An dieser Stelle mal ein Kompliment für denjenigen, der den Trailer zu „Smokin’ Aces“ zusammenschnitt: Dieser war eine echte Granate, der Film kann da leider überhaupt nicht mithalten.
Die FBI-Agenten Richard Messner (Ryan Reynolds) und Donald Carruthers (Ray Liotta) beobachten die Villa eines Mafiabosses, der im Sterben liegt. Nebenbei wird die Hintergrundgeschichte vorgestellt, denn besagter Pate verkrachte sich dereinst mit Bühnenzauberer Buddy ’Aces’ Israel (Jeremy Piven). Aces wurde in die ehrenwerte Gesellschaft aufgenommen, startete jedoch sein eigenes Business und spaltete damit die Familie. Das Ganze wird in Rückblenden erzählt, kurze Texteinblendungen stellen die Figuren mitsamt Job vor, was nicht innovativ, aber doch sehr flott ist.
Der Mafiaboss und auch andere Gruppierungen haben einen Preis auf Aces’ Kopf ausgesetzt, wollen gar sein Herz herausgeschnitten haben, weshalb Profikiller und Kopfgeldjäger verschiedenster Art nach ihm fanden. Gleichzeitig ist die Situation ideal, um ihn zum Kronzeugen zu machen, da man damit die Mafia restlos zerschlagen könnte. Es folgen weitere Rückblenden, die Vorstellungen der verschiedenen Parteien, die sehr illuster daherkommen, von verwarzten Neonazibrüdern über den Folterknecht bis zum Verkleidungskünstler.
Alle Parteien wissen, dass Aces mit ein paar Leibwächtern in der Präsidensuite eines Hotels am Lake Tahoe residiert. Diese ist zwar schwer bewacht, doch jeder will auf eigenem Wege an Aces herankommen – die Konkurrenz darf dabei ruhig Blei schlucken...
Damit hätte man eigentlich die Ausgangssituation für eine tolle Ballerorgie, der Trailer versprach genau eine solche, aber „Smokin’ Aces“ bietet leider sehr wenig Action. Meist nur kurze Schusswechsel, lediglich zwei parallel ausgetragene Gefechte auf verschiedenen Etagen des Hotels bieten etwas langwierigere Action. Inszenatorisch kann man Regisseur Joe Carnahan keinen Vorwurf machen (wie beim kompletten, top durchgestylten Film), der Krawall ist immer fein inszeniert und mitreißend, nur mengenmäßig eine Enttäuschung. Überraschend hoch der Härtegrad, denn blutige Einschüsse, der Gebrauch einer Kettensäge oder das Anzünden eines Kontrahenten gehören hier zur Tagesordnung.
So ist es auch das große Problem von „Smokin’ Aces“, dass er sich quasi zwischen alle Stühle setzt. Für einen ordentlichen Ballerschinken sprechen die Waffen zu wenig, für einen Thriller mangelt es an Plottwists. Die eine oder andere Überraschung kann der Plot freilich bieten, die finale Enthüllung hingegen kann man schon recht früh im Film zumindest teilweise entschlüsseln. Dabei ist „Smokin’ Aces“ durchaus kurzweilig, große Hänger sind kaum zu verzeichnen, aber Hochspannung verbreitet er auch nicht. Zudem baut er die Erwartung von zig Konfrontationen auf, aber wie bereits erwähnt ist die Action zum Schluss dann nicht so ausgiebig.
Auch beim Tenor des Films schwankt „Smokin’ Aces“ etwas zu unentschlossen zwischen witzig und dramatisch. Gerade in der Figur des idealistischen Messner, der sich im Laufe des Geschehens von seiner eigenen Behörde verraten führt, und dem Zusammenbruch von Aces, der sogar seine Freunde verraten muss, blitzt echte Tragik auf. Doch dazwischen ist „Smokin’ Aces“ dann wieder schräg und witzig, es hagelt flotte Sprüche, meist sitzen die Gags, nur gelegentlich sind sie daneben (z.B. nerven die Szenen mit dem Karateblag furchtbar). Einige Figuren sind auch reines Comic Relief, wie z.B. das Brüdertrio: Die drei sind so dreist, dass sie in Ruhe ein Drive-By Shooting am hellen Tag begehen, greifen vorzugsweise im Kamikazestil an und ihre Aktionen werden auch mit harten Klängen von Bands wie Trivium oder Motörhead untermalt (deren „Ace of Spades“ wird leider nicht so schnittig wie im Trailer eingesetzt).
Mit seinem Figurenensemble hat „Smokin’ Aces“ eh kleine Probleme: Es gibt so viele Charaktere, dass nur wenige richtig vorgestellt werden. Die Brüder sind nur für den Ausgeflipptheitsfaktor da, der Verkleidungskünstler und der Folterknecht sind beinahe nur um ihrer Vorgehensweise willen da. So kann man nur mit wenigen Figuren warm werden, wenngleich „Smokin’ Aces“ immerhin schon früh zeigt, dass nicht ganz so einfach abzusehen ist, wer überlebt, denn eines der bekanntesten Gesichter des Ensembles wird direkt zu Beginn ausradiert.
Das Ensemble ist groß und birgt einige prominente Gesichter. Andy Garcia ist als Vorgesetzter gnadenlos cool, Ben Affleck beweist Mut zur Prolligkeit und Ray Liotta ist mal wieder Edelsupport. Überraschend gut schlägt sich auch Soulsängerin Alicia Keys und Peter Berg kann trotz wenig Screentime durchaus Akzente setzen. Die beste Vorstellung liefert überraschenderweise jedoch Ryan Reynolds ab, sonst eher als Sprücheklopfer in „Party Animals“ und „Blade: Trinity“ bekannt. Er verleiht seiner Figur sogar Charaktertiefe. Ähnliches lässt sich auch über Jeremy Piven sagen, der hier mal etwas mehr als den Comedic Sidekick wie sonst immer gibt. Kleines Schmankerl für B-Actionfans: Wayne Newton tritt in fast der gleichen Rolle (und in fast dem gleichen Anzug) wie als Ansager in „Best of the Best 2“ auf.
Schlecht ist „Smokin’ Aces“ nicht, aber viel Potential wurde verschenkt: Der Film schwankt zu sehr zwischen Komik und Dramatik, unbeschwerter Action und Thriller. Er bietet von allem etwas, aber von keinem genug und so ist er trotz der rasanten Inszenierung nur ganz passabel. Schade um die wenigen coolen Actionszenen und die illustren Figuren.