Er gehört zu den reichsten Komikern Amerikas, der sowohl durch seine Stand-UP-Show, als auch durch seine namensgleiche Sitcom, soviel Geld erwirtschaften konnte, wie kaum einer vor ihm. Und schaut man sich Beides an, dann kann man auch verstehen, woran es liegen mag. Denn Jerry Seinfeld hat mit seiner Comedy-Serie über sich selbst, ein absolutes Denkmal in die Sitcom-Landschaft gesetzt, die etwas geschaffen hat, dass es in der Welt der Flimmerkiste sonst nicht gibt: Eine Show in der es um absolut nichts geht, die brillanter kaum sein kann.
Ja ihr habt richtig gelesen, in "Seinfeld" geht es eigentlich um gar nichts. Genauer gesagt, es wird darüber gesprochen. Jerry, der mit seinen Freunden "George", dem ewigen Loser, "Elaine", seiner Ex-Freundin, und Kramer, dem durchgeknalltem Typ von nebenan, sein Leben in New York verlebt, hat es in jeder Folge drauf, über Themen zu reden und sie hochzuputschen, bei denen man sich ständig fragt, wie man sich über solche Nichtigkeiten eigentlich überhaupt so aufregen kann, bzw. ihnen eine so derartige Bedeutung zukommen lassen kann.
Da wird z. Bsp. 20 Minuten lang in einem China-Restaurant darüber diskutiert, ob man nicht doch lieber wo anders hingehen sollte oder ob man nicht doch lieber wartet. Darüber, ob es ein Zeichen für Homosexualität ist, wenn "er" sich bewegt, wenn man als Mann von einem Mann massiert wird oder ob sich der Ex-Mann von Marilyn Monroe in einen einfachen Donut-Shop verirren würde, nur um dort einen Kaffee zu trinken.
Jedes mögliche und unmögliche Thema, so unbedeutend es unterm Strich auch sein mag, wird hier zu wahrhaften, ausufernden und wirklich köstlich komischen Gesprächen, zwischen Jerry und seinen Freunden, aufgebauscht, dass es nur so eine Freude ist. Dazu alle möglichen und unmöglichen, ganz alltäglichen, Situationen, die hier zu einer Bedeutung gelangen, die sich kein normaler Mensch ausmalen könnte. Sicher, es mag nicht jedermanns Sache sein, über solch ein "Fest der Nichtigkeiten" lachen zu können, doch wer sich den ganzen Spaß einmal genauer angesehen hat, der erkennt garantiert, was für eine Genialität eigentlich hinter den ganzen schrägen Ideen, von Serienschöpfer Larry David und seinem Team, stehen. Denn aus einer Show, die eigentlich nur aus unbedeutenden Nichtigkeiten besteht, einen so verdammt komischen Dauerbrenner zu machen, dass ist eigentlich mehr als nur eine Kunst! Das ist regelrecht genial!
Dazu kommen dann noch die ganzen kleinen Geschichten der einzelnen Episoden, die allesamt ganz passend ausgedacht wurden und eigentlich wirklich alles durch den Kakao ziehen, was es so im Alltagsleben eines jeden Menschen zu beobachten gibt. Das die Inszenierung dabei nicht über das übliche Sitcom-Niveau hinauskommt, ist dabei natürlich logisch aber keinesfalls zu beanstanden. Vor allem, weil einem die Kulissen ebenfalls so vertraut vorkommen (noch mehr natürlich den Amerikanern) und die Musik absolute Ohrwurmqualitäten besitzt, die man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt.
In punkto Darsteller hat man zudem ebenfalls alles richtig gemacht. Jerry Seinfeld spielt sich hier wirklich köstlich und zeigt eigentlich durchgehend Mut, zur Selbstverarsche. Kumpel George wird dabei von einem bravourösen Jason Alexander verkörpert, der es sogar fast noch schafft, Jerry an die Wand zu spielen. Dazu Julia-Louis Dreyfus als Ex-Freundin und Plappermaul Elaine und Michael Richards als Kramer, der einen schon durch seine geniale Mimik und Gestik zum Brüllen bringt. Ein absolut eingespieltes Team, welches man nur bewundern kann.
Fazit: Zum Brüllen komische, herrlich absurde Sitcom, über den ganz alltäglichen Wahnsinn und all seiner unbedeutenden Nichtigkeiten, die hier zu einer Bedeutung gelangen, die man nicht für möglich gehalten hat. Vollgestopft mit genialen Ideen im Überfluss, einem Brüller nach dem Nächsten und einem Schauspieler-Team aller erster Güte, wird "Seinfeld" wohl noch auf lange Zeit hin mit zum Besten gehören, was die Sitcom-Welt je hervorgebracht hat. Neben "Hör mal wer da hämmert", "Eine schrecklich nette Familie" und "Golden Girls", einer der absoluten Sitcom-Klassiker in der modernen Fernsehlandschaft!
Wertung: 9/10 Punkte