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Gesamtbesprechung Teil I. Episoden 01 - 11

Gleichzeitig ein Produkt seiner Zeit und ein Ableger einer so langsam scheidenden, ehemals populären Fernsehserie, die allerdings niemals so erfolgreich war, wie sie im Nachhinein proklamiert wurde; und auch gleichzeitig der Versuch des Zuschauerfangs vor allem der jüngeren Leute und der entsprechenden Inszenierung von Hauptdarsteller und Intro, was allerdings für die Kaufkräftigen selber eher abschreckend wirkte und zudem in einer Phase des allgegenwärtigen Nachlassens der eigentlichen Thematik, dem des Crime nämlich liegt. In den aktuellen Nielsen Ratings waren zumeist nur Sitcoms oder die leichtere Kost, bis Ausnahme vielleicht von (der allerdings auch betagten und höchst harmlosen) Mord ist Ihr Hobby und noch L.A. Law sowie der Serienvariante von In The Heat of the Night, aber auch nicht mehr in den Top Ten vertreten. Für die den damaligen Hauptdarsteller anhimmelnden war wiederum die Ausstrahlungszeit viel zu spät und das Milieu eher nichts; ein Mißerfolg auf ganzer Linie in der Planung quasi, wobei heute 30 Jahre später nur noch die Erinnerung an den Titelsong und eben die erste Aufmachung der Credits selbst bei damaligen wenigen Zuschauern zugegen ist. [Booker hatte nur ein Rating von 5.4 und ein Share von 9, was für Platz 92 direkt hinter Alien Nation und kurz vor Ultimo ausreichte. Selbst das alte, eingangs komplett floppende und kurz vor dem Aus stehende Hunter hatte bspw. ein Rating von 14.9 und ein Share von 28, und damit Platz 24.]

Die Idee zum Ableger stammt dabei von Eric Blakeney, der für den Ursprung 21 Jump Street seit Ende der zweiten Staffel geschrieben und dort acht Folgen für verfasst hat, sowie in Absprache mit dem dortigen Co-Erfinder Stephen J. Cannell, der sowieso alles in den Achtziger kreiert hat und bei den meisten Dingen auch Executive Producer und der Mann mit dem Sagen ist. Die meisten Folgen der 22 hier tatsächlich ausgedacht hat sich das Autorenduo Charles Grant Craig und Thania St. John mit etwa ein Drittel des mysteriösen Krimi-Geschehens; Cannell selber eröffnet das Geschehen mit der Folge 1 "Ein riskanter Nebenjob", in der vieles deswegen so reibungslos abläuft, weil es auf schieren Zufall basiert.

So bekommt Booker den Job als Versicherungsdetektiv durch Intervention eines Freundes und erwischt ausgerechnet den für die Einstellungen zuständigen Chick Sterling, gespielt von Carmen Argenziano, beim intimen Techtelmechtel, und wird dann noch die von Katie Rich gespielte Sekretärin Elaine Grazzo zugeteilt, die frisch von einem Geschworenenprozess kommt und wegen des Urteilsspruches Bauchschmerzen hat. Viele Neuerungen für die Titelfigur, die nunmehr offiziell im Auftrag einer getreu der Ära japanischstämmigen Firma mit Nebensitz im amerikanischen Hochhaus tätig, inoffiziell und privat aber für die einfachen Leute da draußen zuständig ist. Erzählt wird das vergleichsweise mit Ruhe und Bedacht, hier und da ist mal eine kleine Kamerafahrt auffälliger, aber anders als der zeitgenössische Vorspann (inklusive Stroboskoplichter, Verfremdungen, Filmschnipsel, Zeitlupen und Zeitraffer, s/w - Überblenden und anderer angesagter MTV-Mätzchen) ist die weitere Inszenierung von David Jackson nicht nur im Nachhinein absolut übersichtlich und theoretisch für die breitere und anspruchslos bis genügsame Masse kompatibel und nicht etwa dem jüngeren Publikum anbiedernd. Das Wechselspiel in der Geschichte zwischen Anzug, Auto und einer Schadenssumme von 25 Mio. USD auf der einen Seite und Lederkluft, Motorrad und bloß einer Haftstrafe von einem sowieso vorher schon strafrechtlich auffällig gewordenen Mann auf der anderen Seite kommt zusätzlich positiv zum Erscheinungsbild des ansonsten äußerst mäßigen Piloten hinzu, wobei als Fixpunkte der Ursprungsserie Gastauftritte von Peter DeLuise als Doug Penhall und Holly Robinson Peete als Det. Judy Hoffs zu erwähnen sind.

