Weihnachten ist eigentlich das Fest der Familie und der Liebe. Wenn im Dezember aber wieder die besinnliche Zeit des Jahres beginnt, dann gibt es auch wieder ihn im Fernsehen zu betrachten: Kevin, den kleinen Brutalo-Racker der Familie McCallister. Nachdem er sich bereits im Jahre 1990 die beiden Verbrecher Harry und Marv zur Brust genommen hat, kriegte er zwei Jahre später noch einmal die spaßige Chance, den beiden Verbrechern eine "aufs Maul" zu hauen. Herausgekommen ist dabei eine weitere spaßige X-Mas-Comedy von Potter-Regisseur Chris Columbus, der es eigentlich nur an einem fehlt: neuen Ideen.
Die Story zu "Home Alone 2" fängt da an, wo Teil 1 aufgehört hat. Wieder ist es Weihnachten und wieder sind die McCallisters im Weihnachtsstress. Da es sich die Familie aber wieder nicht, wie andere Familien, vor dem heimischen Kamin gemütlich machen will, sondern lieber in die Ferne schweift, fahren sie auch dieses mal wieder weg. An Kevin haben sie dieses mal allerdings gedacht, zumindest bis zum Flughafen. Dort steigt Kevin aus versehen ins Flugzeug nach New York und läuft dort, zu allem Übel, auch noch seinen beiden Verbrecher-"Freunden" in die Arme, die die Spenden eines Spielzeugladens stehlen wollen. Doch Kevin wäre nicht Kevin, wenn er das nicht zu verhindern wisse. Es ist mehr als nur spürbar, dass die Geschichte nicht gerade vor Ideenreichtum sprüht. Im Grunde ist das ganze Treiben eigentlich nur ein Remake des ersten Teils, mit verändertem Spielplatz. Da man aber schon in ersten Film diese Geschichte irgendwo ins Herz geschlossen hat und ihre Reize auch beim zweiten Mal nicht abhanden kommen, kann man sich, mit etwas geringeren Erwartungen als zuvor, dennoch daran gewöhnen und zufrieden sein.
Denn das Wichtigste sind nun einmal auch hier die Gags und die funktionieren größtenteils auch beim zweiten Durchkauen. Wie schon in Teil 1, so ist es vor allem die Cleverness von Kevin die den Zuschauer so zum lachen bringt. Das fängt schon bei der Verarschung des kompletten Hotel-Personals an, bei denen man wirklich zweifeln muss, wie viel Grips doch in ihren Köpfen vorhanden ist. Von der Zimmerreservierung, über die Veräppelung des Hoteldirektors, der Verdacht geschöpft hat, mit einer aufblasbaren Puppe unter der Dusche, bis hin zur, schon aus aus dem Vorgänger bekannten, Szene, in der die komplette Hotel-Crew an der Nase herumgeführt wird, in dem sie ein Brutalo-Gewalt-Video für die Realität hält ("Den Rest kannst du behalten, Du Dreckschwein";)). Kurzum, Kevin ist definitiv eins der cleversten Film-Kinder, die es je auf der Leinwand gab.
Dazu dann natürlich wieder der bravouröse, wenn auch dieses mal mitunter deftig brutale, Showdown, in denen das Verbrecher-Duo Harry und Marv ein Aua-Weh nach dem anderen erleiden müssen. Einstürzende Fußböden, die Treppe runter rollende Werkzeugkästen, mit Kerosin gefüllte Toiletten, fliegende Ziegelsteine und Stromstöße, die selbst ein ausgewachsener Elefant nicht überleben dürfte, sind nur einige der schmerzvollen Erfahrungen, die die Beiden machen müssen. Ja hier geht es mitunter manchmal soweit, dass sie einem fast leid tun können. Und es ist dennoch zum kaputtlachen. Auch wenn die Chose, zum Ende hin, vielleicht ein wenig zu lang gezogen wurde, so kann sich doch noch kräftig amüsieren, vor allem wenn man auch mal über deftige Brutalo-Gags lachen kann. Und das ist sicher das Wichtigste.
Was die Inszenierung angeht, kann man ebenfalls zufrieden sein. Wie schon im Vorgänger, so gibt es auch hier wieder wunderbar ausgestatte, wenn auch teilweise sehr düstere, Locations, die Weihnachtsstimmung aufkommen lassen. Allein das weihnachtliche New York ist eine absolute Pracht. Dazu die stimmungsvolle Musik, die wieder einmal alle möglichen Weichnachts-Rock-Klassiker beinhaltet und ein wundervoller, atmosphärischer Score. Das macht Laune.
Darstellerisch ist vor allem wieder Macaulay Culkin zu erwähnen, der sich auch bei seinem zweiten Kevin-Ausflug nicht lumpen lässt und seinen cleveren, schnippischen Charakter aufs optimalste rüberbringt. Dazu die stehts wunderbare Catherine O'Hara und hier als Gast auch ein herrlich schräger Tim Curry, der seinen verblödeten Charakter des Hoteldirektors, herrlich selbstironisch zur Geltung bringt. Und natürlich Joe Pesci und Daniel Stern als Verbrecher-Deppen Harry und Marv. Das passt!
Fazit: Auch Kevins zweiter Alleingang ohne Familie kann riesigen Spaß machen, sofern man sich mit dem ideenlosen Skript anfreunden kann und sich nur auf die meist wunderbaren, treffsicheren und alles in allem nicht gerade zimperlichen Gags konzentriert. Ein Slapstick-Festival der genauso groben wie witzigen Art, dass durch seine gelungene, mitunter schön weihnachtliche, Inszenierung, auch für die passende Atmosphäre sorgt. Auch wenn der Vorgänger unerreicht bleibt, so kann man sich auch diesen Streifen Jahr für Jahr aufs neue reinziehen, ohne gelangweilt zu werden. Gut so!
Wertung: 7/10 Punkte