Review
von Trashstore75
Die Kritik beruht auf der Unrated-Fassung mit einer Laufzeit von 109 Minuten aus der österreichischen Limited Collector´s Edition!
"SAW III" ist ein amerikanischer Horror-Thriller von Regisseur Darren Lynn Bousman aus dem Jahr 2006 und die Fortsetzung zu "SAW" und "SAW II".
Leigh Whannell (Hauptdarsteller des ersten Teils und auch Drehbuchautor der ersten beiden Filme der Reihe) schrieb zusammen mit James Wan, dem Regisseur des ersten Teils, das Drehbuch. Der Film startete am 27. Oktober 2006 in den US-Kinos und am 1. Februar 2007 auch in den deutschen Lichtspielhäusern.
Das zweite Sequel von "SAW" zählt aufgrund seiner realistischen Splatterszenen als der brutalste und blutigste Teil der gesamten Reihe.
Am 7. September 2007 wurde der Film daher in mehreren Fassungen in Deutschland auf DVD veröffentlicht. Die DVD erschien in Deutschland nicht in der Unrated Fassung, da die SPIO/JK für diese Fassung ein „Strafrechtlich bedenklich“ ausgestellt hatte. Kinowelt veröffentlichte eine exklusive Österreich-Auflage, welche zeitgleich zur deutschen erschienen ist und als einzige deutsch-sprachige Version die Unrated-Fassung beinhaltete. Diese auf 30 000 Exemplare limitierte Veröffentlichung ist allerdings seit August 2007 indiziert.
In Deutschland erschienen zwei gekürzte FSK-geprüfte Fassungen („Keine Jugendfreigabe“ und „ab 16 Jahren“), sowie eine auf der Kinofassung basierende, mittlerweile von der BPjM indizierte SPIO/JK-geprüfte Fassung (R-rated).
In den ersten 15 Minuten des dritten Teils der Reihe wird von den Zuschauern nicht nur ein starker Magen, sondern auch ein strapazierfähiges Nervenkostüm erwartet, denn ohne dem Publikum auch nur etwas Zeit zum Luftholen zu lassen, reiht Regisseur Bousman drei Szenen aneinander, die an Härte und Grausamkeit kaum zu überbieten sind und einen Weg einschlagen, der im weiteren Verlauf der komplexen Handlung konsequent weiter gegangen wird.
Die Erzählstruktur der beiden vorangegangenen "SAW"-Filme wurde beibehalten und die Story auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt, wobei eingebaute Flashbacks Aufschluß über Jigsaws und Amandas Vergangenheit geben, die nach ihrer bestandenen Prüfung im ersten Teil in der Fortsetzung als Jigsaws Nachfolgerin eingeführt wurde. Angesichts der komplexen Story, zweier parallel verlaufender Handlungsstränge und zusätzlich eingebauter Rückblenden wird es für den Zuschauer im dritten Teil schon schwieriger, dem Geschehen auf der Leinwand zu folgen. Dafür gelingt es dem Regisseur alle offenen Fragen des ersten und zweiten Teils zu beantworten und somit die vielmals kritisierten Logikbrüche nachvollziehbar zu schließen.
Der dritte Teil beginnt dort, wo die ersten beiden Teile jeweils endeten: in dem dreckigen, verfallenen Waschraum, in dem sich mittlerweile 3 Tote (Adam und Zep aus Teil 1, Xavier aus Teil 2) sowie Dr. Gordons rechter Fuß befinden. Handlungstechnisch setzt "SAW III" direkt beim zweiten Teil an:
Detective Eric Matthews wurde von Amanda gefesselt und eingesperrt in dem Waschraum zurück gelassen. Jeder Versuch, sich von der Fußfessel zu befreien, scheitert. Der einzige Weg, sich zu befreien, bestünde darin, sich mit einer Säge den Fuß abzutrennen. Das bringt Matthews aber nicht fertig. Er zertrümmert sich stattdessen seinen Fuß mit dem Deckel eines Spülkastens der Toilette, bricht ihn sich noch einmal und kann so seinen Fuß aus der Fessel ziehen.
