Eigentlich hätte man ja fast heulen können, was aus unserem Independent-Superhit "Saw" in letzter Zeit so gemacht wurde. Denn eigentlich war "Saw" ein Filmchen, das rein und allein für sich ein absolutes Juwel, im heutigen Horror-Einerlei aus Blut-, Matsch und Gedärm auf der einen Seite und seichtem PG-13-Grusel auf der anderen Seite. "Saw" war anders, "Saw" war innovativ und "Saw" konnte einfach beides bieten. Blut und Gore zur rechten und Atmosphäre und Spannung zur linken. Doch wie es sich für ein höchst erfolgreiches Filmchen so gehört, musste natürlich, bereits ein Jahr später, eine Fortsetzung her, die die Einmaligkeit des Wan-Streifens plötzlich zerstörte und ähnliche Spielereien, wie der Vorgänger bot. Doch erfreulicherweise schaffte es "Saw II" dennoch die Genialität des Vorgängers größtenteils zu übernehmen und bot immer noch ein exzellent dreckiges Filmvergnügen, dass den Gore-Pegel zwar über den Spannungspegel setzte, diesen aber dennoch nicht zu schlimm ausstach, so das auch dieser immer noch genügend zur Geltung kommen konnte und somit eine gelungene Fortsetzung abrundete, welche zwar nicht nötig war, aber wo sie schon mal da war auch nicht wirklich etwas Negatives darstellte. Heulen musste also niemand.
Doch auch dieser Streifen war höchst erfolgreich und so musste die Geldkuh Zuschauer natürlich ein weiteres Mal gemolken werden, und zwar mit "Saw III". Den Gewaltpegel noch ein wenig hoch geschraubt, war für viele nun allerdings das Maß des Zeigbaren voll und viele gönnten dem Film seinen erneut hohen Erfolg nicht. Doch ehrlich gesagt, in meinen Augen schafft es der Film, trotz des überhohen Gore-Pegel, noch einmal, zu überzeugen, wenn auch durchaus mit fraglichen Mitteln.
Mag sein, dass wir es mit "Saw III" nun wirklich nur noch mit einem reinen Kommerz-Produkt zu tun haben, doch definitiv noch einmal mit einem der Besseren. Denn "Saw III" spinnt seine angefangene Saga konsequent fort und bietet neben seinem Gore-Pegel erneut Spannung und Atmosphäre, wenn auch vielleicht nicht mehr ganz auf dem Grad der Vorgänger. In Sachen Story hat man sich aber jedenfalls die Mühe gemacht, nahtlos an die Geschichte der Vorgänger anzuknüpfen und lässt das Treiben kurz nach dem Schluss des zweiten Teils einsetzen. Der geniale Mörder "Jigsaw" liegt nun also im Sterben und zusammen mit seiner Schülerin Amanda macht er sich daran, ein letztes, grausames Spiel zu inszenieren. Er, bzw. Amanda, entführt, anscheinend wahllos, eine Ärztin, welche ihn am Leben erhalten soll. Damit sie das auch wirklich tut, ist der Apparat, welche ihr Amanda kurz zuvor anlegt, mit dem Herzschlag des Sterbenden verbunden, und sobald dieser versagt, stirbt auch die Ärztin eines grausamen Todes. Nebenbei muss allerdings auch ein rachesüchtiger Mann ein Spiel des Psychos spielen und nur wenn er dies gewinnt, hat auch die Ärztin eine Chance, heil aus der Sache herauszukommen. Doch die Aufgaben sind härter, als je zuvor... Mag sein, dass "Saw III" den Bogen der Unlogik dieses mal höllisch überspannt, doch für schweißtreibende Spannung kann das Drehbuch dennoch wieder mehr als gut sein. Clever wurde das angefange Buch der trickreichen Qualen weiter gesponnen, wieder einmal gibt es allerhand Fallen, Wendungen am laufenden Band und wirklich Spannung bis zum Schluss, welcher dann noch einmal alles über den Haufen wirft, was man sich bis jetzt gerade selbst in seinem Hirn zusammengematert hat. Zwischendurch werden dann auch noch einige Fäden der Vorgänger verknüpft, so das man nach Filmschluss eigentlich keine wirklichen Fragen mehr übrig hat und die Trilogie somit perfekt wäre, wenn Teil 4 nicht schon in den Startlöchern stehen würde. Jedenfalls ist es mehr als löblich, dass man die Drehbuchschreiberlinge des ersten "Saw" durch alle drei Teile hindurch behalten hat, so das sie ihre Geschichte zu einem ordentlichen Ende hätten bringen können. Gut so!
