"Der redet über die totale Aufhebung unserer Privatsphäre."
Das Leben von Anwalt Robert Clayton Dean (Will Smith) wirkt geordnet und glücklich. In seinem Beruf ist er erfolgreich und seine Familie steht hinter ihm. Doch eines Tages kommt er in den Besitz eines brisanten Videos. Dieses zeigt die Ermordung eines Kongressabgeordneten, mit der Beteiligung des Abteilungsleiters des NSA Thomas Brian Reynolds (Jon Voight). Der Geheimdienst setzt zahlreiche Agenten auf Dean an, die sein Leben völligst auseinander nehmen. Mittels modernster technischer Überwachsungsapparate löschen sie nach und nach Deans gesamte Existenz aus. Er verliert seinen Job, seine Frau und zunehmend seine Identität. Bei der Flucht vor seinen Verfolgern, hilft ihm der ehemalige NSA-Agent Brill (Gene Hackman), der seit Jahren undercover operiert.
Regisseur Tony Scott ("Beverly Hills Cop II") setzt bei seinem Verschwörungs-Thriller "Der Staatsfeind Nr. 1" auf das gleiche Element wie bei dem U-Boot-Thriller "Crimson Tide", nämlich auf beklemmende Spannung. Die Zusammenarbeit mit Jerry Bruckheimer ("The Rock - Fels der Entscheidung", "Con Air", "Fluch der Karibik"-Reihe) führte zu einem soliden Thriller der sein interessantes Thema oberflächlich abwalzt und erst in seinem fulminanten Finale so richtig auf die Pauke haut.
"Der Staatsfeind Nr. 1" baut sich zunächst langsam auf. Zur Erstellung des Grundgerüsts braucht der Film knapp 30 Minuten. In dieser Zeit fehlt es noch an Richtung. Dann wenn die Ausgangssituation steht setzt der Thriller durchweg auf Tempo, indem er seinen Protagonisten stets von einem Punkt zum nächsten hetzt. Dies fördert die Spannung und wirkt Dank überwiegend bodenständiger Action authentisch. Dennoch hat man das Gefühl, dass irgendwie etwas fehlt.
Tatsächlich ist der Thriller eben "nur" solide. Durch die lineare Inszenierung bleibt wenig Raum für zusätzliche Inhalte. Den stets auf Verfolgung setzenden Actionszenen fehlt es an Höhen. Erst das Finale überrascht mit einer sehr explosiven Konfrontation.
Das Verschwörungsszenario zeigt, wie offensichtlich transparent das Leben auf dieser Erde ist, wenn solch ein global vernetzter Überwachungsapparat für kriminelle Machenschaften manipuliert wird. Die Agenten der NSA klinken sich nämlich von Parkplatzüberwachungen und Einkaufspassagen über Ampelkameras in so ziemlich jedes System, das Aufnahmen liefern könnte und machen die Zielperson gläsern. Ein Schreckensszenario, mit dem sich der Thriller nur oberflächlich auseinandersetzt. Erst die erweiterte Variante des Films kritisiert etwas mehr und gibt den Figuren mehr Farbe.
Beeindruckend fällt der technische Aspekt aus. Mittels Reißschwenks und irrsinnigen Kamerafahrten von Satelliten herab kommend, vermittelt "Der Staatsfeind Nr. 1" ein sehr eigenständiges Gefühl für Ästhetik. Auch der orchestrale Soundtrack untermalt das Geschehen enorm passend, mal sehr persönlich, mal überaus voran treibend.
Kassenmagnet Will Smith ("Independence Day", "Bad Boys"-Reihe) spielt seine Rolle ordentlich ohne groß gefordert zu werden. Seine glaubwürdige Performance macht ihn schnell zur Identifikationsfigur. Gene Hackman ("Superman"-Reihe, "Wyatt Earp - Das Leben einer Legende") ist eine charismatische Ergänzung zu Smith.
In ihren undankbaren Rollen als klischeehafte Schurken stecken Jon Voight ("Heat", "Mission: Impossible"), Barry Pepper ("Der Soldat James Ryan", "The Green Mile"), Jake Busey ("Starship Troopers"), Jamie Kennedy ("Scream"-Reihe), Jack Black ("King Kong") und Tom Sizemore ("Black Hawk Down") dagegen ziemlich fest.
Zum großen Wurf reicht es schlussendlich nicht. Dafür ist die Angelegenheit etwas zu ausgewalzt und zu wenig komplex. Mal abgesehen vom geschickt die Parteien an einen Tisch bringenden Ende, ist "Der Staatsfeind Nr. 1" eine Treibjagd mit den üblichen Elementen. Von der bloßen Bedrohung der Person, der Entfernung seiner minimalsten Existenzbedürfnisse, bis hin zum Retter und der sich anschließenden Rache findet sich hier wirklich alles wieder, was in einen obligatorischen Thriller, der gegen eine einzelne Person gleich das Arsenal einer ganzen Behörde aufhetzt, erwartet. Seine Stärken hat der Film eher in seiner Atmosphäre und dem hervorragenden Soundtrack, weniger in seiner Erzählweise und der Action. Knappe ...
7 / 10