Nach diesem Lazy Scriptwriting 101 mit etwas Mini-Action ist die Folge 2 "Adrenalin" eher wie der Kontrapunkt dazu und eigentlich auch wie eine Geschichte kurz vor dem Ende einer Serie und nicht etwa dem Anfang von Etwas gesetzt. Die tonangebende Adrenalinausschüttung bzw. das Fehlen dieser durch den beendeten Polizeidienst und die vergleichsweise dazu langweilige Tätigkeit bei Teshima wird hier zum Mittelpunkt des Geschehens, Booker stattet seinen alten Kollegen (Gastauftritt von Steven Williams als Capt. Adam Fuller und erneut Holly Robinson Peete) einen Besuch ab und wird nicht nur dadurch von einem Gefühl des Vermissens geplagt, sondern bekommt auch selbstzerstörerische bis schizoide Züge (er lässt kurz darauf einen Verdächtigen laufen, um ihn extra wieder einzufangen), während ihm im Zuge der weiteren Handlung noch ein ausgebrannter Cop kurz vor der Rente mit äußerst kurzer Zündschnur wie als warnendes Spiegelbild vor die Nase gesetzt wird. Ein eher düsteres Thema, dass etwas sehr auf diesen einen Punkt herumreitet, aber angenehm 'erwachsen' erzählt und auch noch mit Don Cheadle als Anführer einer Straßengang besetzt ist.

Auch in Folge 3 "Der neue und der alte Ronnie" gerät Booker wieder mit einer Straßengang aneinander, diesmal vorzugsweise mit deren wieder aus dem Gefängnis entlassenen John Allen Nelson, der im Knast ungewöhnliche Methoden erlernt hat und bald doch wieder in Gewalt übergeht. In der Mitte der Geschichte, die von dem eigentlich als solide geltenden Rob Bowman mit mancherlei Rückfällen in die inszenatorische Katastrophe von Anno Dunnemals (Blur Motion!) versehen ist, stehen a) ein kleiner 'chinesischer' Junge namens Ping Pong (sic), der als Freund Bookers trotz dessen Ratschläge in die lockenden Versprechungen vom neuen alten Ronnie gerät. Und die neue Teshima-Kollegin Marcia Cross, die, obwohl Yuppie in die Leidenschaften mit dem unkonventionellen Ex-Cop und so auch ebenfalls in die Gefahr gerät. Zum dritten Mal hintereinander wird übrigens dessen Wohnung heimgesucht und nicht nur die Eingangstür beschädigt, darüber hinaus wird das moralische Prozedere hier wieder recht gescheit behandelt, was auch an den Darstellern bzw. die erwähnte Hälfte davon liegt, fehlt aber angesichts des vielen wildromantischen Vorlaufs etwas das finale Beben.

In der bis dato besten Folge 4 "Alles war so schön geplant" gibt es ein frühes Ripoff von Stirb langsam, mit Ed Lauter als Alan Rickman und angesichts des Teshima-Hochhauses als Abklatsch vom Takahashi Plaza sogar eine architektonische Kopie zu bestaunen. Booker hier als bizepsgestählte Ein-Mann-Armee (mit etwas Hilfe seiner Sekretärin), die den wieder den Ausgang zeigt, wobei die Rahmenbedingungen für die Geschichte sogar mit einer illegalen Geldübergabe in HK (mit Cameo von Ric Young) anfangen und so die Bedingungen für 45min glorreiches Fernsehen wirklich ideal und auf den Punkt gebracht sind. Angesichts der Handlung ist auch etwas mehr Handgreiflichkeiten als sonst vorhanden, wird reichlich Glasbruch veranstaltet und die Kamera bei Schießereien gerne auf Kipp und der bedrohlichen Froschperspektive gestellt.

