Mit Smokin' Aces versucht Regisseur Joe Carnahan sich in die Riege der Kultverbrechergeschichten einzureihen. Von der Struktur ist der Film ähnlich des genialen Snatch und eigentlich kann dann ja kaum etwas falsch gemacht werden. Das FBI bekommt bei einer Abhörüberwachung mit, dass ein bekannter Kartenzauberer aus Las Vegas ausgeschaltet werden soll, da er eine gefahr für die dort ansässige Cosa Nostra ist. Es wird ein Kopfgeld von einer Million Dollar auf Aces (so lautet der Spitzname des gejagten) ausgesetzt, da er eine Gefahr für die Mafia ist, denn er wurde durch diese zu einem Megastar und wurde von ihr beschützt. Jetzt, da er auspacken will, ist er den Mafiosi ein Dorn im Auge und muss beseitigt werden. Das FBI setzt allerdings alles daran, dass der Kronzeuge unbeschadet zur Verhörung kommt und damit das Ende der Cosa Nostra Las Vegas zu besiegeln. Doch wer nicht nur einen Killer anheuert, muss damit rechnen, dass sich viele Fliegen auf den 1 Million Dollar Haufen Stürzen. Im Film geht es eigentlich daher um die diversen Strategien der verschiedenen Killer, um an den Kopf, bzw das Herz von Aces zu kommen.
Wie auch Snatch kann Smokin' Aces mit einer Anzahl sehr guter Schauspieler aufwarten. Ob nun Ray Liotta als FBI Agent oder Ben Affleck als schmieriger Informant, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Liotta und Ryan Reynolds, die als die guten Agenten einen guten Endruck hinterlassen, haben mich persönich etwas überrascht. Vorallem der junge Reynolds kann nach sehr vielen glanzlosen auftritten wie zum Beispiel im schwachen Blade Trinity endlich zeigen, dass er als Schauspieler doch ein fünkchen Geschick mitbringt. Als tragische Figur ist er immerhin sehr authentisch und kann so beim Zuschauer punkten. Auch Ben Affleck ist wieder einmal wunderbar anzusehen, und die Rolle des bärtigen Informanten steht ihm einfach ins Gesicht geschrieben. Zwar besitzt er keine Hauptrolle, aber als Nebencharakter funktioniert Affleck vielleicht sogar besser denn als Hauptfigur, so ist immerhin mein Eindruck. Tommy Flanagan ist als Profi-Killer, wecher andauernd sein äußeres ändert, ebenfalls sehr eindrucksvoll. Er spielt den Killer mit einer Coolness, als ob er in Wirklichkeit nichts anderes machen würde. Die wahre schauspielerische Meisterleistung ist allerdings Jeremy Piven vorbehalten. Er, der den gejagten Aces spielt, kann in jedem Moment überzeugen, ob es seine Hochmütigkeit am Anfang seiner Karriere ist, oder sein Absturz während der Attentatsversuche ist, immer wieder zeigt er eine grandiose Darbietung, die wirklich eindrucksvoll ist. Von fröhlich über enthusiastisch bis zu gänzich verzweifelt ist alles in seinem Repertoire vorhanden. Solche Leistungen brennen sich nach dem Film ein.
Das viele gute Schauspieler und auch sehr viele beachtliche Leistungen ihrerseits noch lange nicht zu einem guten Film führen, dass zeigt Smokin' Aces leider zu deutlich. Angefangen bei der Geschichte des Films, die als einzigen wirklich wichtigen Punkt die verschiedenen Strategien der Killer beinhaltet, oder die sehr häufig viel zu ernst genommenen Szenen vermiesen eine Filmspaß aller erster Güte. Smokin' Aces will so kultig sein wie andere Filme, versucht das allerdings auf einem eigenen, viel ernsteren Weg als zum Beispiel Guy Ritchies Snatch. Aus diesem Grund sind viele Konversationen zu steif, und bleiben häufig nicht in Erinnerung. Einzige wirklich sehr gelungene Ausnahme zu dieser rostigen Ernsthheit sind die Neo-Nazi Büder Tremor. Hier geht ein Licht in der Ironie auf, wie man das einst aus anderen Filmen kannte und eben auf diese kleinen Höhepunkte hätte man aufbauen müssen. Jedes mal, wenn die Tremors (ob der Name wohl an den Würmern angelehnt ist, in der Verrücktheitsskala passt das zumindest sehr stark zusammen^^) auftreten kommt ein kultverdächtiger Schwall voller Inspiration in den Film, welcher dann allerdings wieder von einer gänzlich uninspirierten Idee wieder aufgefangen wird. Neben der fehlenden Lockerheit ist vorallem die Geschichte sehr schadend für Smokin' Aces. Während man den Hauptteil noch als gelungen darstellen kann, ist vorallem das Ende eine Farce für dieses Genre. Wieso muss ein solcher Film ein dermaßen verschenktes Ende haben?? Hier geht der Film für mich in eine gänzlich falsche Richtung und das ist leider auch das Todesurteil der Kultigkeit.
Neben dieses beiden sehr extrem auffallenden Schwächen ist vorallem auch der Soundtrack nicht stark genug um mit den Genrekonkurrenten mithalten zu können. Die Stücke sind einfach nicht einprägend genug um für eine längere Zeit gehört und beachtet zu werden. Hier hätte man sich vielleicht auch eher an schon vorhandenen, guten Stücken bedienen sollen, anstatt durchweg unbekannte Lieder zu benutzen.
Was den Film allerdings aus den unteren Rängen nach oben katapultiert sind die Actionszenen, die ohne viele Worte zu verlieren einfach nur fett sind. Zwar sind diese leider nur in der letzten halben Stunde des Films zu begutachten, aber diese kurze Zeit wird von der Intensität locker wieder aufgehoben. Smokin' Aces zeigt hier, was er hätte leisten können, und daher enttäuscht es mich um so mehr, dass Carnahan dieses Niveau nicht halten konnte. Da wird hier und da ein ganzes Stockwerk auseinander genommen, Menschen mit Kettensägen maltretiert und mit ganz fiesen Mitteln einfach so erstochen. Wie gesagt, durch diese Szenen rettet sich der Film auf ein doch noch erträgliches Level.
Letztendlich ist Smokin' Aces nicht mehr als eine durchschnittliche Nachbereitung von Snatch meets Lucky Number Slevin. Doch leider kann der Film nur im Ansatz mit den beiden Genre-Krachern mithalten und versagt leider völlig bei der Entwicklung der Geschichte. Wer also einen kultigen Film sehen will, der kauft sich die Snatch bzw Lucky Number Slevin DVD oder wartet bis Smokin' Aces in der Videothek steht. Das Potential war da, doch genutzt wurde es nur in einem ganz kleinen Maße. Schade!
FAZIT: 5/10