Review

"Smokin' Aces" - Joe Carnahans nächster Streich nach seinem hochgelobten Copthriller "Narc", welcher durch optische Brillanz als auch darstellerische Glanzleistungen bestach. Der Trailer zu "Smokin' Aces" versprach auf jeden Fall ein cooles, an Tarantino-Filme angelehntes Verwirrspiel mit innovativer Optik, sowie einer Story, welche einer cleveren Erzählstruktur folgt - I-Tüpfelchen wird dann selbstverständlich die subversive Ironie des Werkes sein. Doch was Joe Carnahan dann wirklich abliefert, ist weit entfernt vom Tarantino-Touch. Von einer ausgeklügelten Story mal ganz zu schweigen...


Den Film in Worte wiederzugeben ist praktisch unmöglich, da die Story nur dem einen Zweck dient, welcher besagt, das Publikum zu verwirren und Dialoge rauszuhauen, welche wohl cool wirken sollten. Jedenfalls ist der Streifen hochkarätig besetzt, ein gut halbes Dutzend prominenter Stars aus der A- sowie B-Liga tummeln sich in Haupt- als auch Nebenrollen herum. Diese Fülle an Schauspieler führt zwangsläufig dann auch zu einer Handvoll Charaktere, welche dem Film den nötigen Esprit verleihen mögen, wie man sie von Tarantino-Filmen nun mal kennt. Es wäre sicherlich ratsam, sich die Namen der Charaktere aufzuschreiben, da es anfangs doch sehr verwirrend sein kann, wer nun wer und was genau ist, tut und tun wird. 
Es geht um eine Person, auf die anscheinend eine Million Dollar Kopfgeld ausgesetzt ist. Nach diesem Motto sind nun die Polizei, Neo-Nazis, ein privat organisiertes Frauen-Duo und der ein oder andere nun hinter jener Person her - Buddy "Aces". So weit der minimalistische Plot. Eines der größten Hauptprobleme sind mit Sicherheit die Stars, welche entweder blass wirken oder ihrer Rolle nicht gerecht werden. Schade auf jeden Fall ist, dass der Part von Ben Affleck sehr klein eingeräumt wurde. Er verleiht seinem Charakter nämlich ein gesundes Maß an Coolness, selbst wenn seine Eigendarstellung ab und an etwas selbstverliebt rüber kommen mag. Er jedoch definiert seine persönliche Art von Coolness - und gerade wenn man anfängt, sie richtig kennen zu lernen und zu mögen, wird er schon umgenietet - von den Neo-Nazis. Deren Part ist zwar auch relativ klein, aber besonders in den Gewaltszenen sind sie im Grunde die Verantwortlichen der absurd-grotesken Momente. Sei es die unfreiwillige Selbstexekution mit der Motorsäge oder die extrem überkandidelte Darstellung des "Skindheadsein". 

Was besonders übel aufstößt ist die Langwierigkeit der Story. Es baut sich kein Interesse auf, die Story plätschert in der ersten Stunde munter vor sich hin ohne spektakulär zu werden oder sogar eventuell Spannung aufzubauen. Es werden Charaktere eingeführt, unnötige Nebensequenzen abgefilmt und der langersehnte Showdown wird noch zusätzlich durch die Jagd nach Aces in die Länge gezogen, obwohl jeder schon von Anfang an weiß, wo er sich befindet. 
Das Skript ist löchrig, die Dialoge bleiben meist nur selbstzweckmäßig getreu dem Motto "Ich will cool sein und habe nun 'nen coolen Spruch gesagt. Nun ist mein Film cool!" im Raume stehen ohne der Story irgendwie weiterzuhelfen oder dem Publikum auf die Sprünge zu helfen, was den nun Carnahan eigentlich explizit will. Zugegeben, es gibt Momente im Film, welche wirklich schon fast eine epische Dimension erreichen. 2-3 Filmsequenzen unterhalten das Publikum blenden, gewürzt mit  der nötigen Portion Witz sowie der geplanten Coolness, die Carnahan eigentlich schon von Anfang an haben wollte. Nur bleibt es eben bei den kurzen Szenen.
Im Grunde ist der Film ein unausgegorenes Episodendrama. Alle wollen nur das eine - am Ende finden dann alle zusammen. Manche Episoden sind gut, manche wiederum schlecht. Leider hat der Film zu viele schlechte Episoden, was dem Gesamtwerk natürlich schadet.

Hat man nun die erste Stunde überlebt, wird man quasi mit DEM Showdown belohnt, von dem die ganze Zeit die Rede war. Gut 20 Minuten findet der Film nun zu einem Rhythmus, welcher unterhält und sogar Gewalt fabriziert, die schon fast eine extrem groteske Statur annimmt. Es spritzt genug Blut, es wird rasant geschnitten und die Optik passt sich dem Gemetzel einwandfrei an. Im "Matrix"-Stil wird hier nun Hackfleisch angerichtet. Es trifft die Richtigen als auch die Falschen, für den Bruchteil einer Sekunde fiebert man sogar mit und baut Bindungen zu diversen Charakteren auf. Eine wirklich Emotion wird allerdings nie stattfinden, da der Film dann doch im Grundton zu zynisch veranlagt ist. 
Sobald sich das Gemetzel beruhigt hat und Carnahan den Großteil seiner Schauspielerschar im Blut ertränkt hat, findet der Film leider zu seinem gewohnten Rhythmus zurück und langweilt das Publikum wieder aufs Neue. Das zieht den Film wieder einmal unnötig in die Länge; und selbst wenn der Endtwist auch so überraschend sein mag, er ist definitiv nicht zufriedenstellend, da sehr weit hergeholt und unlogisch. Der ganze Film entbehrt sich zwar schon jeder Logik, aber das ist der Gipfel der Unverschämtheit. 

Joe Carnahan wollte ein Gangster-Epos inszenieren - und das im Stil der legendären Vorbilder "Pulp Fiction" und Co. Allerdings hat er kein Händchen dafür. Er fabriziert ein langwieriges, anspruchsloses sowie sehr pseudo-cooles Gelaber, das nur mit der waghalsigen Action zeitweise überzeugen kann. Die Gewaltszenen sind zwar auch nett anzusehen, dennoch sind sie doch ab und an etwas zu absurd geraten, was den Film leicht ins Lächerliche kippen lässt. Ebenfalls ärgerlich ist, dass sich der Film zu ernst nimmt und ihm das Wörtchen "Ironie" wohl unbekannter ist als eine logische Erzählstruktur. Dennoch vermag der Streifen ab und an zu unterhalten und der Soundtrack von Clint Mansell ist sowieso genial. Der Score untermalt manchmal die Absurdität mit einem bissigen Unterton, was dann doch wieder positiv anzumerken wäre. Aber ein Soundtrack allein rettet keinen Film. 
Leider verquaster, martialischer Genremix, der sich für nichts zu schade ist und eben viel zu dick aufträgt. Weniger wäre hier mal mehr gewesen - und wohl dosierter!

Dass es sogar ein Sequel gibt, ist nicht nur lächerlich, sondern auch unnötig!

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