Folge 5 "Der Mohr wird noch gebraucht", wieder von Produzent Cannell verfasst befasst sich im Arbeitsleben von Teshima mit einer geplanten 200 Mio. USD Übernahme einer konkurrierenden Firma, was möglichst still, reibungslos und entsprechend billig vor sich gehen soll, in dessen sowieso schon stressiger Atmosphäre aber noch private Sorgen von Bookers direkten Vorgesetzten Alicia Rudd um ihre derzeit (außerplanmäßig) bei dem windigen und von Gangstern gejagten Exmann befindliche kleine Tochter hinzukommen. Druck von oben, der nach unten weitergegeben und in der ständig mit Kündigung und anderen Repressalien gedroht wird machen hier das berufliche Klima aus; eine emotional angespannte Situation, in der der Dampf durch den Fall der Woche abgelassen und so etwas gemildert und letztlich natürlich auch zum Guten gebracht wird. Die Geschichte selber um den Exmann, gespielt in nur wenigen Szenen von Jay O. Sanders, der eine todsichere Masche für das Pferderennen und deren Wetten ausgetüftelt hat und entsprechend dessen von gleich zwei Kredithaien und deren Schergen gesucht wird, gibt im Grunde nichts her, und wirkt gleichzeitig auch gedehnt und leer. Als Spiegel der Charakteristika von zwei festen Serienfiguren, eben weiter Booker und seine Vorgesetzte ist das Milieu allerdings ganz gescheit ausgetüftelt, eher eine Studie im Stillstand als, die hier und da mit ein paar kleineren Konfrontationen angeheitert wird.

Folge 6 "Es erbt der Überlebende" als schwüler Neo Noir ist im Grunde die Fernsehvariante eines der um die Zeit oftmals auftauchenden Psychothriller um Die Schwarze Witwe und anderes verhängnisvolles Geschehen, geht es doch hier um eine entsprechende Dame, die bereits mehrfach reich geheiratet hat und mehrfach die Lebensversicherungen der kurz danach Verschiedenen abkassiert; etwas, dass den dafür bürgenden Versicherungskonzern natürlich weniger begeistert, weswegen man Booker als Ermittler engagiert. Inkognito in der Höhle der Löwin platziert, wo er neben dem (älteren und naiven) Bald-Gatten oder die an der Schwelle zum Frausein stehende 17-jährige Tochter der Zielperson trifft, entwickelt sich nun ein oftmals nächtliches Katz-und-Mausspiel zwischen den beiden Kontrahenten, welches natürlich auch mit körperlicher Anziehungskraft bzw. Reizen nicht geizt, angesichts der Programmierung im prüden amerikanischen Fernsehen zumindest. Also ein Plantschen im Pool des Nachts mit Ablegen des Bikinioberteiles, wovon man natürlich nichts bzw. dann nur den blanken Rücken und andere Andeutungen sieht; interessanter ist da schon die Tatsache, dass Grieco als reichlich unterkühlter oder auch hölzerner Darsteller mittlerweile perfekt in die Rolle des observierenden und selten agierenden Einzelgängers passt, da er scheinbar nicht in der Lage dazu ist, Kontakt zu seinen Mitspielern aufzunehmen. Dies aber der Atmosphäre ungemein förderlich ist. Geschrieben ist die Episode solo von Charles Grant Craig.

Folge 7 "Der gejagte Kopfgeldjäger" lässt Booker im Auftrag seiner Firma hinter einer Kautionsflüchtigen und gleichzeitig Kronzeugin gegen einen Mafiapaten hinterher eilen, wobei die junge aufmüpfige Dame von Lori Petty mit viel nichtigem und so nervtötenden Redefluss gespielt wird und für Booker selber theoretisch eine Prämie von ganzen 250.000 $ auf dem Spiel steht. Da er am Ende der Episode aber auch einen Schaden in Höhe dieser Summe angerichtet hat, wird zumindest darauf nichts; bis dahin unterhält man wenigstens den Zuschauer mit einer flotten Reise durch das Land und mehr als der üblichen einen Actionszene.

Folge 8 "In der Höhle des Löwen" ist im Grunde eigentlich nur interessant, da es zusammen mit einer Episode aus der parallel ausgestrahlten Ursprungsserie 21 Jump Street ein Zweiteiler mit hier einem regulären Booker-Auftritt und dort einer kleinen Gastrolle darstellt. Zudem wurden die jeweiligen Drehbücher einzeln von den anschließend als Team verorteten Charles Grant Craig und Thania St. John geschrieben, wobei das letztere einen relativen Totalausfall darstellt. Begonnen wird mit der Einführung einer legendären Nemesis von Booker, ein schwerreicher und natürlich skrupelloser Geschäftsmann, der über Leichen geht und u. a. auch für dessen Entlassung aus dem Polizeidienst verantwortlich ist. Per Zufall wieder auf dessen Spur und einer heimlich geplanten Geschäftsübernahme von Teshima gekommen, schleust sich Booker inkognito per Erpressung (durch ein Sextape des Tycoon mit einer seiner gemanagten Sängerin, gespielt von Vanity) in dessen Nähe ein; um am Ende um die Hilfe seiner ehemaligen Kollegen zu bitten. Diese schließen sich ebenfalls undercover eine Art Butterfahrt dem plötzlich zum Zweiradguru gewordenen Zielobjekt an, der mit einem Tross großteils wildfremder Motorradfahrer (eine wilde Mischung aus Crossroad- und Dirtbiker, Rocker mit Harley Davidsons und ein paar Sonntagsfahrer mit Oldtimern unterm Allerwertesten) quer durch die Pampa fährt und zwischendurch den spendablen Großkopferten gibt. Während die Einleitung noch halbwegs brauchbar ist, aber an Griecos ausnahmsweise engagiertes 'Schauspiel' leidet, lassen im Anschluss bis auf Dustin Nguyen allesamt die Hosen herunter, was auch für die weitere Stammbesetzung inklusive (dem hier recht reduziert eingesetzten) Johnny Depp und der völlig an den Haaren herbeigezogen wirkenden, narrativ und dramaturgisch scheiternden Rahmenprogramm mit der Motorradtour gilt.

