Es ist immer wieder erstaunlich, wie talentiert Chritsopher Nolan ist. Andererseits ist es dann wiederum auch mittlerweile recht interessant zu sehen, wie wiederholend seine Inszenierungen in einzelenen Abschnitten und Themenbereichen sind.
Sehr häufig benutzt er das Prinzip des Flashbacks, der falschen Fährten und Finten, des gebrochenen Antihelden mit ihren menschlichen und seelischen Abgründen, der kühlen distanzierten Welt, der Leere seiner Protagonisten.
War Guy Pearce noch in Memento sein idealer Protagonist, so scheint mittlerweile der weitaus charismatischere Christian Bale diese Rolle auszufüllen, ist das doch schon der zweite gemeinsame Film binnen kürzester Zeit. Doch auch der eher durchschnittliche Hugh Jackman läuft unter Nolan zu nicht geahnter Form auf.
Prestige ist kein einfacher Film, er ist in seiner Erzählstruktur höchst komplex und führt den Zuschauer immer wieder aufs Glatteis, und das obwohl man von Anfang an einen Verdacht hat.
Welcher sich zwar letztendlich bestätigt, dies aber durch die vielen Wendungen dann doch als Überraschung daher kommt.
Die erste Dreiviertelstunde benötigt man etwas Sitzfleisch, weil da zum einen etwas unübersichtlich erzählt wird (oder man sich erst an die Struktur gewöhnen muß?), zum anderen der Film sich Zeit nimmt, die Geschichte aufzubauen. Außerdem werden dem Zuschauer gewisse Informationen gegeben, andere wiederum vorenthalten, sprich der Film spielt mit dem Zuschauer Katz und Maus.
In der zweiten Hälfte jedoch wird der Film immer spannender und spannender, selten in letzter Zeit wurde in einem Film die Spannungsschraube derart konsequent nach oben geschraubt, so daß man sich in seinen Sessel gekrallt hat.
Und das alles ohne große Action-Szenen oder sonstwas, der Film lebt durchweg durch den perfiden Wettkampf beider Prota- und Antagonisten. Und soviel mal vorneweg, wer Nolans Werke kennt, weiß, dass falls es einen Sieger geben sollt, es nur ein Pyrrhus-Sieg werden kann....
Was Nolan hier erstmals unter seiner freien Regiearbeit produzieren darf, ist endlich ein großer massenkompatibler Film. Batman Begins zählt nicht, da das nur ein Franchise-Produkt ist, auch das macht Nolan mehr als nur sehr gut. Genausowenig zählt diese Gurke mit Al Pacino und Robin Williams, da es sich um ein Remake eines Schwedisch-Norwegischen Films handelt. Aber Prestige ist der erste wirklich eigenständige Film von Nolan mit großem Budget.
Und das sieht man ihm glücklicherweise an, jeder Moment dieses Films durchlebt und atmet das Gefdühl der Größe.
Ähnlich genial wie Memento, nur halt offensichtlich auf Größe getrimmt mit einer anderen, massentauglicheren Geschichte, mit etablierten Schauspielern, dem der letzte entscheidende Kniff am Ende jedoch zwar nicht mißlingt, aber an Mementos Finale halt nicht rankommt.
So kann man diesen Film denke ich gut resümieren.
Und da er zwar massentauglicher und auch dadurch größer und "besser" als Memento ist, so fehlt zu Mementos Pfeffer doch ein bißchen Würze.
Etwas schlechter und doch etwas besser, also doch anders in seiner Inszenierung mag man meinen.
Nolan ist also definitiv noch nicht am Ende mit seiner Art der Psychoanalyse der menschlichen Abgründe.
Und das ist gut so!!!
9 Punkte