Berlin, Anfang der 80er Jahre. In dem heruntergekommenen Ambiente einer typischen deutschen Hinterhofsiedlung malträtiert ein Kind einen Turnschuh. Immer wieder scheint es mit roher Gewalt folgenschwer auf den bereits sichtlich angeschlagenen Gebrauchsgegenstand einzuwirken. Diese Barbarei findet zum größten Teil im Kopf des Zuschauers statt, was jedoch ohne Zweifel die Gesamtwirkung des kruden Werkes noch schwer verdaulicher macht. Zu guter Letzt wird der Schuh von seinem Peiniger samt der folterähnlichen Qualen befreit. Der Schuh wird mit einem Knallkörper bestückt und angezündet. Die Folgen sind verheerend. Eine in Zeitlupe gefilmte Explosion zerreist den Schluffen. Ein gellender, kurzer Schrei hallt durch die Siedlung. Sein Martyrium ist beendet.
Alle Achtung! Ein hartes Stück Brot wirft uns der deutsche Underground-Regisseur Jörg Buttgereit hier vor. Bereits in seinen Frühwerken, wie das hier vorliegende, lässt sich die raue und ungestüme Art des in Fankreisen kultisch verehrten Enfant terrible der deutschen Horrorszene erahnen.
Die rohe Gewalt dient hier jedoch scheinbar nicht dem puren Selbstzweck. Vielmehr kann es als Metapher unserer Wegwerfgesellschaft zu deuten sein. Vermeintlich Ausgedientes wird rücksichtslos und herzlos entsorgt.
Mit der zynischen Abrechnung des Themas "Konsum" ist Buttgereit zweifelsohne ein Werk gelungen, welches mit seiner pessimistischen, fast schon nihilistischen Attitüde seine wuchtige Wirkung bei dem geneigten Zuschauer nicht verfehlen wird.
Ein Film, über den zu diskutieren sein wird - unbequem, kaltblütig und durch und durch unbarmherzig. Ein großes, kleines Kunstwerk, welches zu polarisieren weiß!