Das Militär als Trainings- und Lernanstalt fürs Leben ist mittlerweile out - jetzt muss die Küstenwache aus seelisch angeknacksten Milchbubis Männer formen. Und so ist auch „The Guardian" kein wirklich origineller Beitrag zu diesem Thema, obwohl Regisseur Andrew Davis („Alarmstufe: Rot", „Auf der Flucht") doch eigentlich für solides Actionkino garantiert.
Die Story: Der ehemalige Schwimm-Champion Fischer (Ashton Kutcher, „Guess Who") will Rettungsschwimmer werden und heuert unter Ausbilder Randall (Kevin Costner, „Tin Cup"), einer lebenden Legende dieses Berufstands, an. Die Ausbildung ist hart, doch Fischer ist härter - bis nach einigen Verfehlungen seine tragische Vergangenheit herauskommt...
Mit Ausnahme, dass hier nicht die Army, sondern die Coast Guard als Schule fürs Leben gehandelt wird, hat auch „The Guardian" nichts Neues zu bieten. Kevin Costner als traumatisierter alter Haudegen holt aus seiner Klischee-Rolle alles heraus, muss aber wahrlich nicht mit hoher Schauspielkunst aufwarten. Auch Ashton Kutcher macht seine Sache als ebensolches Klischee-Rollen-Pendant ganz ordentlich, bleibt aber weitgehend blass. Sein Trauma mit einer verunfallten Schwimmmannschaft kommt durch die Holzhammer-Dramaturgie so plötzlich und unverhofft wie ein Schubser ins kalte Wasser. Allgemein ist das platte Drehbuch der große Schwachpunkt des Films: Über eine Laufzeit von knapp 2 Stunden wird die substanzarme Story platt ausgewalzt. In der letzten halben Stunde wird dabei (ACHTUNG: SPOILER) ein so vorhersehbarer Heldentod Costners regelrecht zelebriert, dass „The Guardian" in Verbindung mit der Legenden-Rahmung und peinlichem (aber immerhin mitreißendem) Pathos einen unfreiwillig komischen Gesamteindruck hinterlässt. Im Mittelteil leidlich unterhaltsam und sogar humoristisch verliert sich der Film nach gut anderthalb Stunden dann endgültig in seinen eher durchschnittlichen Spezialeffekten. „Der Sturm" setzte hier Maßstäbe, die „The Guardian" zu keinem Zeitpunkt erreicht - auch wenn er gelegentlich bei den spannenden Rettungsaktionen zu fesseln vermag.
Fazit: Über weite Strecken leidlich unterhaltsames, klischeebeladenes Genre-Kino, in dem Teamgeist, Pathos und Vorhersehbarkeit groß geschrieben werden. „The Guardian" ist streckenweise wirklich fesselnd, hinterlässt aber einen bitteren Beigeschmack. Trotz annehmbarer Ensembleleistung nicht mehr als Mittelmaß im Kino-Fahrwasser.