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Michael Patrick Janns („Reno 911“) Regiedebüt aus dem Jahre 1999 soll trotz Staraufgebots ein ziemlicher Flop gewesen sein – falsche Promotion oder Desinteresse an einer bissigen Satire auf Schönheitswettbewerbe und die damit verbundene US-amerikanische Unkultur? Ich weiß es nicht, aber mit Kirstie Alley, Kirsten Dunst & Co. verfügt „Gnadenlos schön“ über einige zugkräftige Namen. Der Film gibt sich als ein Dokumentarfilm, fällt aber dennoch nicht in den Bereich „Mockumentary“, da er so dermaßen überkandidelt und überspitzt angelegt wurde, dass selbst der dümmste Ami kapiert, dass es sich um keine echte Dokumentation handelt. Das ist sehr schade, öffnet aber andererseits Tür und Tor für vordergründigen Brachialhumor, makabere, schwarze Scherze und Übertreibungen jeglicher Art, wobei vor kaum etwas Halt gemacht wird und alle ihr Fett wegkriegen – seien es nun verbissen-ehrgeizige Eltern, geltungssüchtige, oberflächliche Teenager, eine in allen Belangen inkompetente Jury etc. pp. Darunter leidet allerdings der Handlungsfaden etwas und es ist nicht immer leicht, zwischen all den Gags den Überblick über die Charaktere und die eigentliche Geschichte zu bewahren. Das hat zur Folge, dass wer es humoristisch lieber etwas subtiler mag, relativ bald auf Durchzug stellen könnte. Leider ist auch das Timing gewöhnungsbedürftig, insbesondere, wenn das eigentliche Finale deplatziert und aufgesetzt wirkt, weil der Höhepunkt bereits zuvor erreicht wurde. Einige aberwitzige Ideen, z.B. wenn nach einer Explosion und daraus resultierenden Verbrennungen eine Bierdose eine dauerhafte Symbiose mit der Hand einer „White Trash“-Mama (Ellen Barkin) eingeht, sind aber sehr memorabel und sorgen für ein klar überdurchschnittliches Vergnügen. Die Schauspielerinnen geben hier wirklich alles, scheinen sich teilweise selbst zu parodieren und als hellstes Sternchen blitzt Kirsten Dunst hervor, die Sympathieträgerin, sofern es überhaupt eine gibt, des Films. Unterm Strich eine gelungene, unterhaltsame, etwas überfrachtete Satire, von der ich mir gut vorstellen kann, dass sie bei wiederholtem Ansehen den Zuschauer weniger fordert, zusätzliche Details offenbart und noch besser zündet.

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