Review

Weihnachtsfilme haben die nervige Angewohnheit meist nur kitschig und selten satirisch zu sein – Ausnahmen wie „Bad Santa“ sind da willkommen, doch „Kevin – Allein zu Haus“ ist das wohl bekannteste Beispiel des nicht komplett weichgespülten Weihnachtsfilms.
Allerdings richtet sich der erste „Kevin“ klar an die jüngere Zielgruppe, wenn man bereits die Hauptperson Kevin McCallister (Macauly Culkin) beguckt. Der fühlt sich als einer der jüngsten beim Familienfest missverstanden: Die älteren Geschwister gucken auf ihn herab, vom Rest der Familie fühlt er sich schlecht behandelt und die Erwachsenen nehmen ihn kaum war. Da übertreibt „Kevin“ es natürlich klar mit den Klischees, aber andrerseits sollte man die Zielgruppe stets im Hinterkopf behalten, denn für Kinder muss man schon mal etwas deutlicher werden, damit die auch alles verstehen.
Am nächsten Morgen bricht die Family zum Urlaub über die Feiertage nach Paris auf und vergisst Kevin durch eine Verkettung ungünstiger Zufälle. Der genießt die neue Freiheit daheim, doch zu den Feiertagen geht auch die Einbruchssaison erst so richtig los…

Mit dem Kindlichkeitsfaktor in „Kevin“ muss man umgehen können, denn wenn man den Film in reiferem Alter mal wieder sieht (und nicht als hocherfreutes Kind im Kino, wie der Autor dieser Kritik damals), dann fällt dies doch negativ auf. Gegen Ende wird das Motto, dass Familie über alles geht, egal wie sehr sie einem gerade auf die Nerven fällt, mit penetranter Kitschigkeit und moralischem Zeigefinger gepredigt, damit auch wirklich jedes Kind den Wink versteht und die letzten Minuten ersticken geradezu im Schmalz.
Ansonsten ist das Teil doch wirklich vergnüglich auf seine ganz eigene, kindlich-naive Weise. Kevin als eigensinniges Kind lebt natürlich erstmal in der Bude alle Wünsche aus, schlabbert Süßigkeiten ohne Ende und durchwühlt die Sachen anderer Familienmitglieder, um sie nach Belieben zu benutzen – das freut auch das Kind im mündigen Zuschauer. Zudem versteht sich Regisseur Chris Columbus aufs Timing und das ist hier das A und O. So muss man nicht die ganze Zeit Kevin ertragen, dessen Gehabe zwar witzig ist, im Übermaß aber nervig wäre, sondern wechselt zum einen zur Familie, die bald merkt, dass was fehlt, zum anderen zu Harry (Joe Pesci) und Marv (Daniel Stern). Die beiden nennen sich die feuchten Banditen und räumen auf raffinierte Weise Häuser zu den Feiertagen aus.

So läuft der nicht sonderlich komplexe, aber sehr kurzweilig erzählte Plot dann auch darauf hinaus, dass sich das Duo das Haus der McCallisters für einen Beutezug ausgesucht hat. Kevin versucht das auf die unterschiedlichsten Arten zu verhindern, wobei der Showdown inzwischen weltbekannt ist: Kevin präpariert das Haus mit allerlei Fallen und zwingt die Gangster zu einem Spießrutenlauf. Klar, dass Rezept der Gags ist hier immer gleich, aber Chris Columbus setzt das Ganze dermaßen vergnüglich um, dass man sich mit viel Vergnügen an den Missgeschicken des Räuberduos erfreut.
Auf der Liste der Besetzung ist ausgerechnet Hauptdarsteller Macauly Culkin der Schwachpunkt. Das gewiefte Blag verkörpert er zwar halbwegs überzeugend, doch dass er zu den schwächeren Kinderdarstellern gehört und ohne den „Kevin“-Erfolg wohl nie bekannt geworden wäre wird deutlich klar. Dafür sind Joe Pesci und Daniel Stern als Einbrecherduo wirklich klasse und auch die Darsteller der McAllister-Familie machen einen guten Job trotz ihrer Klischeerollen. In einer Nebenrolle wie immer sehr witzig: John Candy.

Dem volljährigen Zuschauer macht „Kevin – Allein zu Haus“ sicher nicht so viel Spaß wie Kindern, doch dank des guten Timings und der famosen Leistungen von Joe Pesci und Daniel Stern immer wieder ein kurzweiliges Vergnügen. Gibt 7,5 Sterne trotz übertriebenen Kitsches am Ende und des nervigen Macauly Culkins.

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