Das Verbrechersyndikat von Chicago will gemeinsame Sache machen mit einer Bande in Deutschland. Kontakte werden geknüpft, und das Syndikat schickt zwei Vertrauensleute hierher, die ein gigantisches Rauschgiftgeschäft abwickeln sollen: Mrs. Bizarro und Nick Scappio, der sich als FBI-Agent Joe Como tarnt. Mrs. Bizarro wird sehr schnell ermordet, aber Scappio kann Kontakt zur Unterwelt aufnehmen. Durch den Mord kommt allerdings Kommissar Lohmann ins Spiel, und der alte Fuchs wittert sofort, dass hier etwas nicht stimmt. Dass es sich hier nicht nur um irgendwelche großen Gangster handelt die miteinander spielen wollen. Und dass Scappio/Como wahrscheinlich eher ein FBI-Agent ist der sich als Gangster tarnt denn umgekehrt. Wahrscheinlich hat er Lex Barker vorher im Kino gesehen und sich gedacht, dass so ein kerniges Mannsbild unmöglich zu den Bösen gehören kann …
Lohmann kommt dahinter, dass das Gefängnis der Stadt der Dreh- und Angelpunkt der Sache ist, und das Häftlinge dort „offiziell“ flüchten können um Verbrechen zu begehen. Er kann auch ermitteln, dass den Häftlingen ein fremder Wille aufgezwungen wird, und dazu fällt ihm ein Name ein: Dr. Mabuse, der Meisterverbrecher …
Eigentlich sollte man das nicht vergleichen, aber irgendwie tut man es ja dann doch: Der Vorgängerfilm, DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE, inszeniert von Fritz Lang, war ein starker und dicht inszenierter Noir, der sich des Themas der lückenlosen Überwachung von Menschen mittels Thrillerelementen geschickt annahm. Nun ja, Harald Reinl ist kein Fritz Lang, und Lex Barker kein Peter van Eyck, weswegen sich ein Vergleich wie gesagt verbietet. Eigentlich. Aber er kommt einfach immer wieder von selber hoch, der Vergleich, und flüstert einem ins Ohr: Was hätte Lang aus beispielsweise der Sequenz gemacht, in der die willenlosen Häftlinge wie Roboter in den Tod geschickt werden? Warum muss die Held-und-Heldin-sind-im-Keller-gefangen-Szene aus DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE so einfallslos kopiert werden? Als Hommage? Gert Fröbe ist wie auch bereits im Vorgänger ein mehr als würdiger Nachfolger von Otto Wernicke, aber dem Schurken kann man allein schon aufgrund seines Bartes den Bösewicht auf 10 Meter Entfernung ansehen. Selbst Daliah Lavi bleibt blass, überhaupt kein Vergleich zu dem nur wenig später entstandenen IL DEMONIO, und auch Lex Barker hat nicht den Drive aus so vielen anderen Filmen.
Dabei ist IM STAHLNETZ.. eigentlich gar nicht schlecht. Es werden viele falsche Spuren gelegt, das Verwirrspiel um Lex Barkers Identität ist schnell durchschaut aber amüsant, Gert Fröbe rockt die Hütte wie absolut immer wenn er die Leinwand bzw. den Bildschirm betritt, und das hohe Tempo des Films hilft ungemein, die vielen logischen Fehler zu übersehen. Als Krimi aus einer Zeit, in welcher der Begriff Krimi ein Markenname war der die Leute ins Kino brachte, taugt IM STAHLNETZ.. nämlich sehr wohl. Ein unbekannter Schwerverbrecher, der mit üblen Methoden die Welt oder zumindest mal die Stadt in seine Gewalt bringen will, das geht eigentlich immer. Die flotte Musik von Peter Sandloff macht gut Laune, die Straßen der großen Stadt sind zumindest aus heutiger Sicht gut eingefangen, und Nebenpersonen wie der Trödler oder der Pfarrer sind herrlich zwielichtig und beleben die 08/15-Szenerie ungemein.
Nein, es ist entweder die Gesamtmischung, die nur bedingt zünden will, oder, was wahrscheinlicher ist, der sich aufdrängende Vergleich, die Profanisierung des Mabuse-Mythos in das populäre Korsett eines Krimis, was hier ein wenig das Vergnügen schmälert. Alle bisherigen Mabuse-Filme waren Filmklassiker mit dem ganz großen Atem, die selbst Jahrzehnte nach ihrer Entstehung noch fesseln, und auch heute noch eine beängstigend aktuelle Szenerie zeigen. IM STAHLNETZ.. ist der erste Mabuse, der nicht mehr so 100-prozentig nach vorne geht, was dann einfach für ein wenig Enttäuschung sorgt. Wie spannender Gruselkrimi Made in Germany besser geht hat die Rialto zur gleichen Zeit mit der Edgar Wallace-Reihe gezeigt (wobei der im gleichen Jahr entstandene DER FÄLSCHER VON LONDON ebenfalls nicht zu den Highlights von Harald Reinl gehört, ganz im Gegensatz zum Vorjahresfilm DIE BANDE DES SCHRECKENS), und Artur Brauner ist, wie so oft, den großen Erfolgsreihen hinterher gedackelt, hat die Nachzügler gedreht und die Brosamen abbekommen.
Nochmal, IM STAHLNETZ DES DR. MABUSE ist beileibe kein schlechter Film, aber nach den Höhenflügen der bisherigen Mabuse-Streifen werden nun kleinere und einfachere Brötchen gebacken. Muss man halt hinnehmen, und dann kann der Film sehr wohl Spaß machen …