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Manchmal haben es ursprünglich fürs Kino gedachte Filme nicht leicht, auch den Weg in die großen Lichtspielhäuser zu finden. Entweder liegt es an vollkommen misslungenen Testvorführungen, bei denen das Publikum unzufrieden mit dem Film war, oder das angesetzte Budget lässt die Kinoauswertung nicht zu. Aber manchmal können es noch ganz andere Umstände sein, wovon die Macher von "The Stoning" ein Liedchen singen könnten. Denn "The Stoning" hatte das Pech, schon im Vorfeld für mächtigen, aber ungewollten Wirbel zu sorgen, denn der durchaus provokante Filme, in dem es um das grausame Ritual der Steinigung an verurteilten Frauen im Iran geht, ging für einige Iraner anscheinend so weit, dass sie es für nötig hielten, dem Regisseur Harald Holzenleiter Morddrohungen zu schicken, die ihm daraufhin zum Umschneiden seines Films leiteten und ihn so sehr in die Enge trieben, dass die angestrebte Kinoaufführung als unerreichbar galt, trotz erfolgreicher Aufführung auf der Berlinale 2006, sowie bei einer positiv aufgenommenen Testaufführung in Berlin. Nun also soll "The Stoning" als DtV-Release den entstandenen Schaden wieder gut machen. Und Holzenleiter hat mit seinem Film auch definitiv ein Plädoyer für die Abschaffung der Steinigungsstrafe geschaffen, ohne dem islamischen Glauben damit auf die Füße treten zu wollen. Wirkliche Kinoqualitäten besitzt der Streifen aber leider nicht.

In Sachen Story bedient sich Holzleitner dabei an einem Buch der Schriftstellerin Freidoune Sahebjam, die mit ihrem Buch "la femme lapidée" bereits eine ähnliche Geschichte niedergeschrieben hat. In Holzleitners Film geht es um die Amerikanerin Catherine Mulligan, welche sich in einen Muslimen verliebt, für in konvertiert und ihm in sein Heimatland, dem Iran, folgt. Dort wird sie allerdings das Opfer einer Vergewaltigung, dadurch des Ehebruchs bezichtigt und, nach einer zunächst abgemilderten Strafe, zum Tod durch Steinigung verurteilt. Doch die Schriftstellerin und Theaterinszenatorin Sarah Azimi versucht ihr mit aller Macht zu helfen und die Todesstrafe doch noch abzuwehren. Doch da macht Catherines Ehemann einen verhängnisvollen Fehler... Wenn man jetzt einmal rein und allein auf das Storygerüst des Films schaut merkt man gleich, dass man es hier mit einem durchaus packenden und bewegenden Film zu tun bekommen könnte. Und in der Tat besitzt die Geschichte auch viele Stellen, die beim Zuschauer durchaus bewegend und nachdenklich stimmend herüberkommen. Vor allem am Anfang und zum Ende hin gräbt sich der Film tief zum Mitleid fühlenden Teil des Beobachters hervor und birgt für Emotionen, die durchaus bis hin zu Trauer und Schmerz sich aufschäumen können. Leider aber macht Holzenleiter auch den schwerwiegenden Fehler, seine Filmintension über den eigentlichen Film zu stellen und verhaddert sich somit immer wieder.

Vor allem der Mittelteil trägt sich nur schwer mit dem Gesamtbild der eigentlichen Geschichte von Catherine. Während nämlich sonst der Dramapart, sowie Catherines Story den Hauptbestandteil bilden, wird im Mittelteil ganz plötzlich ein unausgewogenes Thrillerspielchen aus dem Film, in dem Catherines muslimischer Mann per Erpressung versucht, seine Frau freizukriegen, da er die Wahrheit über das Schicksal seiner Frau erkannt hat und dieses nicht hinnehmen will. Doch dieser Part möchte so gar nicht zum Rest des Films passen und wirkt eher aufgesetzt, als glaubwürdig. Da hätte es eher gepasst, wenn auch er mit friedlichen Mitteln versucht hätte, die Wogen zu glätten und sich vielleicht eher mit Sarah verbündet hätte, als das er sie, sowie u. a. seinen eigenen Vater, als Geiseln nimmt, zumal das Ende dieser Geiselnahme auch so etwas von konventionell ausfällt, dass eine gewisse Vorhersehbarkeit dem Ganzen nicht abzusprechen ist.

