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„The Prestige“ – das ist das cineastische Äquivalent der Zaubertricks, die sowieso zentrales Thema des Films.
Wie Michael Caine hier im Eröffnungskommentar erklärt, bestehen die Tricks stets aus drei Akten: die Präsentation von etwas Gewöhnlichem, dann der Trick an sich und am Ende das „Prestigio“, das eine unerwartete Wendung bringt, die das Publikum überrascht.

Genauso baut Christopher Nolan, gefeierter Regisseur von „Memento“ und „Batman Begins“ auch seinen neuen Film auf, der wie für den Filmemacher typisch, erneut die Abgründe der menschlichen Seele auslotet und die Zerrissenheit seiner Figuren zum Programm macht.

Hier sind es zwei Bühnenmagier in der Zeit um die Jahrhundertwende des viktorianischen Zeitalters, die, erst in Freundschaft und dann nach einem unnötigen tragischen Unglück, als direkte Kontrahenten ihre Karrieren vorantreiben, wobei sie nicht selten den jeweils anderen zu sabotieren suchen.

Im Zentrum des Films steht der rasende, zerstörerische Ehrgeiz, der Wunsch nach der Unverwechselbarkeit, dem Schöpferischen.
Während Robert Angiers seinen Kollegen Alfred Borden für den Tod seiner Frau verantwortlich macht, muß dieser mit der Schuld leben, nicht genau zu wissen, ob er die Verantwortung trägt. Beide werden durch dieses Unglück zu Getriebenen der Einzigartigkeit, jeder will den Trick zeigen, den niemand nachmachen kann. Ein Weg, der in die Hölle führt…

Nolan vollführt hier auch ein formales Zauberkunststückchen, denn er verschachtelt die Erzählweise seiner beiden Protagonisten auf geschickt umständliche Art und Weise.
Alles beginnt mit Angiers größtem Trick, dem Borden auf den Grund geht, um den Kontrahenten plötzlich in einer tödlichen Falle wiederzufinden.
Von da an wird die Geschichte aus dreierlei Sicht erzählt: Borden, der für den Mord gehenkt werden soll, studiert Angiers Notizbuch, während eine frühere Zeitebene Angier zeigt, der sich illegal Bordens Notizen beschafft hat. Gleichzeitig füllt Michael Caine, in der Rolle eines Zaubertrickkonstrukteurs die zeitlich bedingten Lücken auf.

Damit hascht Filmmagier Nolan nach der Aufmerksamkeit der Zuschauer, zeigt eine gewöhnliche Fehde und niemand im Publikum ahnt, dass er schon Zeuge des Höhepunkts gewesen ist, denn in der grauenhaften Anfangssequenz liegt auch der Schlüssel zum ganzen Film.
Aufpassen ist also angesagt, denn jede Szene trägt nicht nur zu den vielschichtigen und wahrhaftig schizophrenen Charakteren bei, sondern ist auch ein Element zur Auflösung des Rätsels.

Im Verlaufe des Films wird dann der entscheidende Trick, „Der transportierte Mann“ vorgeführt, der Dreh- und Angelpunkt, den Borden scheinbar perfekt beherrscht und dessen Kopie Angiers nachjagt.
Um so geschickter, aber nicht erleichternder ist dabei die Anlage der Figuren, denn Nolan unterlässt es tunlichst, einen seiner Protagonisten als positive oder negative Figur zu zeigen, wer hier gut und böse ist, bleibt lange offen und letztendlich ist dies auch ein Teil des Rätsels.

Erst im letzten Drittel nimmt der Film dann eine Wendung, die sicherlich vielen Zuschauern ein bisschen unwahrscheinlich aufstoßen wird, denn aus dem Magierhistoriendrama wird eine Mischung aus Thriller und Fantasy-SF, ein echtes magisches Element mischt sich in die Geschichte – was nicht so unpassend wirken würde, wenn die literarische Vorlage bekannt genug wäre, um diese Irritation zu vermeiden.

Das einzige Problem ist jedoch, dass trotz der vielschichtigen Verschachtelung des Plots der generelle Plot-Twist (eigentlich sind es zwei) schon früh erkennbar ist, wenn das Publikum mitdenkt, zu auffällig oder unauffällilg ist so manche Figur gezeichnet oder auch nicht.
Deswegen gibt es keinen wirklichen Aha-Effekt am Ende, vielmehr nur die Erkenntnis, wie das scheinbar Unglaubliche ins komplette Bild passt.

Und dennoch bleibt „The Prestige“ unglaublich intensives Schauspielerkino und visuell prachtvolles Historiendrama, in welchem jedoch die Hauptdarsteller so stark herausstechen, dass die Nebenrollen zurückstecken müssen.
Michael Caine kann sich zwar behaupten und Charakterköpfe wie Andy Serkis und David Bowie (mit dem vielleicht besten Filmauftritt des Jahres) finden ihre Nische, die Damen kommen zu kurz, vor allem Scarlett Johansson, die im Skript einfach nicht genug Tiefe findet (aber dennoch durch eine subtile Erotik im Gedächtnis bleibt).

Wer also Science-Fiction-Elemente in einem Historienfilm akzeptiert und nicht nur auf den Plot-Twist setzt, wird eine mehr als gute Zeit mit Nolans Film haben, der präzises Schauen erfordert und doch ein opulenter Bilderrausch mit reichlich Dramatik ist, ohne die Handschrift des Regisseurs zu missen.

Schauspielerkino, Genrekino und Regiekino in einem Film hervorragend miteinander verbunden, was will der Filmfreund mehr – nur berieselnde Entspannung, die sollte man hier nicht erwarten. Ein Film, der mit der Zeit dazugewinnt. Ideal. (9/10)

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