Ganze fünf Jahre hat Joe Carnahan nach seinem hervorragenden Cop-Thriller „Narc“ das Publikum auf seinen nächsten Kinofilm warten lassen. Nun hat er als Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion endlich wieder zugeschlagen und fabriziert einen leider sehr enttäuschenden Actionthriller, der so viel Action, wie der Trailer sugerriert, gar nicht bietet.
„Smokin' Aces“ ist letztlich leider mehr gewollt als gekonnt, nahezu schon krampfhaft auf Kult konzipiert und muss deswegen deutlich hinter den hohen Erwartungen zurückstecken. Die eigentlich vielversprechende Prämisse setzt Carnahan ordenlich in den Sand. Es wäre vermessen nun von einem miesen Film zu sprechen, mehr als guter Durchschnitt kam dieses Mal dabei allerdings leider nicht heraus.
Dabei sah das im Trailer alles noch nett aus. Ein wilder Haufen durchgeknallter Enfant Terribles macht sich auf, um den Las Vegas - Bühnenzauberer Buddy 'Aces' Israel (Jeremy Piven, „Phoenix“, „Old School“) abzuknallen. Die Mafia hat auf ihn ein Kopfgeld von einer Millionen Dollar ausgesetzt, weil er zu viel weiß und die Polizei ihn als Kronzeugen präsentieren möchte. Also machen sich allerhand schießwütigen Parteien, darunter auch Cops, auf den Weg zu Israels Penthouse, wo dieser mitten im Drogenrausch eine Party nach der nächsten feiert, und sorgen vor Ort für einen standesgemäßigen Mexican Standoff. Nun ja, den gibt es sogar und er wurde auch top inszeniert, macht aber nur einen Bruchteil des Films aus und dauert lediglich grob fünf Minuten. Sonderlich actionreich ist „Smokin' Aces“ also nicht.
Dafür gibt der Film sich geschwätzig, zu geschwätzig. Nahezu die gesamte erste Hälfte des Films verbringt Carnahan damit seine durchgeknallte Crew vorzustellen, die bis in kleinere Nebenrollen mit allerhand namhaften Material besetzt wurde. Auch ein Wiedersehen mit Ray Liotta („Phoenix“, „Narc“) darf der Zuschauer feiern. Der Einzige, der einigermaßen gut hierbei wegkommt, ist aber Ryan Reynolds („Van Wilder“, „Blade: Trinity“), den ich ohne Vollbart gar nicht mehr sehen möchte. Ansonsten fährt Carnahan die volle Bagage schräger Figuren auf, die sich später ins Getümmel um Israel stürzen sollen. Ein jeder muss seine Macken haben, ein jeder hat seine Geschichte zu erzählen und nebenbei noch ein paar Anekdoten zu Israel zum Besten geben, doch leider fehlt den Dialogen jede Ausgefeiltheit und jeder Wortwitz. Sie erzählen viel, haben aber nichts zu sagen, außer dass Israel sterben muss.
Wo Primus Tarantino die kultigsten Texte komponiert, kommt bei Carnahan leider nur lauwarme Luft. Ich schreibe das wirklich nicht gern, weil ich Carnahans „Narc“ sehr mag, aber hier hat er sich leider total verzettelt. Denn der dicht gestaffelte Auflauf abgedrehter Killer in den flippigsten Klamotten nervt auf die Dauer einfach. Die meisten sind nicht einmal besonders witzig oder gar skurril, sondern einfach nur derb durch den Wind. Deswegen mag man als Zuschauer auch keine Sympathien verteilen oder einen auswählen, dem man jetzt die Daumen drücken würde.
Man sieht zwar, was Carnahan hier vor hat, aber es funktioniert nicht. Weniger wäre an vielen Stellen mehr gewesen, anstatt hier brachial mit der Brechstange einen kultigen Actionthriller anzustreben.Er kennt zwar seine Vorbilder, aber ich bezweifele, dass er sie verstanden hat. In einer Szene setzt plötzlich Musik von Ennio Morricone ein, ohne dass sie dahin passt. Sollte das eine ironische Hommage sein? Egal, sie verfehlt ihre Wirkung. Selbiges gilt für den Plot, der eigentlich so schrecklich simpel daherkommt und trotzdem so verworren erzählt wird, bis denn alle auf Israel anlegen. Dies macht den Ablauf nicht gerade interessanter.