Auch die reguläre Folge 9 "Der Sohn von Nummer 1" ist ziemlich schlecht; Booker soll nicht nur Kindermädchen für einen vermeintlichen Spion von Teshima spielen, der wie wir wissen allerdings ein hohes Tier (oder doch der Sohn eines hohen Tieres) ist, sondern auch binnen weniger Stunden die geklaute Gitarre namens 'Lucille' von Jazzlegende B.B. King zurückbringen, welche von zwei notorisch klammen Roadies entwendet wurde und für die Miete verscherbelt werden soll. Die beiden Trottel hätten auch von Seann William Scott und Ashton Kutcher zu ihren schlimmsten Zeiten gespielt werden können, sie wie sie sich benehmen und unentwegt grimmassieren; selbst die Inszenierung passt sich diesem an und hält die Kamera entweder erneut ständig schräg, nah an den Gesichtern dran oder verlegt sich in der Montage auf ewiges Zeitlupengeschehen. Anstrengend auffälliges Gebaren bei einer nichtigen 'Geschichte' (Drehbuch: Bill Nuss. Regie: Kim Manners), die wohl so eine Art Straßen in Flammen für das Fernsehen und eine neue Generation darstellen soll und in allen Belangen scheitert, zumal auch der Japaner reinstes Klischee und ebenfalls ein Trottel vor dem Herrn, und dazu noch äußerst selbstmitleidig und eine Memme schlechthin ist. Interessierte können ein Cameoauftritt des jungen Thomas Haden Church als Radiomoderator wahrnehmen, aber die Episode selber ist keinerlei Aufmerksamkeit wert und war außer einem Schuss in den Ofen nichts.

Church hat auch in Folge 10 einen ebenso gelagerten kurzen Auftritt, weiterhin als Radiomoderator und diesmal mit dem Titel'helden' der Episode, der nicht nur ein berühmt-berüchtigter Eishockeyspieler auf Comebacktour, sondern auf dem Eis und privat auch “Ein schwieriger Star“, und Bookers Problem und dem der ganzen Geschichte ist. Booker wird nach mehreren Entgleisungen des Hobby-Schlägers nämlich als dessen Aufpasser / Babysitter abgestellt, wobei das prominent von Glenn Morgan und James Wong geschriebene Drehbuch auch noch Morddrohungen gegen den Rüpel erwähnt, sich die Handlung aber nicht darum, sondern einer Vom Saulus zum Paulus - Erweckung mit sportiven Bezug dreht. Tonal so bisher völlig unterschiedlich in den jeweiligen Episoden ist der mangelnde Zuschauerfang der Serie (abseits des auch gewöhnungsbedürftigen Hauptdarstellers) jedenfalls kein Wunder, die Serie ist nicht Fisch und nicht Fleisch, und irgendwie alles und nichts.

Folge 11 in Kooperation von Bill Nuss mit Charles Grant Craig sieht Booker im “Duell mit einem Profi“, einem der gefährlichen bis tödlichen Sorte sogar, handelt es sich doch um einen Auftragskiller vom Medellinkartell, dem Teshimas Angestellter eher zufällig in die Quere kommt und bald (wie alle seine Freunde, darunter auch Captain Fuller) auf der Abschussliste bald ganz oben steht. Mehrere Anschläge scheitern, dennoch wird die Zahl der Leichen hier nach oben geschraubt und die der Actionszenen (wie ein Attentat in Paris oder vor dem Teshima-Building, wie das Zücken der Maschinenpistole in einem Restaurant oder das bleihaltige Finale im Lagerhaus) gleich mit.

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