Ein halbgares Vergnügen... (Spoiler included)
Durch den Trailer gelockt (obwohl schon hier der Stil teils aufgezwungen wirkte) habe ich mir dieses Machwerk angetan, dass vieles sein will, tatsächlich wenig ist, aber dennoch zu unterhalten weiß.
Zunächst haben wir es mit einem Guy Ritchie-Gangsterbuddyfilm-Verschnitt zu tun. An den Dialogen, die im Rest des Films recht gestelzt wirken, ist hier noch wenig auszusetzen. Es werden die Guten (das FBI) und zahlreiche Böse vorgestellt, die alle nur hinter einem hochrangigen Taschenmagier und Mafiaverräter her sind, der mit Scheuklappen durchs Leben läuft, ohne zu bemerken, dass die Welt hinter seinem Rücken die Messer wetzt. Und die Kettensägen auspackt. Sowie diverse Shotguns durchlädt. Auch ein gewaltiges Scharfschützengewehr zur Mammutjagd wird mit von der Partie sein. Es kann so schön sein.
Wird es aber nicht. Die Ritchie-typischen Kleinganoven, die wenig auf dem Kasten haben und von einem Unglück ins andere rutschen, aber verschrobene Sympathieträger sind, sterben gleich zu Beginn. Puff, aus. Irgendwie wurde Ritchie hier falsch verstanden. Der Witz ist, die Kernfiguren trotz Dämlichkeit und denkbar unglücklichen Situationen irgendwie überleben zu lassen. Das aber passiert hier nur sehr bedingt.
Der Grund dafür ist offensichtlich, dass sich hier an einem hippen (wie ich das Wort hasse) Genremix versucht wurde, der tarantinoesk (auch nicht viel besser) wirken sollte. Also skurrile Situationen und so unpassende wie pfiffige Dialoge. Nun ja, ersteres wird ab und zu serviert, nur mit den Dialogen hapert es nach dem Ableben der Drei vom Beginn gewaltig. Die Pseudo-Coolness der Gangsterbräute oder die pathetischen Worte des Killers mit Ehre - all das wirkt deplatziert, trifft nicht ins Schwarze. Aus der Killerriege hat mich einzig die Rammstein-Nazi-Truppe überzeugt, die völlig neben der Spur und überzeichnet dargestellt wurde, dass es eine wahre Freude war.
Diese testosteronsprühenden Vollpsychos sorgen ziemlich zu Ende des Films für die beste Szene desselbigen, wenn sich "Smokin' Aces" endlich kurz entscheiden kann, etwas mit vollem Einsatz zu sein. Hier ist es der durchgedrehte Actionfilm. Mit Pistolen, Shotguns und Kettensäge wird der gesamte Raum neu angestrichen, kein Stein oder Körperteil bleibt auf dem anderen (ich vertrete die These, dass USK und FSK zwei Schalen einer Waage belegen. Je härter die eine bewertet, desto freundlicher die andere - nur so ein Gedanke). Dazu hetzende Musik, die Funken fliegen - das ist reines Adrenalinkino.
Zwischendurch aber wird das Tempo völlig unpassenderweise herausgenommen, weil Action- oder Gangstergenre nicht reichen. Wir brauchen Drama! Leider gehts auch hier recht schwülstig zur Sache, nur die Szene, in der die Scharfschützin um den vermeintlichen Tod der Freundin trauert oder das wenigstens konsequent pathetische Ende können überzeugen.
Überzeugen - das ist etwas, dessen die Story überhaupt nicht fähig ist. Herzpatienten, für die sich durch ein halbes Hotel gemeuchelt wird, können natürlich nicht auch ein sonstwie beschafftes Herz transplantiert bekommen - es ist doch klar: Nur ein Alkoholiker- und Kokserherz hält am Leben! Auch die konstruierten Wege, hier ans Ziel zu kommen und die Zielperson umzubringen - naja... Das alles wäre kein Beinbruch, wäre "Smokin' Aces" der konsequente Actionblender, für den ich ihn zunächst hielt, wäre. Mit den Dramaeinsprengseln möchte er sich allerdings einen Tiefgang verschaffen, den er in keinster Weise an den Tag legt.
Dennoch ist der Film sehr unterhaltsam, wenn echte Skurrilität durchblitzt oder die Spannungsschraube angezogen wird. Zum Schluss hin zeigt die Story nämlich, wuzu sie trotz aller Abwegigkeit (eigentlich nur wegen dieser Abwegigkeit!) fähig ist: Das Wettrennen diverser Profikiller und des FBI um dasselbe Ziel schafft durchaus Spannung. Und wenn dann die Parteien aufeinander treffen, geht es selbstverständlich böse zur Sache. Nur - leider nicht in dem Umfang, den ich mir erwartet hätte. Trotzdem ist "Smokin' Aces" für Freunde der abwegigen Action einen Blick wert.