"Oh, ne Walther P99. Die pustet ein Loch in alle Theorien!"
Der leichtfertig lebende Psychiater und Collegeprofessor Jack Gramm (Al Pacino) überführte vor neun Jahren den Serienmörder Jon Forster (Neal McDonough) der nun seine letzten Tage bis zu seiner Hinrichtung verbringt. Doch plötzlich geschieht ein Mord der mit genau dem selben Schema, wie von Forster, verübt wurde. Gerüchte verbreiten sich bei Dr. Gramms Studenten, dass dieser neun Jahre zuvor unsauber gearbeitet hat, gar Beweise gefälscht haben soll. Als ihm dann noch ein anonymer Anrufer prophezeit nur noch 88 Minuten zu leben spitzt sich die Lage zu und Gramm wird sich immer unsicherer wem er noch trauen kann.
Der Pseudo-Echtzeit-Thriller "88 Minutes" hat eine wahrhaft chaotische Entstehungsgeschichte hinter sich. Das Drehbuch wurde mehrfach umgeschrieben, Regisseur James Foley wurde kurzfristig durch Jon Avnet ersetzt, die Ankündigung der Vorführung im Kino wurde gecancelt, mehrere Umschnitte und Nachdrehs waren nötig um schlussendlich das Testpublikum milde zufrieden zu stellen. Dass bei solch einer Vorgeschichte nichts sonderlich Gutes herauspringt ist vorprogrammiert.
Zu einem ergrauten Al Pacino, der seine beste Zeit wohl hinter sich gelassen hat, und die auf ihn zugeschnittene Rolle ermüdend und lustlos vorträgt, gesellen sich massig Handlungslöcher, sinnlose Schauplatzwechsel, eine unausgegorene Erzählstruktur und Innovationslosigkeit.
Der Versuch Tempo und Spannung aufzubauen scheitert immer wieder an den unflexibel agierenden Darstellern oder der plötzlich stattfindenden Wechsel zu unnützen Subplots, die absolut nichts mit der Handlung zu tun haben. Selbst die Verwirrung die dadurch entsteht, oder entstehen sollte, zündet nicht, denn dafür werden mögliche Varianten den Charakteren eine Schuld zu unterstellen nicht konsequent durchgesetzt.
Ein paar eingestreute Standard-Actionszenen trösten nur wenig über die unspektakuläre Inszenierung hinweg.
Es mangelt an charakterliche Tiefe. Einzig die Identifikationsfigur Jack Gramm wird ein wenig näher durchleuchtet, aber eine Sympathie zu ihr stellt sich nicht ein.
Der langwierige, unspannende Ablauf ermüdet auf Dauer. Der Versuch den Zuschauer gegen Ende zu übertölpeln verpufft zu schnell, präsentiert eine schon vermutete Auflösung im Bezug auf den Täter und lässt somit das Jäger und Gejagter Spiel völlig unwirksam wirken.
In den Nebenrollen agieren ein paar bekanntere Schauspieler, Leelee Sobieski ("The Wicker Man"), Alicia Witt ("Düstere Legenden“, "Dune"), Deborah Kara Unger ("Silent Hill“) um ein paar zu nennen. Trotz ihrer schauspierlerischen Erfahrung präsentieren sie ihre Schlüsselpositionen durchweg blass und wenig attraktiv.
Am Ende bleibt "88 Minutes" ein völlig standardisierter Krimi und gesellt sich zu den noch immer gern gesehenen Pseudo-Echtzeit-Thrillern wie "24" ohne Neues zu bieten. Gelangweilte Schauspieler, eine unspektakulärer Aufmachung und ein löchriges Drehbuch trüben das Filmereignis sehr stark. Scheint so als hätte die Walther P99 mehr als gewollt durchlöchert.
3 / 10