Im Vergleich zu dem, was noch folgen wird, ist diese einleitende Anfangssequenz noch harmlos, auch wenn das Brechen des Fußknochens an den Nerven zerrt. Wurde das Absägen des Fußes im ersten Teil noch angedeutet, so wendet die Kamera sich hier nicht ab und das Verstümmeln von Gliedmaßen wird von Regisseur Bousman genüßlich zelebriert.
Gleich in der nächsten Szene konfrontiert er uns mit der ersten obligatorischen Jigsaw-Prüfung, die sowohl den Prüfling als auch den Zuschauer an die Grenze des Ertragbaren stoßen läßt:
Das Opfer - Troy - ist mit mehreren Ketten gefesselt, die jeweils in den Versen, Händen, Schulterblättern, der Hüfte und an der Unterlippe eingehakt sind. Schafft es das Opfer nicht, sich innerhalb einer Minute von den Fesseln zu lösen, wird ein Sprengsatz explodieren...
Das Ergebnis dieser sadistischen Prüfung wird dem Zuschauer nicht vorenthalten, die Produzenten der "SAW"-Reihe wissen, was sie den eingefleischten Fans des Sado-Horrors schuldig sind: in Nahaufnahme werden wir Zeuge, wie sich Troy in einem aussichtslosen Kampf gegen die Zeit die Haken aus dem Körper reisst, und letzten Endes doch nur verkohlte, zerfetzte Fleischklumpen von ihm übrig bleiben.
Alle weiteren Todesszenarien, die das Drehbuch in den restlichen 100 Minuten noch zu bieten hat, stehen den ersten beiden Szenen in nichts nach - im Gegenteil: es wird noch blutiger, noch ekelerregender! Der Phantasie des Drehbuchautoren Leigh Whannell scheint keine Grenzen gesetzt zu sein, wenn es darum geht, Menschen zum Zweck der Unterhaltung auf möglichst abartige Weise sterben zu lassen.
Gab es im zweiten Teil schon keinerlei Sympathieträger, die den fiesen Fallen Jigsaws ausgeliefert waren, so ist es bei Teil 3 nicht anders, zumal hier noch eine fragwürdige Selbstjustiz-Ideologie zum Hauptthema der Handlung gemacht wird:
Jeff Reinhard erwacht auf dem Gelände eines großen Gebäudekomplexes aus seiner Bewußtlosigkeit. Schnell wird klar, dass er die Hauptperson eines weiteren Jigsaw-Spiels ist. Er wurde ausgewählt, da er den tragischen Verlust seines Sohnes – der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam – nicht verkraften kann und seitdem massive Rachegelüste hegt und sich kaum noch um seine jüngere Tochter kümmert. Die Ehe mit seiner Frau ist aufgrund der großen seelischen Belastung zerbrochen. Bei den Tests wird Jeff mit den Personen konfrontiert, die an dem Tode seines Sohnes beteiligt waren:- die einzige Augenzeugin des Unfalls, die zu feige war, vor Gericht auszusagen
- der zuständige Richter, der den Täter lediglich zu 6 Monaten Haft verurteilte
- der Verursacher des Verkehrsunfalls
Jeff wird vor die Wahl gestellt, ihnen zu vergeben und sie aus Jigsaws Fallen zu retten, oder ihren Tod in Kauf zu nehmen. Er versucht, die Personen zu retten, entscheidet sich dafür aber meist zu spät, so dass sie einen grausamen Tod sterben müssen.
Während Jeff von einer Prüfung zur nächsten geleitet wird, beobachtet Amanda ihn über Monitore und stattet ihrem Mentor Bericht ab. Dieser ist von seiner Krebserkrankung stark gezeichnet und liegt im Sterben. Um ihn während Jeffs Prüfungen am Leben zu erhalten, entführt sie auf Jigsaws Anweisung die Ärztin Dr. Denlon aus jenem Krankenhaus, in dem einst Dr. Gordon John Kramers Erkrankung diagnostizierte. Amanda zwingt die Ärztin dazu, John so lange am Leben zu halten, bis Jeff seine Prüfungen bestanden habe. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, legt sie Dr. Denlon eine Halskrause mit fünf Sprengkapseln um, die direkt mit John Herzfrequenz-Kontrollmonitor verbunden ist. Sollte er sterben, würden gleichzeitig die Sprengkapseln aktiviert und die Ärztin ebenfalls getötet werden...
