Mit "Smokin' Aces" hat Regisseur Joe Carnahan einen Film gewordenen Comic inszeniert - und das fängt schon bei der durchgeknallten Story an: Ein Mafiakronzeuge, der im Schutzprogramm des FBI versteckt gehalten wird, wird quasi zur öffentlichen Jagd ausgeschrieben - und eine ganze Horde von Auftragskillern macht sich auf den Weg, um ihn zu liquidieren. Hemmungslose Neo-Nazis, Möchtegern-Gangster, ein eiskaltes Killerinnen-Pärchen und hochprofessionelle Mörder kommen sich bald gegenseitig in die Quere und richten in einem Hotel in Las Vegas ein irres Massaker an.
Ziemlich schnell wird klar, dass "Smokin' Aces" auf den Zug des nur kurz vorher entstandenen "Crank" aufspringen will: Ein rasanter Schnittrhythmus, ausgefallene Kameraperspektiven, hektische Dialoge und eine Story, die kaum eine Minute Pause macht, sollen auch hier für durchgehende Adrenalinschübe sorgen. Im Gegensatz zu "Crank" funktioniert dieses Konzept hier allerdings nur bedingt. Das liegt einerseits daran, dass der Film nicht annähernd so kultig-verrückt ist, wie er gern wäre. Die Dialoge sollen Tarantino-typisch schräg-obszön sein, sind aber großteils einfach platt und vulgär. Der Humor bleibt stumpfsinnig und hoffnungslos übertrieben - ein Karate-begeisterter gestörter Junge, pseudocoole Gangsterfiguren und nur bedingt originelle Wendungen wirken allzu bemüht, um wirklich witzig zu sein. Nur an ein oder zwei Stellen gelingt es, die Erwartungshaltungen des Zuschauers zu unterwandern. Und dann verhebt sich der Streifen auch noch an dem Versuch, mit der Figur des emotional gebrochenen Kronzeugen oder des desillusionierten jungen FBI-Agenten eine Spur von Tiefgang und Tragik einzumischen. Für wirkliche Anteilnahme bleiben die Agierenden aber viel zu oberflächlich und dünn gezeichnet.
Andererseits bietet auch die Action nicht das, was man nach "Crank" erwarten dürfte. Anstatt eine Action-Orgie zu starten, braucht "Smokin' Aces" eine Ewigkeit, um in Gang zu kommen. Die verschiedenen Figuren und Gruppen werden zwar zügig eingeführt und auch die Ausgangssituation ist schnell erklärt. Dennoch zeigt der Film einen Großteil seiner Laufzeit nur die Vorbereitungen der einzelnen Killer und Strippenzieher hinter den Kulissen. Erst zum Finale eskaliert das Ganze endlich in eine beherzte Schießerei, bei der dann auch Action-Fans auf ihre Kosten kommen.
Diese Action kann sich dann aber auch sehen lassen. Vor allem gelingt es Carnahan ausgezeichnet, gleich zwei Kämpfe auf zwei Etagen parallel zu montieren. Dadurch entsteht dann doch noch richtig intensive Spannung mit spektakulären Bildern und blutiger Gewalt. Und mit der finalen Auflösung weht schließlich doch noch ein Hauch Tragik durch die Geschichte.
Bis dahin ist aber zu viel Zeit sinnlos verstrichen, als dass der Zuschauer noch voll bei der Stange sein könnte. Insgesamt gelingt es "Smokin' Aces" nicht, seine zahlreichen guten Zutaten zu einer passenden Einheit zusammenzuschließen: Die viel versprechende Story, eine ganze Horde durchgeknallter Figuren und ein starkes Darsteller-Ensemble von Ryan Reynolds über Ray Liotta als harter FBI-Hund und Andy Garcia als doppelt spielender Chef bis hin zu Ben Affleck als kleiner Gangster, der die große Chance seines Lebens wittert, werden zu lose aneinandergereiht, um wirklich zu funktionieren. Immerhin bietet der Film mit Alicia Keys als Profikillerin eine angenehm starke und selbstbewusste Frauenfigur, die sich in der brutalen Männerwelt bestens durchzuschlagen weiß. In Sachen Action, Story und Humor hätte es aber noch deutlich mehr Stringenz gebraucht, um "Smokin' Aces" zu einem guten Film zu machen. Von dem Kult, der er gern sein würde, ganz zu schweigen.