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Als “Saw” 2004 einen internationalen Überraschungserfolg erlebte und einen enormen Gewinn erwirtschaftete war es klar, dass eine Fortsetzung folgen musste. Uns das obwohl der Film richtig schön in sich geschlossen wirkte und ähnlich wie beim Independent-Film „Cube“ eine weitere Entwicklung, beziehungsweise Auflösung der Story nur schädlich für das Original sein konnte. Die Kassen klingelten trotz mangelnder Innovationen mächtig, so kam es wie es kommen musste: Darren Lynn Bousman sollte nach dem zweiten Teil auch den dritten drehen und zeigt keine wesentlichen Verbesserungen.


Die Inszenierung wirkt wie beim Vorgänger sehr steril und ohne nennenswerte Handschrift. Auch „Saw III“ wirkt wie ein seelenloser Studio-Film der gleich einem Vampir dem Mainstream-Zuschauer das Blut aus den Adern saugt, oder halt das Geld aus der Tasche. Aufgrund des übertriebenen Hypes um die Reihe wird das Konzept aber wohl auch diesmal aufgehen, obwohl man im Prinzip bloß einen aufgewärmten Schocker serviert bekommt der in kalter Videoclip-Ästhetik daher kommt und geradezu zwanghaft modern wirkt. Die Frische ist verschwunden und schon alleine aufgrund der fehlenden inszenatorischen Ideen vergeht schnell die Lust an diesem Werk.

Leigh Whannell verfasste zum dritten Mal das Drehbuch und schafft es sich konsequent zu verschlechtern und seinen eigenen Mythos vollständig zu deformieren. Wirkte der Twist am Ende des ersten Teils wirklich genial und völlig überraschend, überbietet er sich in den beiden Fortsetzungen mit Peinlichkeiten, die an Unglaubwürdigkeit und Gestelztheit kaum zu übertreffen sind. Zugegeben, es fällt schwer eine Storyline wie diese hochqualitativ zu halten und gleichzeitig genug blutige Gewalt zu präsentieren.

Es gibt einfach Filme die gerade durch ihre Offenheit und Unaufgeklärtheit dem Zuschauer in Erinnerung bleiben und glasklar nicht fortgesetzt werden sollten. Neben „Cube“ ist „Saw“ ein Paradebeispiel, denn hier fehlen einfach Identifikationsfiguren und feste Charaktere um eine Weiterführung wirklich interessant zu machen. Eigentlich handelt es sich schlicht um dieselbe Geschichte, die leicht variiert wird und unmotiviert den zweiten Teil weitererzählt.

Die Bezüge zu den Vorgängern sind zwar klar, nichtsdestotrotz wirkt nunmehr jeder Story-Twist an den Haaren herbei gezogen, zumal auch einem vierten Teil der Weg geebnet wird, wer hätte das gedacht?


Auf dem Soundtrack findet sich der übliche New Metal-Kram von Ministry über Disturbed bis hin zu Slayer oder Static X, es regieren mal wieder die härteren Töne. Der Atmosphäre dienlich ist solche Musik kaum und mittlerweile vollkommen abgedroschen. Zum Glück distanzieren sich moderne Horrorfilme wie „The Devil’s Rejects“ oder „The Hills Have Eyes“ von solchen Sound-Kulissen und besinnen sich wieder an alte Werte im Genre. „Saw III“ versucht aber mit aller Gewalt trendy zu wirken, doch die schale Optik kann nicht mal annähernd das hauchdünne Drehbuch verdecken, welches mit einigen unfreiwillig komischen Szenen aufwartet.


Der Kult um den Charakter Jigsaw soll hier weiter ausgebaut werden, vielmehr findet aber eine Deformation dieses Kultes statt und die Figur wird zum billigen Abziehbildchen degradiert, das ein weiteres mal Geld in die Kassen gieriger Produzenten zu spülen. Selbst der Reiz immer neue Fallen zu begutachten verliert jegliche Attraktivität, da können die Todes-Szenen so kreativ und abwechslungsreich sein wie sie wollen.

Ein ähnliches Phänomen kann man in der „Final Destination“-Reihe erkennen, auch dort zeigt sich das die immergleiche Story nicht alleine von sadistischen Szenen aufpeppen lässt. Vor allem da „Saw II“ in Sachen Gewalt und einfallsreichem Sadismus nicht übertroffen wird und „Saw III“ nicht so viele erinnerungswürdige Sequenzen aufweist.

Klar, die fiesen Fallen sind auch hier nicht von schlechten Eltern und in einigen Szenen wird es auch blutiger als in den ersten beiden Filmen, alleine die Vorhersehbarkeit und die stumpfe Steigerung voyeuristischer Gewalt nicht unbedingt zur psychologischen Härte eines solchen Werkes beiträgt.


Schauspielerisch kann man von blankem Durchschnitt bis zu vollkommen untalentiertem Bodensatz professioneller Filmindustrie sprechen. Dina Meyer, Shawnee Smith und natürlich Tobin Bell als Jigsaw sind wieder mit von der Partie, richtig motiviert wirkt hier aber keiner der Beteiligten.

Sämtliche Darsteller stolpern gelangweilt durch den Film, ganz so als wäre diese Fortsetzung ein nötiges Übel dem man sich nun mal beugen muss. Hoffentlich wird das auch dem breiten Publikum klar, doch einen guten Gewinn wird dieses sichere Projekt auf jeden Fall machen.


Fazit: War der zweite Teil noch halbwegs akzeptabel und anschaubar, so verkommt die Reihe mit dem dritten Teil zu totaler Belanglosigkeit und hat einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Fortsetzungen wie diese zeugen von der erbärmlichen Ideenrate in Hollywood und sind nichts als reine Geldmacherei. Ich weiß, dass ich hier nichts neues erzähle, aber wer sich ein Bild machen will vom jämmerlichen Zustand des derzeitigen Mainstream-Kinos sollte sich „Saw III“ ansehen. Überflüssiger geht’s nun wirklich nicht mehr und ich hoffe, dass uns ein vierter Teil erspart bleibt…


Daher die Tiefstnote: 01 / 10

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