Wenigstens die Inszenierung hat er im Griff. Wenn sich im letzten Drittel über zwei Etagen sowie einen Fahrstuhl die diversen Parteien mit Kettensäge, Macheten, doppelläufigen Schrotflinten und Maschinenpistolen beharken und aus dem Nachbargebäude noch Kaliber 50 – Geschosse geschickt werden, kommt Carnahan endlich so richtig in Form. Er zerbröselt die gesamte Einrichtung und schickt zig Beteiligte in blutigen Shootouts über den Jordan, bis alles in Schutt und Asche liegt, die Charaktere in Blut waten oder in Flammen stehen. Davon hätte ich gern mehr gesehen, doch Action ist eigentlich zu rar gesät.
Denn „Smokin' Aces“ interessiert sich sehr viel mehr für seine schablonenhaften Hippies, die durch die Handlung strolchen. Einige finden nicht mal zu Israel und trotzdem folgt Carnahan ihrer Odyssee bis zum Schluss. Darin begründet sich auch eines der Hauptprobleme des Filmes. Carnahan hat gleich so viele verrückte Figuren erschaffen, dass er sich gar nicht entscheiden kann, auf wen er den Fokus richtet und wen er links liegen und nur kurz zu Wort kommen lässt. Als Resultat dürfen alle ein bisschen ran und weil einige davon nerven, ziehen sie den Film ganz schön runter. Sie alle so ausführlich vorzustellen, hätte wirklich nicht Not getan. Keine Frage, darunter trifft man auch ein paar echte Knüller und nicht alle Ideen Carnahans sind schlecht, er findet nur nicht die Balance zwischen notwendigen beziehungsweise gelungenen Szenen und denen, die er einfach weglassen könnte. 10 bis 15 Minuten weniger und der Film hätte mehr Tempo und Dynamik besessen.
Doch nicht alles an „Smokin' Aces“ ist enttäuschend. Joe Carnahans fetzige Inszenierung findet Anklang. Mit coolen Kamerafahrten, einer schicke Farbgebung, einem dynamischen Schnitt und hin und wieder dank der begleitenden Musik auch nicht ohne Ironie präsentiert sich der Film edel verpackt. Davon versteht Carnahan genug. Selbst die Situationskomik kommt nicht zu kurz und über die Action-Choreographie haben ich oben weiter bereits schwadroniert.
Trotzdem beißt sich seine Umsetzung mit einigen Momenten. Dies mag aber am lockeren Grundton des Films liegen, der hier herrscht und vor allem zum Ende hin mit dramatischen Szenen Pfötchen geben soll. Die letzte Szene, deren Wirkung komplett verpufft, ist ein schönes Beispiel dafür, wie wenig Carnahan darauf geachtet hat, dass die Leichtfüßigkeit des Treibens nicht allein dominiert. So mag der Schlusstwist zwar als letzter Gag geplant gewesen sein, mit dem vorangegangenen Film hat er allerdings eigentlich gar nichts zu tun und danach verlangt hat auch niemand.
Fazit:
Ich habe mich wirklich seit Monaten auf „Smokin' Aces“ gefreut, umso größer ist nun die Ernüchterung. Den Film als Debakel zu bezeichnen, wäre zuviel des Guten, da Joe Carnahans kurzweilige Inszenierung in Ordnung geht und die leider zu wenigen Actionszenen wirklich überzeugen können. Der illustrate Cast wird allerdings gnadenlos verheizt. Die Defizite lassen sich am Drehbuch festmachen: Den Dialogen mangelt es an Coolness und Raffinesse, die Figuren sind zwar alle durch den Wind, oft aber auch einfach nur nervig und der Plot wird zu kompliziert erzählt, obwohl er viel fixer auf den Punkt kommen könnte. Man wartet als Zuschauer förmlich darauf, dass der Film endlich in Schwung kommt, aber das passiert leider erst kurz vor Schluss. Bis dahin muss man sich leider durch Höhen und Tiefen kämpfen. Mit viel Sympathie für Joe Carnahan noch eine durchschnittliche Bewertung. Sehr schade.