Ein Streifzug durch das Nachtleben einiger Metropolen in aller Welt könnte bestimmt eine interessante Reise darstellen, wenn die pseudo-dokumentarische Chose wenigstens einem Konzept nachginge und nicht bereits aus dem Jahre 1966 stammen würde.
Da waren Silikon-Kissen zwar weitgehend unbekannt, doch dafür war die Mumu-Behaarung so stark, dass man in dem Gestrüpp noch Monate später einen Schlüppi finden konnte.
Und was ist der Kameramann Sam für ein technischer Tausendsassa: Sein Teleskop zeichnet über die Entfernung von fast zwei Kilometern noch lupenreine Bilder vom Strand Kaliforniens auf, alle Achtung. So beginnt das wahllose Treiben zunächst mit Strandbesuchern, die angeblich bereits Signale aussenden, um sich an selber Stelle des Nächtens für ein Stelldichein zu verabreden. Und dann die ersten Schockmomente: Die Infrarotbilder zeigen doch tatsächlich ein heterosexuelles Paar, umarmt und knutschend!
Doch damit nicht genug, denn es gibt Möpse in London, L.A., Mexiko, Tokio und Schweden.
Die Lippen unterhalb des Bauchnabels sind zwar mit Gekrüssel unkenntlich gemacht, doch es hüpfen viele Hupen und kreisen einige Backen.
Mit zurückhaltenden Kommentaren werden zumeist Klub-Veranstaltungen beobachtet, es gibt leicht bekleidete Tänzerinnen und Dirnen, die über eine simple Rückenmassage nicht hinauskommen.
Die Bilder wiederholen sich und nur wenige Episoden offenbaren überhaupt nur so etwas wie eine Aussage.
So werden (natürlich mit der versteckten Kamera) einige Scheichs beim Sklavenhandel mit Frauen aus Holzkisten beobachtet, während eine schwarze Messe in New York eigentlich nichts mit dem Thema zu tun hat, außer der sexuellen Rage einer kompletten bekleideten Tänzerin innerhalb des Zirkels.
Etwas provokant fällt mal wieder der Abstecher nach Hamburg aus, wo Leute einem Theaterstück beiwohnen, welches antisemitischen Inhalt zelebriert, indem eine Gestapo-Truppe eine Jüdin schlägt und auspeitscht, während die Reaktionen im Publikum in Nahaufnahme eingefangen werden. Regisseur Lee Frost hat offenbar noch nichts von der Reeperbahn gehört und musste zwangsläufig auf dieses Aushängeschild für Deutschland zurückgreifen.
So wird zu Beginn jeder Etappe ein Riesenfass aufgemacht und am Ende sitzt man nur kopfschüttelnd da und wundert sich über die vergleichsweise prüden Bilder, die weder stimulieren, noch interessante kulturelle Einblicke liefern, denn eine S/M-Show ist nicht unbedingt auf Tokio begrenzt und Armut, die zur Prostitution zwingt, ist nicht nur ein Problem in Mexiko.
Aber die latent frauenverachtenden Kommentare („Ware“) sprechen ohnehin eine recht befremdliche Sprache.
Was letztlich noch ganz okay ist, sind die zeitgenössischen Beatklänge, die fast im Minutentakt wechseln. Ansonsten stößt man auf 78 Minuten Mondo-Müll, der eher dazu animiert, mal wieder ne sexy Platte von Led Zeppelin rauszukramen.
2 von 10