Wie diese beiden Handlungsstränge miteinander verbunden sind, offenbart die Schlußpointe, die jedoch jegliche Raffinesse ihrer beiden Vorgänger vermissen läßt und an den Haaren herbeigezogen wirkt. Einmal mehr entpuppt sich der dritte Teil als Puzzlespiel, das vor allem daran deutlich wird, dass Jeff zu jeder Prüfung ein Stück einer Fotografie erhält, die nach Ablauf aller Prüfungen ein komplettes Foto ergeben und somit einen Teil des Puzzles offenbaren.
Mit einer Spielzeit von 109 Minuten ist der dritte "SAW"-Streich eindeutig zu lang geraten. Das liegt vor allem daran, dass die Szenen, in denen die Todesfallen zum Einsatz kommen, in die Länge gezogen wurden, um dem Publikum einen spektakulären Todeskampf zu bieten.
Auch die finale Auflösung ist mit einer Viertel Stunde extrem lang geraten und wartet mit einer zusätzlichen Pointe auf, die aber auch jeglichen Aha-Effekt - der bei den ersten Teilen vorhanden war - vermissen läßt.
Die Handlung um Jeff bietet weder Spannung noch Dramatik und ist lediglich auf den Ekeleffekt ausgerichtet, während der parallel verlaufende Plot um Jigsaw, Amanda und Dr. Denlon nicht nur Atmosphäre bietet, sondern das Verhältnis von Jigsaw zu Amanda ergründet:
In Rückblenden erfahren wir, wie Jigsaw Amanda ihrer Prüfung unterzieht, die sie im ersten Teil besteht:
"Die meisten Menschen sind so undankbar dafür, dass sie noch leben. Aber du nicht...nicht mehr!"
Es ist der Beginn einer bizarren, von gegenseitiger Abhängigkeit geprägten Beziehung, in der Amanda zu seinem Geschöpf geworden ist, das sich mit jeder Pore ihres Körpers ihm zu unterwerfen habe. Ein Geschöpf, das sich würdig erwiesen habe, Jigsaws Werk nach dessen Tod fortzuführen.
Leider ist aber bei aller Liebe zu blutigen Details der Charakter von Amanda zu widersprüchlich ausgefallen: vom Junkie, der nur für den nächsten Schuß lebt, zur debilen, persönlichkeitsgestörten Person, die sich mit Messern und Rasierklingen selbst verletzt und sich letzten Endes ihrer dominanten Bezugsperson sklavisch unterwirft, einerseits durch Jigsaws Prüfungen in einen Konflikt gerät, auf der anderen Seite aber aus reiner Mordlust tötet und in einem Anfall von Eifersucht das Werk ihres Meisters in Frage stellt und sich gegen ihn auflehnt.
Auch wenn die Dramaturgie des Drehbuchs Amandas überzeichnete Wandlung vom Junkie zur ritzenden, mordlustigen Schlampe verlangt, ist dabei jegliche psychologische Tiefenschärfe im Blut der Protagonisten untergegangen.
Auch wenn mit dem dritten Teil ein würdiger Abschluß für die "SAW"-Reihe entwickelt wurde, sind Abnutzungserscheinungen an der einst innovativen Grundidee nicht zu übersehen.
Abgesehen davon, dass das Finale keine große Überraschung aufweist und die ständigen Zeitsprünge kaum noch nachzuvollziehen sind, sind vor allem Spannung und Tempo auf der Strecke geblieben. Die Verweise auf die bisherigen Teile und das charismatische Spiel Tobin Bells als Jigsaw sorgen aber noch für genug Unterhaltungswert, so dass "SAW III" bei aller Gewaltdarstellung nicht zur stupiden Splatterorgie verkommt.
7,5 von 10 Sägen!