Review

Regisseur Christopher Nolan („Memento“, „Insomnia“) erfüllt die die hohen Erwartungen und spielt mit „The Prestige“ nun endgültig in der ersten Liga Hollywoods. Hat ihm bei „Batman Begins“ noch Co-Autor David S. Goyer („Blade: Trinity“, „The Invisible“) in die Suppe gespuckt, so verfasst er hier zusammen mit seinem Bruder Jonathan das Drehbuch komplett nach seinen Vorstellungen selbst, ohne dass ihm jemand reinpfuschen konnte.
Christian Bale („Equilbrium“, „Der Maschinist“) und Edelsupport Michael Caine („The Italian Job“, „Get Carter“) nahm er vom geglückten Flattermann-Comeback gleich mit und verpflichtete dazu noch Hugh Jackman („X-Men“, „Van Helsing“). Wahrlich eine traumhafte Konstellation, die mit „The Prestige“ zurecht eine sehr positive Presse erfuhr und sich über ordentliche Einspielergebnisse freuen durfte.

Bale und Jackman spielen in „The Prestige“ zwei talentierte Magier, die zur Zeit des viktorianischen Zeitalters, etwa um 1900, in London aufeinandertreffen. Als Gehilfen eines erfolgreichen aber mutlosen und recht konventionellen Künstlers erlernen sie ihr Handwerk, wobei Alfred Borden (Bale) sich durch seinen enormen Ehrgeiz und die damit verbundene Risikobereitschaft auszeichnet. Als Robert Angiers (Jackman) Freundin Julia (Piper Perabo, „Coyote Ugly“, „The Cave“) während einer missglückten Nummer auf der Bühne ums Leben kommt, macht Angier Borden dafür verantwortlich. Aus den beiden Nachwuchstalenten werden erbitterte Rivalen, die sich von nun an versuchen gegenseitig zu überbieten, auszutricksen und dabei den besten Zaubertrick des anderen zu stehlen. Sympathische Charakterzüge legt keiner der beiden obsessiven Künstler an den Tag. Das Gegenteil ist der Fall. In dem Wahn der Beste sein zu wollen, werfen sie allen moralischen Anstand über Bord und puschen sich gegenseitig.

Christopher Nolans Film bewegt sich nah an der Perfektion, denn seine geschickte Erzählstruktur auf mehreren Ebenen ist schlichtweg brillant und die famose Ausstattung ein Genuss für die Augen. Den Rest besorgen die extrem guten Darsteller, bei denen Michael Caine keinesfalls neben Bale und Jackman, die im großen Stil ihr privates Duell ausfechten, zurückstehen muss. „The Prestige“ ist selbst ein Zaubertrick, dessen Auflösung der (zu) erfahrene Zuschauer leider erahnen kann, der nichtsdestotrotz sein Publikum zwei faszinierende Stunden täuscht und in eine andere Welt entführt.

Das Duell der Magier findet in drei Erzählsträngenstatt, deren Lücken von Michael Caine als Erzähler gestopft werden, welcher hier den einfallsreichen Tüftler gibt, der seine Zauberkünstler für ihre Vorstellungen mit dem nötigen Equipment versorgt und viel über den Charakter und die Philosophie des Zauberns mitzuteilen hat. Ohne dass der Zuschauer Gefahr läuft den Überblick zu verlieren, schaltet Nolan zwischen den Ebenen hin und her, entlockt dem Duell neue Überraschungen und setzt schließlich zum verblüffenden Schlussspurt an, der in eine unerwartete Richtung abdriftet. Die Wirkung des abschließenden Twists verliert deswegen leider genauso wie die Auflösung des Tricks ein wenig von seiner Faszination, der würdige Abschluss gelingt Nolan dennoch.

„The Prestige“ pflegte eine düstere Atmosphäre, die das Publikum von der ersten Minute in seinen Bann zieht und das ehrgeizige Treiben der beiden Rivalen unterstreicht. Die tollen Sets stehen dem in Nichts nach und auch die weitestgehend klassische Inszenierung Christopher Nolans lässt eine omnipräsente Sorgfalt. gepaart mit seinem ehrgeizigen Drang ein formvollendetes Werk ohne Kompromisse zu schaffen, durchblicken.
Dass Hugh Jackman und Christian Bale schauspielerisch vollends überzeugen, versteht sich dabei fast von selbst, wobei besonders Bale mal wieder eine unheimliche Präsenz an den Tag legt, weil man ihn nie durchschauen kann. Beide Schauspieler spornen sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und geben diese obsessiven Magier mit unwahrscheinlich viel Leidenschaft und Hingabe, dass einem mulmig werden kann.


Fazit:
Christopher Nolan hat mit „The Prestige“ sein Meisterstück abgeliefert. Das brillant erzählte Duell zweier Magier wird nicht nur von seiner atmosphärischen, düsteren Inszenierung und den phantastischen Darstellern, sondern vor allem von Nolans ausgefeilten Drehbuch getragen. Fast zwei Stunden dauert diese jahrelange Rivalität zwischen den beiden Künstlern, bis einer von ihnen zu weit geht. Dabei wird der aufmerksame Zuschauer sicherlich früher auf die Lösung stoßen oder sich an dem Science-Fiction-Element verbeißen und damit die einzige Schwäche des Skripts entdecken, die Qualitäten des Films mindert dieses Manko aber kaum noch. Spannend, famos inszeniert und exquisit ausgestattet. Einfach ganz großes Kino. Man kann nur hoffen, dass Christopher Nolan für den nächsten Batman-Film wieder die selben Freiheiten gewährt werden.

Details
Ähnliche Filme