Wenn man möchte, dann ist es ein leichtes „The Guardian“ in der Luft zu zerreißen. Die hohen Wellen auf dem offenen Meer bringen eine klischeehafte Story und die Glorifizierung der tapferen Rettungsschwimmer hervor. Eine Pro-Argumentation für den Film ist genauso schwierig, wie wenn man eine Position gegen das Tempolimit auf Autobahnen aufrechterhalten will. Was möchte man großartig sagen? Man könnte sich absurd tiefgründiges aus den Fingern saugen, aber letztendlich ist die Wahrheit, dass man selbst einfach gerne einmal ordentlich aufs Gas drückt, beyond the limits. Ähnlich ist es hier. Die Nachteile sind offensichtlich, aber irgendwie entwickelt das Ganze auch jede Menge Unterhaltungswert.
Regisseur Andrew Davis wirft den Betrachter quasi von Anfang an ins kalte Becken, das hohe Wellen schlägt und Ben Randall (Kevin Costner) die Gelegenheit gibt, gleich einmal zu demonstrieren, wer hier die heldenhafte Legende ist. Er hält alle internen Rekorde der Coast Guard und niemand weiß eigentlich mehr genau, wie viel Leben er schon gerettet hat – jedenfalls sehr viele. Doch der Held hat auch seine Ecken und Kanten, der Job strapaziert die Ehe, so dass die Frau schon mit dem Umzugstrupp Gewehr bei Fuß steht. Die private Situation spitzt sich zu, als der Protagonist bei einem Einsatz seine Kollegen verliert und in Folge dessen vorübergehend erst einmal zu einem Unmut einen Ausbilderjob erfüllen soll.
Hier kommt Jake Fisher (Ashton Kutcher) ins Spiel, der klischeehaft arrogante, überehrgeizige Schüler, der gleich einmal lauthals ankündigt, alle Rekorde brechen zu wollen. Es beginnt die Ausbildung nach bekanntem Schema, das man schon ähnlich in anderen Filmen sehen durfte. Das Ganze verläuft knüppelhart, Randall hat seine eigenen Methoden, um die Tauglichkeit festzustellen. Auf der anderen Seite stehen lockere Sprüche und Situationen, die von allen Beteiligten nicht unpassend in den Raum geknallt werden.
Darüber hinaus kann man „The Guardian“ auch keine grundsätzliche Oberflächlichkeit vorwerfen. Man nimmt sich viel Zeit, um die Charaktere zu beleuchten. Nach und nach zeigt sich, was Fisher und Randall zu diesem waghalsigen Job verleitet bzw. verleitet hat. Vor allem Kevin Costner gelingt es seiner Figur ein charismatisch, sympathisches Profil zu verleihen – mit Stärken und Schwächen. Der perfekte Superheld ist hier jedenfalls niemand, Kutcher entwickelt sich vom arroganten Kotzbrocken zu jemand, der die Philosophie als Team schrittweise verinnerlicht.
Insofern ist „The Guardian“ auf dieser Ebene plastisch, zumal die Effekte im Wasser sehr real wirken und die Rettungsaktionen dramaturgisch vermittelt werden. Wir sehen Leute, die ihr Leben riskieren, um andere zu retten. Das klingt pathetisch, aber es ist nun auch einmal Fakt. Regisseur Andrew Davis verschweigt sein Anliegen nicht und wenn man sich darauf einlässt, erlebt man ein abenteuerliches Vergnügen, das zwar eine Berufsgruppe im guten Licht darstellt, aber keineswegs in plakativen US-Patriotismus verfällt. Immerhin erleben wir keine Alleskönner, die in allen Lebensbereichen groß auftrumpfen.
Störend wirkt sich im Filmfluss lediglich die Überdehnung des Ganzen aus. Bis nun endlich der Schluss folgt hätte man die Chose gut und gerne mindestens dreimal beenden können. Da lässt das Fingerspitzengefühl zu wünschen übrig, auch wenn man aufgrund des Unterhaltungswerts nicht von akuter Einschlafgefahr sprechen kann.
So schafft man letztendlich die Situation, dass inhaltliche Schwächen Nebensache werden und man für das Vergnügen an der Sache empfänglich ist. Die Abenteuerlust legt die rationalen Gesichtspunkte, die den Film formal schwächen, auf Eis. Handwerklich und in punkto Darstellung ist „The Guardian“ zweifelsohne gelungenes Abenteuerkino, das eben das Gefühl, unterhalten worden zu sein, zurücklässt. Wenn man so will. (6/10)