüme der Wikinger und einen durchaus authentischen Hauptdarsteller die trotzdem schwache Wertung.

FAZIT: 3/10

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