Bildgewaltige Adaption des James Fenimore Cooper Romans mit dem Michael Mann fast schon die Klasse von „Heat“ und „Collateral“ erreicht.
Zentrale Figur ist Nathaniel Poe (Daniel Day-Lewis), genannt Falkenauge, dessen Eltern getötet wurden und der daraufhin von dem Mohikaner Chingachgook (Russell Means) adoptiert wurde. Chingachgook, Nathaniel und sein Adoptivbruder Uncas (Eric Schweig), Chingachgooks leiblicher Sohn, sind Waldläufer des Jahres 1757, in dem ein Kolonialkrieg zwischen Engländern und Franzosen um die neue Welt tobt. Im Gegensatz zu vielen anderen Siedlern lässt sich das Indianertrio jedoch nicht für eine englische Siedlermiliz anheuern. Damit erwischt sich „Der letzte Mohikaner“ schon früh als Abenteuerkino und nicht als patriotisches Schlachtengemälde, denn das Wohl des kleinen Siedlers wird hier über den Sieg im Kampf gestellt.
Doch die Indianer werden zufällig doch in den Konflikt gezogen, als sie Cora (Madeleine Stowe) und Alice (Jodhi May), die Tochter des englischen Colonel Edmund Munro (Maurice Roëves), bei einem Überfall eines Huronenstamms retten und sicher zu ihrem Vater eskortieren. Immerhin hat dies den angenehmen Nebeneffekt, dass sich Cora und Nathaniel ineinander vergucken…
Im Grunde genommen ist die Story von „Der letzte Mohikaner“ beinahe schon banal, denn sie besteht an sich nur aus zwei, drei Befreiungsaktionen, die aufeinander folgen. Stellenweise überrascht die Geschichte zwar, denn hier werden auch Sympathiefiguren geopfert, aber dennoch bleiben einige Dinge doch noch etwas oberflächlich. So verlieben sich Nathaniel und Cora scheinbar nur, weil sie ein paar Tage zusammen durch den Wald stapfen und sich dabei beide als starke Persönlichkeiten erweisen – von der bestenfalls angedeuteten Bindung zwischen Uncas und Alice ganz zu schweigen.
Doch es ist die Kunst der meisten Epen aus noch so simplen Plots wirklich bewegendes Kino zu machen und dies gelingt Michael Mann hier wunderbar. Die Panoramaaufnahmen des rauen Wildnis Nordamerikas möchte man sich beinahe an die Wand hängen und durch seine Bilder erzeugt Mann hier mehr Stimmung als alle Zeilen des Drehbuchs zusammen. Als wahres Highlight erweist sich die brillante Musik von Randy Edelman und Trevor Jones, die wohl einer der besten Soundtracks ist, die je komponiert wurden. Denn gerade die Musik versteht es die Emotionen der Charaktere wirklich überzeugend zu vermitteln und den Zuschauer mitzureißen, wie man vor allem bei dem brillanten Finale merkt.
Das Finale ist eine der nicht allzu zahlreichen Schlachtszenen, die jedoch alle top in Szene gesetzt daherkommen. Vor allem bei den Scharmützeln, in denen die Mohikaner einzeln durch die Reihen ihre Feinde wirbeln und elegant wahre Überzahlen erledigen, ist „Der letzte Mohikaner“ richtig spektakulär. Da können die größeren Schlachtszenen (z.B. bei der Belagerung) nicht ganz so mithalten, doch alles in allem sind die Kämpfe hier wirklich famos inszeniert.
Erfreulich ist auch die Tatsache, dass Mann hier kritisch und unpathetisch an die Sache herangeht. Kitschige Dialoge gibt es keine und auch Klischees vermeidet „Der letzte Mohikaner“ elegant; z.B. wenn es nicht Nathaniel ist, der mit dem Oberfiesling abrechnet. So werden auch nicht alle Angehörigen einer Gruppe über einen Kamm geschoren: Nicht alle Huronen sind so blutrünstig wie Magua (Wes Studi) und Duncan Heyward (Steven Waddington) darf im Gegensatz zu vielen anderen englischen Offizieren eine edle Wandlung vollziehen. Nur ab und zu greift Mann zu Verallgemeinerungen, z.B. wenn alle Siedler als edel und nahezu alle englischen Offiziere als überheblich und wortbrüchig dargestellt werden.
Schauspielerisch ist „Der letzte Mohikaner“ hingegen tadellos: Vor allem Daniel Day-Lewis, Russell Means und Eric Schweig als Indianergespann spielen ganz groß auf, doch auch die trotz diverser Hauptrollen wenig beachtete Madeleine Stowe braucht sich nicht hinter dem Mohikanertrio verstecken. Auch in den Nebenrollen finden sich nur überzeugende Darsteller, wenngleich die meisten (bis auf Wes Studi und Pete Postlethwaite) ziemlich unbekannt sind.
„Der letzte Mohikaner“ ist ein fesselndes Abenteuerepos geworden, das zwar eine sehr simple Story hat, doch durch tolle Bilder, schicke Schlachtszenen und vor allem durch einen ungeheuer packenden Soundtrack in seinen Bann zieht.