Und warum Holzenleiter nun gerade so einen Thrillerpart mit in die Geschichte packt, ist wohl am besten noch damit zu erklären, dass er beim Schreiben des Drehbuches anscheinend allzu stark, mit dem Einbringen seiner Botschaft, beschäftigt war, dass er dabei teilweise völlig übersehen hat, dass eine Film-Message beim Zuschauer immer noch am besten ankommt, wenn sie sich geruhsam aber spürbar durch den Film zieht und nicht immer wieder plump dazwischen gequetscht wird. Denn, obwohl der Film gerade einmal 70 Minuten (ohne Abspann) geht, so kriegen wir es doch immerhin ganze 4 Mal direkt gesagt, dass mit den "Steinigungen der Frauen" endlich Schluss sein muss. Doch dabei wäre es wohl wesentlich besser gewesen, wenn Holzenleiter eben diese wichtige Botschaft besser in das Filmgeschehen integriert hätte, als das er dem Zuschauer diese Intension, alle paar Minuten, aufs Auge drückt. Denn dadurch wirkt das ganze Geschehen, leider, mitunter nicht nur unglaubwürdig, sondern auch so stark mit dieser Message überstrichen, dass sie fast schon eher störend wirkt, als das sie wirklich beim Zuschauer ankommt. Und dies dürfte, gerade bei dieser wichtigen Botschaft, mehr als Schade sein.

Zumal leider auch das schmale Budget des Films durch die Bank weg spürbar ist und deshalb auf der großen Leinwand sicher erst recht keine rechte Wirkung hätte entstehen können. Die Kulissen wirken künstlich, die Spielereien mit den Farbfiltern aufgesetzt und auch die Arbeit hinter der Kamera im Allgemeinen hat nur selten etwas mit wirklichen Kinoqualitäten zu tun. Einzig und allein die Filmmusik von Cagin Cayir und Mirko Hopfner mag hier tief unter die Haut gehen, ansonsten wäre schon ein anfängliches Streben nach einem DtV-Release wohl die bessere Wahl gewesen, zumal auch die Schauspielerleistungen, durch die Bank weg, nur unzureichend sind. Abgesehen von Özay Fecht, welche die Schriftstellerin Sarah Azimi mimt, kann leider keiner der Schauspieler wirklich überzeugen. Selbst Cheyenne Rushing stellt ihren Part der gepeinigten Catherine nur unzureichend da. Hier hätte Holzenleiter sich doch um ein höheres Budget bemühen sollen, denn wenn seine Intension wirklich so stark ist, wie er sie uns im Film herüberbringt, dann hätte er es mit Überzeugung sicher auch bei einem etwas größeren Filmverleiher geschafft, sein Projekt, dann mit etwas mehr Geld, auf die Beine zu stellen. Schade!

Fazit: "The Stoning" ist leider ein Film geworden, der sein durchaus wichtiges Ziel, nämlich gegen die Steinigung von verurteilten Frauen im Islam ein Zeichen zu setzen, nur unzureichend umsetzt. Die Geschichte ist im Grundgerüst zwar packend und bewegend, verheddert sich im Detail aber leider immer wieder mit den nur recht plump aufgedrückt wirkenden Überbringerszenen der Botschaft, welche leider nicht wirklich in den eigentlichen Filmverlauf integriert wurde, sondern immer wieder nur kurz, dafür aber übermäßig häufig angeschnitten wird. Dadurch ist es dann leider auch kein Wunder, dass das Drehbuch schon bald in völlig unpassende Szenarien abrutscht, die zur eigentlichen Message nicht wirklich passen. Hinzu kommt dann leider auch noch die recht dürftige Umsetzung, bei der einzig und allein die Musik wirklich überzeugen mag. Dem Film Anti-Islamitische Züge vorzuwerfen ist zwar definitiv unhaltbar, dem Film und Holzenleiter allerdings vorzuwerfen, etwas zu plump mit seinem eigentlichen Bestreben umzugehen, dass kann man leider nicht ganz von der Hand weißen.
Da ich die Botschaft des Films aber trotz allem für sehr wichtig halte und auch der Meinung bin, dass mit etwas mehr Feinschliff in Sachen Drehbuchumsetzung und Inszenierung durchaus ein wirklich (durchgehend) bewegender Film hieraus hätte werden können, setze ich meine Bewertung dennoch bei 6/10 Punkten an, auch wenn aus rein objektiver Sicht wohl maximal 4/10 Punkte hätten rauskommen können.

Wertung: 6/10 Punkte

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