Review

"Wie wählt man aus wer leben darf?"

Ben Randall (Kevin Costner) ist ein langjährig erfahrener Rettungsschwimmer der amerikanischen Küstenwache. Sein Ruf basiert zwar auf der Rekordhaltung von geretteten Personen, ihm selbst liegt daran aber wenig. Eher den Menschen, die er rettet. Deshalb trifft ihn der Verlust seines ganzen Teams bei einem Einsatz auch ganz besonders.
Während er parallel auch noch die sich nähernde Scheidung zu seiner Frau Helen (Sela Ward) verkraften muss, wird Ben an die Akademie der Küstenwache versetzt, um neue Rettungsschwimmer auszubilden. Zu diesen zählt auch der von sich selbst übermäßig überzeugt Jakob Fischer (Ashton Kutcher), der sich bislang nur durch außergewöhnliche sportliche Leistungen auszeichnete. Ben macht insbesondere ihm klar, dass es einem Rettungsschwimmer nicht um das eigene Ego gehen sollte, sondern um die zu rettenden Personen. Um die Umstände bei einem Ernstfall zu simulieren, nutzt Ben ein besonders hartes Ausbildungsprogramm.

Die Geschichte des Katastrophen- und Ausbildungsdramas "The Guardian - Jede Sekunde zählt" lässt sich lange Zeit, um eine Ausgangssituation, Figuren und Kulisse aufzubauen und weiterzuführen. Ein häufiger Kritikpunkt des Films, der eine überlange Laufzeit zur Folge hat. Dabei sind die Elemente um einen rebellischen Neuling und dessen strengen Ausbilder absolut bekannt. Dennoch schafft es der Film überwiegend eine interessante und spannende Erzählweise vorzulegen.

Die Strukturierung des Films ist etwas unvorteilhaft. Zu Beginn und gegen Ende sind die actionreicheren Rettungsmissionen zu sehen. Dazwischen erstreckt sich ein oberflächliches Beziehungsdrama, eine obligatorische Romanze und das einfallsreiche Training der sich beständig verringernden Anzahl an Schülern.
Lange Zeit hält sich "The Guardian - Jede Sekunde zählt" mit Kitsch und Klischees auf, was die Charaktere eher sperrig macht. Es dauert etwas bis die Figuren einen glaubhaften Rahmen bekommen und auch die Sympathie zu ihnen wächst. Wenn dieser Weg geebnet ist, funktioniert das Zusammenspiel aber außerordentlich gut.

Die Höhepunke bilden die eindrucksvollen, mitreißend inszenierten Rettungsmissionen. Bildgewaltig entfesselt die Natur hier Gewalten, die Mensch und Maschine enorm bedrohlich werden. Trotz dem herrschenden Chaos ist die Übersicht stets gewahrt. Sicherlich bedingt durch die digitalen Hilfsmittel und Aufnahmen aus dem Studio. Die künstlich erzeugten Gefahrensituationen sind dennoch stets glaubwürdig.

Ohne Kevin Costner ("Open Range - Weites Land", "Waterworld") und Ashton Kutcher ("Butterfly Effect", "Bobby") würde "The Guardian - Jede Sekunde zählt" nicht so gut funktionieren, wie er es tut. Die Chemie zwischen beiden ist enorm stimmig, was die langsam entstehende Freundschaft ihrer Rollen sehr tragend macht. Gleichzeitig ist ihre Präsenz so wuchtig, dass Clancy Brown ("Starship Troopers"), Neal McDonough ("Flags of Our Fathers"), Sela Ward ("The Day After Tomorrow") sowie weitere namhafte Nebendarsteller kaum in Erscheinung treten.

"The Guardian - Jede Sekunde zählt" ist ein souveränes Katastrophen- und Ausbildungsdrama mit den üblichen Komponenten: Heldenpathos, Durchhalteparolen und gängigen Klischees. Dank der spielfreudigen Hauptdarsteller und der tollen Bilder sind die Tempounstimmigkeiten und die leicht überladene Handlung aber tolerierbar. Knappe ...

8 / 10

Details
Ähnliche Filme