Aber auch die Umsetzung kann noch ein weiteres Mal als gelungen bezeichnet werden, auch wenn dieses mal der Gore-Pegel, Spannung und Atmosphäre noch einmal weit übertrumpfen. Wo ja schon der Vorgänger die Balance zwischen den beiden Hauptdetails eines Horrorthrillers nicht so ganz halten konnte, so übersteigt der Brutalo-Pegel die Atmosphärenkurve nun doch mehr als spürbar. Die Fallen von Jigsaw sind nun wirklich durchgehend von der perversesten Sorte, bei denen man sich manchmal schon fragt, welches krankes Hirn sich so etwas ausdenkt und selbst beim abgebrühtesten Horrorfreak ab und an der Gedankenschlag kommt, ob das Gezeigte nicht doch hier und da ins Fragwürdige abrutscht. Da hängt ein Mann an Haken und neben ihm steht eine Bombe die in kürze hochgeht und er kann sich nur befreien, wenn er sich die Haken selbst aus der Haut reisst. Eine Frau wird in eine Maschine gesteckt, die ihr nach Ablauf der Zeit den Brustkorb zerreisst und wieder ein Anderer wird von einer Apparatur an Händen und Füßen mächtig verdreht, im wahrsten und blutigsten Sinne des Wortes. Was hier auf den Zuschauer losgelassen wird ist definitiv etwas, was den Strich der Perversität nicht selten streift und mitunter auch übertritt. Dennoch, irgendwo hat man beim Zusehen seine (zugegeben) fragwürdige Unterhaltung, wenn es einem auch durchaus immer wieder anwidert, was man hier zu sehen bekommt. Zumal diese Szenen auch durch die Bank weg sauber inszeniert wurden und nicht an Ideenreichtum mangeln. Nur das sie eben dieses mal derart auf Pervers gebügelt wurden, dass kann einen schon manchmal zum Nachdenken bringen, sei es was den brutalen Einfallsreichtum der Macher angeht, als auch die eigene Art der Unterhaltung, die hier fast schon ihre Grenzen des "Gesunden" stößt.
Spannung und Atmosphäre haben es bei diesem hohen Brutalitäten-Pegel dann natürlich recht schwer, zur Geltung zu kommen. Doch Bousman will es auch dieses mal noch gelingen, sie zwischen all dem Gekröse zum Vorschein kommen zu lassen. Die Locations sind z. Bsp. wieder durch die Bank weg so herrlich schmutzig ausgefallen, dass eine gewisse Schmuddel-Atmosphäre einfach nicht zu verleugnen ist. Die Spielereien mit der Beleuchtung, den schnellen Schnitten, sowie dem genauso bekannten wie brillanten Score von Charlie Clouser, tun ihr übriges, um für schaurige Unterhaltung gut sein zu können. Für die Spannung sind dann hauptsächlich wieder die Wendungen und Überraschungen im Plot zuständig, die zwar durchaus nicht mehr an die Vorgänger herankommen, aber für so einige "Aha"-Effekte immer noch mehr als gut zu gebrauchen sind. Es hätte davon halt nur ein wenig mehr sein dürfen. Aber nun gut.
Zu den Darstellern sei dann noch kurz gesagt, dass man es auch hier wieder mit eher zurückhaltenden Akteuren zu tun hat, die nicht immer ganz das an Leistung bringen, was man als Zuschauer, selbst für Genre-Verhältnisse, erwarten darf. Einzig und allein Tobin Bell ist wieder einmal brillant in seiner Paraderolle, die er nun schon seit gut 3 Jahren inne hat. Alle anderen verblassen dagegen total, selbst Shawnee Smith kann als Amanda kaum überzeugen. Schade eigentlich!
Fazit: Auch wenn "Saw III" sich nun endgültig den Vorwurf gefallen lassen muss, das Publikum vorzüglich mit einer Perversität nach der Anderen unterhalten zu wollen, so funktioniert auch er noch einmal so, wie man es von einem Saw-Film erwarten kann. Ein weiteres Mal wurde die Geschichte des "Jigsaw"-Killers clever weiter gesponnen, ein weiteres Mal gibt es durchaus schweißtreibende Spannung bis zum Schluss und ebenfalls ein weiteres Mal gibt es clevere Fallen und knackige Wendungen zu bestaunen, die "Saw III" nicht einmal langweilig werden lassen. Dazu hammerharte Gore-Szenen, welche allerdings nicht ganz fraglos am Zuschauer vorbei gehen sollten und die das Brutalo-Fass dieses Mal wirklich hier und da zum Überlaufen bringen und mit dem was überschwappt, die anderen Punkte des Films dann doch ein wenig ersaufen lassen. Trotzdem, für "Saw"-Unterhaltung ist auch dieses mal wieder gesorgt, auch wenn es definitiv der letzte Part der Reihe sein sollte. Das dem leider nicht so ist, wird uns nun demnächst "Saw 4" zeigen, der es nun allerdings sehr schwer haben dürfte, noch einmal den Überzeugungsgrad der Reihe aufrecht zu erhalten. Als Trilogie gesehen kann man aber zufrieden sein!
Wertung: 6,5+/10 Punkte