Review

- Enthält unvermeidbare Spoiler! -

Wie man aus Edgar Allen Poes Kurzgeschichte „Die schwarze Katze“ eine Schlaftablette machen kann, zeigt Serge Rodnunsky mit seinem Versuch einer modernen Interpretation.

Ursprünglich geht es um einen Mann, der im Wahn seine Frau umbringt, die Leiche im eigenen Haus einmauert und unwissentlich auch die Hauskatze. Das Miauen überführt ihn schließlich bei der Polizei.
Soweit das Original, von dem Rodnunsky nicht mehr allzu viel übrig gelassen hat.

Hier haben wir zwar auch eine schwarze Katze und sie heißt Pluto (wie bei Poe), aber der Rest ist wirr konstruierter Blödsinn.
Offenbar sollte die Geschichte mit typischen Sixth-Sense-Elementen verknüpft werden, um den Zuschauer zu verwirren und final zu überraschen, doch das misslingt heftig.

Ausgangssituation ist eine Befragung Jacks durch Polizistin Eleanor. Jacks Frau Mira und Sohn Jonathan sind spurlos verschwunden, später wird ihr Auto gefunden, zudem das ihres Arbeitgebers, der ebenfalls als vermisst gilt. Von den vermissten Personen fehlt jedoch jede Spur.
Schon bald scheint es nahe liegend, dass Jack die drei Personen umgebracht hat.

Doch mit den Flashbacks, die im Vordergrund der Erzählung stehen, wird der Zuschauer dermaßen verwirrt und gleichermaßen verärgert, dass es Poes Kurzgeschichte sämtliche Substanz zu rauben scheint.
Anfangs erleben wir in den Rückblenden noch Jack im Zusammenspiel mit Frau Mira und der schwarzen Katze, die Jack irgendwann killt und an einen Baum hängt, bis dahin in Ordnung und nachvollziehbar.

Doch dann begeht Rodnunsky einen fatalen Fehler, indem er statt Jack die Polizistin Eleanor in seine Rolle schlüpfen lässt, - sozusagen im Zuge von Einfühlungsvermögen oder auch im Bann der Katze, die sie noch im Haus befand, oder auch als Hinweis auf das total vermasselte Ende der Geschichte.
So haben wir Polizistin Eleanor und Mira, die sich als lesbisches Paar unter der Dusche lieben, aber Sohn Jonathan läuft da trotzdem noch rum.
Und weil überhaupt keine Charaktereinführung stattfindet, muss man den beiden Damen bei zusammenhanglosen Dialogen zuhören, die nicht nur hölzern wirken, sondern auch keinen Sinn ergeben.
Um Teile der literarischen Vorlage aufzuzeigen, gibt es ein paar Close-Ups der schwarzen Katze, welche zugleich die besten Aufnahmen des gesamten Films darstellen, aber ansonsten ist „Black Cat“ eine eigenwillige Interpretation, die nichts als Ärger und Langeweile hervorruft.

Mit den Figuren wird man überhaupt nicht warm, was nicht zuletzt an den unterkühlten Dialogen und den nahezu talentfreien Darstellern liegt. Nur Shaun Kurtz ist als Jack noch halbwegs akzeptabel.
Die Rückblenden, teilweise in schwarz-weiß, sind zwar handwerklich nicht so schlecht und auch einige Schnittcollagen weisen Anzeichen von Talent auf, doch mit zunehmender Laufzeit nerven diese durch totale Eintönigkeit.
Schlimmer noch, mögliche Darstellungen von Gewalt werden in einem Schnittgewitter von Millisekundenbildern und wackeligen Zoom-Ins zunichte gemacht.

Aber so richtig dicke erwischt es den Zuschauer gegen Ende, denn da gibt es in Sachen konstruierten und unglaubwürdigen Plot-Twists kein Halten mehr.

- Spoiler Anfang -

Denn da muss man hinnehmen, dass die Polizistin die Mörderin ist und Jack plötzlich der Polizist.
Und um noch eins draufzusetzen: Polizistin Eleanor erhängt sich (anstatt der Katze), aber ansonsten sind Mira und Sohn unversehrt, während sie von Cop Jack befragt werden.
Einen stupideren Abschluss hätte man in Folge dieser Personenkonstellation wohl kaum wählen können.

- Spoiler Ende –

Ich kann mir zwar vorstellen, welche noblen Absichten hinter Rodnunskys Konstrukt stehen, aber die lahme Erzählweise und dieser nicht nachvollziehbare Wirrwarr an Identitätswechseln ist schier unerträglich.
Da lobe ich mir doch Cormans einfache, aber liebevolle Adaption von anno Price.
Ja, selbst die Hörspielausgabe mit Ulrich Pleitgen als Poe bringt wenigstens noch eine dichte Atmosphäre mit sich, aber dieser Beitrag?

Bis auf Musik, Soundeffekte, einige Schnitte und der Katze absolut nichts, was anspricht.
Und das ist beileibe zu wenig, um eine passable Adaption abzuliefern, sei sie auch noch so eigenwillig (was ich grundsätzlich begrüße).
„Black Cat“ ist zwar außergewöhnlich, aber auch außergewöhnlich daneben, wenn man einen Stoff, angelehnt an Poes Werk erwartet.
3 von 10

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