Review

Rein finanziell war "Gnadenlos schön" ein Reinfall, der Versuch einer Satire an der Kinokasse, wie immer ein Risiko.
Der Grund liegt dank der Präsentation schon auf der Hand: hier wird das Thema "Miss-Wahlen" und "Schönheitsköniginnen" mit voller Breitseite aufs Korn genommen und man zeigt es durch die Augen eines fiktiven Dokumentarfilmerteams, die mit ihren Kameras eine Regionalausscheidung für eine landesweite Wahl eines Kosmetikkonzerns betrachten.

Nur sind Miss-Wahlen an sich für halbwegs intelligente Leute schon Realsatiren an sich, so daß lediglich das Mittel der Übersteigerung bis zum Gehtnichtmehr übrig blieb. Hier versammeln sich die Schönen und die Häßlichen mit all ihren unmöglichen Talenten, um bei noch schrilleren Auftritten, sich um den Preis des Erfolgs richtig lächerlich zu machen, tatkräftig unterstützt von ihren fanatischen Erzeugern.

Das langt bei weitem zu einer enorm witzigen Szenenparade, in der die Teilnehmer alle nacheinander vorgestellt werden. Als Subplot bastelt sich dann noch ein geheimnisvoller Attentäter hinein, der es auf die Teilnehmerinnen abgesehen hat, so daß einige von ihnen ins Gras beißen müssen.
Diese Nebenhandlung wird allerdings immer nur sporadisch aufgegriffen und nie voll entwickelt, so daß es bei der Auflösung am Ende dann auch fast keine Überraschungen gibt.

Überdies ist der Film nicht an der bissigsten Stelle zuende, sondern bemüht sich noch um eine Weiterstrickung rund um die nächste Auswahlrunde bis zum genialen Ausfall des Finales, was in Anbetracht der ersten zwei Drittel angeklebt erscheint und den Film nach unten zieht, auch wenn noch genug flotte Zynik drin bleibt, um gegen den üblichen Hollywoodquark anzuschwimmen.

Ob einem das schmeckt, ist diskutabel, schließlich erscheint das alles vergröbert, plakativ und oftmals überzogen inszeniert, um überhaupt noch etwas Luft rauslassen zu können. Erfreulich auf jeden Fall die Darsteller, die hier dermaßen vom Leder ziehen, als ginge es wirklich um ihre Lebensaufgabe.
Kirstie Alley spielt ihre Sitcomerfahrung als superehrgeizige Mutter voll aus, während diametral entgegengesetzt Ellen Barkin als kettenrauchende Mutti, der dank eines Brandanschlags eine Bierdose in die verbrannte Hand geschmolzen ist, völlig jenseits von allem agiert. Kirsten Dunst spielt alles sauber runter, während man bei Denise Richards nicht ganz sicher sein kann, ob sie den Film verstanden hat: sie könnte der Idealtypus einer Miss-Wahl-Kandidatin sein, stets den unpassenden publicity-wirksamen Spruch auf den Lippen.
Immerhin sorgt sie in ihrer lustigsten Rolle seit langem für die wahnwitzigste Szene seit langem: als Solopräsentation besingt sie ein Arschkriecherlied an Jesus, um anschließend noch einen Tanz mit einer menschengroßen Puppennachbildung samt Kreuz hinzulegen.

Die Ideen sind also nicht schlecht, die Kleinstadtidylle ist gut eingefangen, dennoch wirken einige Ideen fahrig verstreut (z.B. rund um den stets hungrigen und sich totamüsierenden Dorftrottel) und ein Rahmen, was das alles soll, will nicht recht offenbart werden.
Andererseits sollte man sich nicht beschweren, wenn man bei der üblichen Konfektionsware seine Sehgewohnheit mal feste um die Ohren geprügelt bekommt und das auch noch so unterhaltsam, wenn schon nicht originell. (8/10)

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