Warmes Gefühl auf Abruf
"Kevin allein zu Haus" gehört in die Adventszeit wie Lebkuchen, Kalender oder Geschenkestress - ohne, wäre Weihnachten einfach nicht das, was es ist. Vor allem, für eine gewisse Generation, die "Home Alone" als Kind auf der Leinwand sehen durfte und/oder ihn jahrelang später im dezemberlichen TV guckte, hat diese augenzwinkernde Home Invasion-Komödie eine magische Nostalgiewirkung. Es geht um einen kleinen Jungen, der von seiner Familie zu Hause vergessen wird, als diese in den Urlaub fliegt. Und als wäre das nicht genug, muss er sein Haus vor tollpatschigen Einbrechern beschützen, die einfach nicht locker lassen... doch das weiß ja eh jeder.
Was macht diesen Kinder- und Familienklassiker aber derart wertvoll? Nur die Nostalgie kann es gewiss nicht sein... Und was ist vielleicht nicht ganz so gut gealtert, wie gedacht?
Hier meinen recht subjektiven Pros und Contras, denn die rosarote Brille bleibt natürlich auf:
POSITIVES
+ Schnee, Stress, Familie - die Weihnachtsvibes stimmen!
+ Culkin ist süß, frech, charmant, stark - einer der größten Kinderstars auf ewig
+ man kann sich extrem gut in seine Situation hineinversetzen - sowohl was Wut, Kummer als auch Angst oder Mut betrifft
+ eine, gerade für Kinder, absolute Identifikationsfigur
+ nette Coming-of-Age-Story, durchaus mit Charakterentwicklung
+ der Gänsehaut-Score ist unvergesslich und grandios
+ jedes Familienmitglied, egal wie fies oder seltsam, hat Charakter
+ in Kevins Mutter kann man sich ebenfalls hineinversetzen (mit jedem Jahr mehr)
+ typische, "heile", amerikanische Vorstadt
+ Pesci + Stern sind herausragend, angsteinflößend für Kids, aber gleichzeitig hochgradig lustig und seltsam naiv
+ coole Fallen, kreative Ideen
+ auf die Fresse und Slapstick wie damals in der Stummfilmzeit - funktioniert wohl auch in 100 Jahren noch
+ insgesamt voller Nostalgie und dennoch vom Kern her zeitlos
+ strahlt eine Wärme und Liebe aus, die schwer in Worte zu fassen ist
+ die über die Jahre angesammelten Erinnerungen und Emotionen spielen ihm in die Karten
+ John Candy in einer bezaubernden Nebenrolle
+ sehr zitierfähig
+ wer hat sich seine Familie (vor allem als Kind) nicht schonmal weggewünscht?!
+ wer hat seine Familie (vor allem als Kind) nicht schonmal zurückgewüscht und vermisst?!
+ kleine Details wie der gruselige Ofen oder das Rasierwasser machen immer noch Freude
+ Onkel Frank ist einfach wunderschön-ekelhaft
+ die Message und die guten Absichten; das Herz am rechten Platz
+ Nebenfiguren wie der "Mördernachbar" und ihre liebevollen Storybögen
NEGATIVES
- eigentlich sehr leicht, seicht, kindlich und naiv
- vorhersehbar, selbst wenn man ihn nicht mitsprechen kann
- Realismus gibt's woanders
- völlig dummes Verhalten der feuchten Banditen
- ein unverkennbares Kind seiner Zeit, von den Technologien bis zum Look
- manipulativ und kitschig (wenn man ehlich ist)
- sehr "knappe" Geschichte für 100 Minuten
Fazit: für alle 90s Kids eine der schönsten Kindheitserinnerungen - Familie, Xmas, Kevin. Gehört einfach so. Simpel, genial, immer wieder schön!