Review
von Alex Kiensch
Christopher Nolan erzählt die Geschichte zweier Zauberkünstler, die durch einen tragischen Unfall zu erbitterten Feinden werden und alles tun, den anderen zu zerstören und dessen Tricks zu stehlen. Die Fehde nimmt immer brutalere Auswüchse an - und endet in der Tragödie.
Was nach einer eher simplen, mit Zaubertricks gewürzten Konkurrenzgeschichte klingt, wird unter der Regie des britischen Meisterregisseurs zur vielschichtigen, hochemotionalen und mitreißenden Psycho-Studie zweier besessener Seelen, die mit enormen Knalleffekten und erzählerischer Komplexität aufwartet. Wie so üblich bei Nolans Filmen, wird von Anfang an die Zeitebene aufgebrochen: In drei parallelen Handlungssträngen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten der gemeinsamen Hassleidenschaft spielen, entwickelt sich nach und nach die Geschichte der beiden Magier. Das fordert vom Zuschauer einiges an Konzentration, wird aber so gekonnt inszeniert, dass man nicht die Orientierung verliert, und sorgt für ein enormes Spannungsmaß, da auf der einen Ebene immer wieder Andeutungen fallen, die die Erwartungen für die andere extrem schüren. Diese Art der achronologischen Erzählweise erweist sich einmal mehr als brillanter Spannungserzeuger - und sorgt im Laufe des Films für mehrere erstaunliche Aha-Effekte.
Bei dieser formalen Komplexität verliert Nolan aber auch seine Charaktere nicht aus den Augen. Getragen von wirklich starken Darstellern - neben seinem Stammpersonal Christian Bale und Michael Caine spielen hier so illustre Namen wie Hugh Jackman, Scarlett Johansson und in einer faszinierenden Nebenrolle David Bowie auf - zeigen sich die Figuren als vielschichtige Charaktere, deren Motive immer wieder von Erfolgsdenken, Egoismus und bedingungsloser Ergebenheit der Kunst gelenkt werden. Die familiären Zwistigkeiten, persönlichen Rückschläge und emotionalen Steigerungen bis zur Besessenheit werden so intensiv dargestellt, dass man tief mit den Handelnden mitfühlt, was den tragischen Schlussteil umso fesselnder und aufwühlender macht.
Allerdings wäre „Prestige - Die Meister der Magie" kein Nolan-Film, wenn das Drehbuch (geschrieben mit seinem Bruder Jonathan Nolan) nicht mit gleich zwei der phänomenalsten Story-Twists seiner Ära aufwarten würde. Gegen Ende steht einem mehrmals der Mund weit offen und die zentralen Überraschungen kommen so überwältigend inszeniert und unvorhersehbar, dass es einem völlig den Boden unter den Füßen wegzieht. Man sollte sich diesen Film unbedingt mehrmals ansehen, um zu entdecken, in wie vielen kleinen, kaum beachteten Details hier schon von Anfang an auf diese dennoch absolut überraschende Wendung hingewiesen und zugearbeitet wird. Ein weiteres Mal beweisen die Nolan-Brüder, dass sie es meisterhaft verstehen, Geschichten zu erzählen, die gerade durch kluge Details und genial gesetzte Fallstricke unvergleichlich zu fesseln wissen. Erzählerisch gehört das zum Größten, was Hollywood aktuell zu bieten hat, und schwebt in ganz anderen Sphären als vergleichbare Zauberer-Filme, wie etwa der fast zeitgleich erschienene „The Illusionist" oder der prollige „Die Unfassbaren - Now You See Me".
Diese extrem überraschende, emotional mitreißende und psychologisch komplexe Geschichte wird dank des aufwendigen Settings, das das ausgehende 19. Jahrhundert wieder auferstehen lässt, der gediegenen Inszenierung, die genau das richtige Maß zwischen spannendem Tempo und epischer Ruhe findet, der starken Kameraarbeit auch in überfüllten Szenen und natürlich dem intensiven Soundtrack zum annähernd vollendeten Gesamtkunstwerk. Aufgrund der nicht ganz so bedeutungsschweren Thematik, wie sie etwa bei „Inception" oder „Interstellar" zu finden war, wird „Prestige - Die Meister der Magie" in Nolans Oeuvre eher der Platz eines Nebenwerks eingeräumt, dabei beweist er auch hier vollumfänglich sein Talent als visionärer Filmemacher und Geschichtenerzähler. Unbedingt - und mehrmals - ansehen!