Die Karriere des deutschen Regisseurs Wolfgang Peterson fing mit "Das Boot, Die unendliche Geschichte" wirklich stark an, doch ließ dann immer mehr nach. Heute ist er meiner Meinung nach sogar überschätzt, den Weg nach Hollywood ebnete er sich schon in den 80er Jahren. Sein Remake "Poseidon" war schon ein wenig enttäuschend, seitdem hat man auch nichts mehr von ihm gehört. Was man Peterson noch zu Gute halten muss ist, dass er ein vielseitiger Regisseur ist. Action, Fantasy, Antikriegsfilm, Thriller, Katastrophen oder Historienfilm, Peterson hat sich schon an allem versucht, dank guter Einspielergebnisse meist erfolgreich. Aufgefallen ist er einigen Produzenten durch den allseits beliebten Sonntagskrimi "Tatort", von denen er gleich vier inszenierte. Mit "Air Force One" darf er das Screenplay von Andrew W. Marlowe (End of Days, Hollow Man) mit einem recht üppigen Budget verfilmen.
Nur durch die Hilfe des amerikanischen Präsidenten James Marshall (Harrison Ford) kann der verbrecherische General Ivan Radek (Jürgen Prochnow) verhaftet werden. Nun will Marshall wieder zurück in die USA reisen, doch in der Luft wird seine Maschine von dem Fantiker Ivan Korshunov (Gary Oldman) und seiner Truppe entführt. Marshall selbst kann sich verstecken, doch seine Frau (Wendy Crewson) und Tochter (Liesel Matthews) befinden sich in der Gewalt des Entführers, welcher somit Radek freipressen will. Dank seiner militärischen Ausbildung kann Marshall nun den Kapf aufnehmen, während die Vizepräsidentin Kathryn Bennett (Glenn Close) am Boden völlig machtlos ist.
"Einsame Entscheidung" mit Kurt Russell machte es vor, aber "Air Force One" kann es nicht richtig nachmachen. Allein schon die Story ist nicht viel wert, auch wegen der unendlichen Glorifizierung des amerikanischen Patriotismus. Wer sich da alles freiwillig für den Präsidenten opfert und was für tolle Reden da geschwungen werden, allein schon Marshalls Eröffnungsrede vor dem russischen Parlament hat es wirklich in sich. Und ich will den guten Jerry Goldsmith nicht beleidigen, aber sein Score trieft aus allen Ecken und Enden. Unwahrscheinlich ist auch wie Korshunov mit seiner Truppe so einfach an Bord gelangt, wo es doch laut der Vizepräsidentin "unmöglich" ist. Zudem hat man noch ein riesen Waffensortiment an Bord und es ist ja so einfach, sich dahin Zugang zu verschaffen, wird nämlich kaum bewacht. Überall verbergen sich hier Lokigfehler, auch kleine Ungereihmtheiten, natürlich darf auch der Verräter im eigenen Team nicht fehlen, welcher sich aber wirklich bis zum Schluss bedeckt hält. Bald ist die Maschine von Korshunov übernommen und leider blendet Peterson viel zu oft auf das Geschehen am Boden. Hier versuchen die Apportierhunde des Präsidenten die Rettung einzuleiten. Der Konflikt " sollen wir die Maschine abschießen, oder nicht" wird zunehmend langweiliger und bremst den fast zweistündigen Film stets aus.
Dabei drückt Peterson wirklich auf die Tube. Gleich zu Anfang die Festnahme von Radek, welche mit einem kleinen Shootout und großer Explosion aufwartet und auch die Geiselnahme an Bord der "Air Force One" lässt nicht lange auf sich warten. An Bord gibt es dann einige Shootouts und Marshall darf sich einige old schoolige Nahkämpfe mit den Terroristen liefern. Im Finale wird es nochmal richtig spannend, denn die Piloten haben natürlich schon das Zeitliche gesegnet, so muss der Präsident selbst ran. Actiontechnisch kann man sich nicht beschweren. Shootouts, sowie Kämpfe sind gut choreographiert und weisen auch die nötigen Härten auf. Nur bei den Flugszenen und ganz besonders beim finalen Crash auf dem Meer, greift man sichtlich zum Computer. Aber der Luftkampf, sowie einige Zerstörungsorgien sind sehr gut gemacht. Das Ganze lässt einem ein wenig die peinlichen Dialoge und den Patriotismus vergessen, aber zum darüber hinwegsehen reicht es leider nicht. Ein wenig zu kritisieren wäre noch die Flugzeugkulisse. Ein Jumbo ist ein großes Flugzeug, aber nicht so groß. Man kann mit der eleganten Einrichtung und auch mit den technischen Gimmicks an Bord schon überzeugen, aber nicht mal der neue Airbus kann soviel Platz bieten. Über die Darsteller lässt sich nur Gutes berichten. Harrison Ford zieht seine Heldennummer schon auf Autopilot ab, überzeugt aber trotzdem, ebenso Gary Oldman als Terrorist Korshunov. Noch mit an Bord William H. Macy, Xander Berkeley. Jürgen Prochnow darf wieder einen Fiesling mimen und Glenn Close die Vizepräsidentin.
"Air Force One" ist durchgehen unterhaltsam und kann gute Action bieten, teilweise auch Spannung auf hohem Niveau. Die vielen bekannten Gesichter werten den Film auf, während das Nichts an Story und der Patriotismus das Ganze wieder kaputt machen. Zudem ist Vieles einfach zu unrealistisch.