Review

Konzeptuell ähnlich wie im zuvor entstandenen Mondo Cane (1962) wird auch hier eine lose Ansammlung bizarrer Riten und kultueller Absonderheiten aus aller Welt (aber vornehmlich aus Europa) zusammengestellt, mit der Absicht, den Zuschauer zu erstaunen.

Auch wenn der Kommentator den Szenen Kontext verleiht und sich sozialkritisch gibt, geht es natürlich in erster Linie darum, die Welt als bizarren Ort darzustellen. Gezeigt wird eine Mischung aus Sex, Gewalt und grotesken Riten, die voyeuristisch präsentiert wird.

Aufgrund des mittlerweile hohen Alters dieses Mondos sollte man keine expliziten Perversionen erwarten. Echte Nacktheit gibt es gar nicht, sondern lediglich leicht bekleidete Frauen, die in Varieté-Shows tanzen und/oder singen. Die Kamera liefert dabei erstaunlich ästhetische Bilder, die auf mich stellenweise sogar lynchesker wirkten als in Mulholland Drive – Straße der Finsternis (2001). Natürlich darf auch ein Typ nicht fehlen, der sich Nadeln durch den Körper sticht, was stark an klassische Freakshows erinnert. Gewalt gegen Tiere beschränkt sich auf den Walfang und die Tötung eines Rentiers. Die Szene, in der eine Frau angeblich einem Rentier die Hoden abbeißt, wirkt eindeutig inszeniert und dürfte allein wegen ihrer potenziellen Schockwirkung im Film gelandet sein. Es finden sich also neben echten Aufnahmen auch klar gestellte Szenen. Dabei denke ich an eine Sequenz, in der Raudis eine Frau vom Rummelplatz "entführen" und anschließend mit dem Autokorso durch die Stadt fahren, um sie dann auf dem Autodach vor den Augen entsetzter Passanten zu vergewaltigen. In der deutschen Fassung kommentiert der Sprecher dazu: "Die Halbstarken treiben ihr Unwesen in allen Großstädten. Sie sind ein Problem unserer Zeit."

Dennoch ist die deutsche Fassung nicht zu empfehlen, da sie mit 85:58 Minuten gegenüber der 95:13 Minuten langen internationalen Fassung einige Szenen vermissen lässt. Gewalt ist zwar enthalten, aber bestimmte Einstellungen fehlen oder wurden gekürzt. Manche Szenen fehlen sogar komplett und darüber hinaus ist die Reihenfolge der vorhandenen Szenen verändert. So beginnt die deutsche Version mit den Halbstarken, die in schwedischen Großstädten ihr Unwesen treiben, während die internationale Fassung mit der Mensur im Studentenverbindungswesen startet. Der deutsche Kommentar liefert zudem kaum Kontext und ist im Vergleich zur englischen Erzählstimme deutlich weniger informativ.

Die musikalische Untermalung stammt vom Filmkomponisten Riz Ortolani und reicht von Jazz über theatralisch-epische Orchestermusik bis hin zu gruselig-schräg anmutendem Experimental-Score. In Verbindung mit den ästhetisch gefilmten, aber wahllos und bizarr wirkenden Szenerien erzeugt der Film eine hypnotische Sogwirkung, wenn man sich darauf einlassen kann.

Fazit: Primitiv, aber mit Niveau!

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