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Ein Film, der im Trailer rasante Action verspricht, gepaart mit einigen Schüssen zynischen Witzes und auch noch im Gangstermilieu spielend, geradezu „Tarantino“ und „Ritchie“ schreiend daherkommt, kann von den potentiellen Zuschauern nur sofort bewundert werden wollen. Selten spekulierte ein Film also mehr auf den Titel „Kultfilm“. Doch „Smokin’ Aces“ von Joe Carnahan („Narc“) ist so weit weg von Kultfilmstatus wie der Plottwist des Films von überraschend.

Die Story wiederzugeben, ist eigentlich überflüssig, da man angestachelt durch den Trailer sowieso nur auf große, stumpfsinnige, abgedrehte Action wartet, aber wenigstens der Vollständigkeit halber: zwei Handvoll Auftragskiller wollen Buddy „Aces“ Israel (Jeremy Piven; „Very bad Things“) umbringen – immerhin winkt eine Million Dollar Kopfgeld. Das FBI, darunter die Agents Carruthers (Ray Liotta; „Identity“, „Phoenix“) und Messner (Ryan Reynolds; „The Amityville Horror“), will seinen Kronzeugen, der gegen die Mafia aussagen will, beschützen und so kulminiert die ganze Chose in einem Luxushotel, in dem Aces untergetaucht ist...

Die durchgeknallten Auftragskiller (drei Neonazibrüder, zwei selbsternannte „Bitches“ - darunter Sängerin Alicia Keys in ihrer ersten Filmrolle -, Ben Affleck („Hollywoodland“) und seine Kumpels und ein sich mit Gummimasken wandelnder Killer) werden nach und nach vorgestellt und ganz schnell wird klar, dass das hier alles recht schleppend von Statten geht. Die kurzen Expositionen der Killer sind zwar ganz nett, erinnern aber vom Unterhaltungswert ein wenig an „Transporter – The Mission“ – viel passiert nicht, da die Actioneinführungen deutlich zu kurz ausfallen, als dass das Herz irgendwann mal die Chance hätte, seinen Gang zu beschleunigen, genauso wie der Film an sich ebenfalls noch auf der Stelle tritt.
Blöd nur, dass man auch später weiterhin auf Tarantino-Style setzt und immer wieder Dialoge in die krachenden Szenen schneiden musste – wie cool sind wir? Nein, wie schnell langweilen wir. Denn gerade die Szene, in der Aces’ Bodyguard bemerkt, dass er verarscht wird, wird mindestens 20 Minuten immer mal wieder zwischen die Action geschnitten und lässt das Krawumm-Vehikel ordentlich an die Wand fahren. Dass es danach nicht mehr rund fährt, ist klar.
So kommt es, dass das Geschehen nie wirklich lange genug Fahrt aufnimmt und man sich ganz schnell wünscht, dass Carnahan mehr bei seinen Kollegen Neveldine und Taylor und ihrem Debüt „Crank“ abgeguckt hätte als bei anderen artverwandten Filmen. Denn bei dem Plot muss ihm klar gewesen sein, dass man damit nur auf die Siegerstraße einbiegen kann, wenn man wirklich die komplette Laufzeit über Vollgas gibt. Das Sich-nicht-dessen-bewusst-sein und die damit verbundene Stagnation auf mittelmäßigem Drive lassen den Film dann deutlich abfallen, was man nach dem Trailer einfach nicht erwartet hatte und die Enttäuschung dann noch größer werden lässt.

Beim groß angelegten Showdown wird dann noch mal (oder erstmals) ordentlich gehackt, gesägt, geschossen, da übertriebene Gewaltausbrüche immer zum feinen Gangsterfilm gehören.
Dagegen fällt der Plottwist, der so unerwartet kommen soll, dabei aber so offensichtlich ist, wenn man nur mal, spätestens rückblickend, daran denkt, wie oft hier eine spezielle s/w-Szene wiederholt, immer aber rechtzeitig abgebrochen wird, schon wieder erheblich ab.

Wenn man ganz böse sein möchte, könnte man sagen, dasse Ben Affleck nie so viel Ausdruck wie hier in der Szene nach seinen Tod zeigte. Wenn einer der durchgedrehten Neonazibrüder das Gesicht der Leiche verbiegt, um so zu tun, als spräche sie mit ihm, ist das eine der größten Brüller des Films.
Piven nervt mit seiner depressiven, drogensüchtigen Heulfratze nach kurzer Zeit schon so sehr, dass minutenlange Close-Ups und Schnitte auf ihn wieder die Reise bremsen. Funktion davon unbekannt.
Die drei Nazibrüder sorgen noch für die meisten Schmunzler, sind ihre Methoden doch recht rabiat, konsequent und brutal.
Dagegen spielen die größeren Namen wie Garcia, Liotta und Reynolds unauffällig, ordnen sich dem Chaos im Hotel, angerichtet durch die Killer, ein wenig unter.
Keys und ihre Freundin überreizen sicherlich das Wort „Bitch“ in der Anzahl, die Rechnung vulgär = cool dürfte heutzutage nicht mehr aufgehen, während der Rest der Killer verrückt wirken soll, aber von denen nur die drei Brüder wirklich beängstigend herüberkommen.

Das ganze immer wieder stockende Treiben ist beim ersten Mal noch ganz spaßig, unterhaltsam in der besseren, da temporeicheren zweiten Hälfte sowieso, aber davor mit so viel Leerlauf behaftet, dass bei erneuter Betrachtung sicherlich vorgespult werden müsste, um den Zuschauer bei der Stange zu halten - damit verbunden, würde die Wertung nach der zweiten Sichtung sicherlich nach unten gehen. Viel zu zäh ist manchmal das Szenario, das nie die Fahrt eines „Crank“ aufnimmt und somit mit knapp 105 Minuten auch gute 20 Minuten zu lang ist. Einmal gucken ist ok, öfter bloß nicht. Und bitte nicht das Prädikat „Kult“ stempeln…

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