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Nach dem Erfolg des ersten Teils strickte John Hughes mit „Kevin – Allein in New York“ eine Fortsetzung, die leider kaum Neuerungen besitzt.
Schon der Auftakt wiederholt die Vorjahressituation im Hause McCallister: Es ist bald Weihnachten, aber man will nach Florida fliegen. Die Verwandtschaft von Kevin (Malcauly Culkin) besteht immer noch zum großen Teil aus Arschkrampen, sodass es mal wieder zum Streit kommt. Ebenso obligatorisch: Der Weckerausfall. Einiges davon kann man ja noch als Anspielung auf den ersten Teil ansehen, anderes ist jedoch dumpfes Kopieren.
Kevin nimmt man dieses Mal jedoch mit, selbst in der durch den Weckerausfall entstandenen Eile. Dieses Mal passiert das Malheur jedoch am Flughafen: Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände landet Kevin in der Maschine nach New York…

Das Strickmuster bei diesem Sequel ist genauso wie beim Vorgänger, nur ist hier New York Kevins Spielwiese, doch dank Papis Kreditkarte kann er sich hier ebenso frech austoben wie damals im Eigenheim. Natürlich macht Kevin all das, von dem Kinder träumen (Massig Eis vom Zimmerservice, mit der Limousine zum Spielzeugladen usw.), foppt die Erwachsenen mit Listen usw. Dabei ist das Ganze aber noch eine Spur unrealistischer als im Vorgänger (Kevin quartiert sich z.B. im Luxushotel ein), aber immerhin etwas weniger kindlich-kitschig und auch Kevin nervt mit seiner neunmalklugen Art nicht mehr ganz so sehr wie im ersten Film.
Jedoch wird das Strickmuster ohne viele neue Ideen abgearbeitet: Wieder taucht eine von der Gesellschaft missachtete Figur auf, die aber ganz nett ist (statt des Straßenkehrers hier die Taubenlady) und Kevin später hilft, wieder reist die Familie zu Kevin und wieder tauchen Harry Lime (Joe Pesci) und Marv Merchants (Daniel Stern) auf. Die Umstände des Wiedersehens sind zwar anders, aber wieder läuft die Chose auf den Spießrutenlauf in einem von Kevin präparierten Haus hinaus. Der ist jedoch gewohnt gut getimt, zwar auch wieder unnötig unrealistisch (die Einbrecher müssen hier Dinge ertragen, die andere umbringen würden), doch wieder sehr amüsant und mit einigen Anspielungen auf den ersten Teil.

Leider bricht der Mangel an Neuerungen und die extreme Vorhersehbarkeit „Kevin – Allein in New York“ das Genick, obwohl man in einigen Punkten Verbesserungen vorgenommen hat. So ist das Tempo hier etwas besser und vor dem Spießrutenlaufen streut Regisseur Chris Columbus einige Gags ein, die mehr das ältere Publikum ansprechen und nicht nur auf Faszination der kindlichen Zielgruppe aus sind. Trotzdem ist das anvisierte Publikum auch hier wieder minderjährig und die Menge der Witze für Ältere ist gering (z.B. der Kommentar des Onkels über die Dusche).
Macauly Culkin sägt nicht mehr ganz so sehr an des Zuschauers Nerven, aber ein guter Schauspieler ist er immer noch nicht. Die Familiendarsteller agieren solide, wirklich gut sind jedoch wieder Joe Pesci und Daniel Stern. Komödiantische Unterstützung gibt’s von Tim Curry und Rob Schneider als Empfangschef und Page im Hotel, die beide ganz OK sind, aber schon deutlich besseres vollbracht haben.

Bleibt eine solide Komödie, die jedoch viel zu sehr den Vorgänger kopiert. Ein paar neue Ideen sind ganz nett und das Timing der Gags stimmt, doch mehr als ordentlich ist „Kevin – Allein in New York“ nicht.

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