Review

Organschmuggel ist seit „Coma“ ein immer wieder gerne aufgegriffenes Thema, die Rache gemeuchelter Familienangehöriger sowie ein klassisches Motiv und „Hawk’s Revenge“ verbindet beides.
Eric ’Hawk’ Kelly (Gary Daniels) ist britischer Elitesoldat und natürlich einer der besten seines Faches, wie man direkt zu Beginn bei einer Übung erfährt (für einen B-Actioner anscheinend unerlässlich). Sein Bruder Jack (Pierre Gendron), genannt Soldier, ist derweil Cop in New York und wird dort in eine Falle gelockt und erschossen. Damit wäre der Anlass für die titelgebende Rache geliefert und Hawk kann nach Amiland rüber fliegen.
Dort erfährt Hawk, dass sein Bruder in einem Bandenkrieg zwischen Chinesen und Skinheads ermittelt. In dessen Wohnung trifft er zudem auf Lipo Chung (George Chiang), ein Bandenmitglied der Chinesen, dem Soldier Unterschlupf gewährte, als die Skinheads begannen Chinesen zu entführen. Lipo wird dann auch für den weiteren Verlauf Hawks Buddy, sodass „Hawk’s Revenge“ zu den lockeren B-Actionern mit Buddycomedy gehört. So wird vor allem über Rassenklischees geblödelt, was den Film jedoch auflockert.

Als die Leichen einiger Entführter auftauchen und Hawk auf eigene Faust Ermittlungen anstellt, wird schnell klar, was hinter der Sache steckt: Die Entführer benutzen die Chinesen als unfreiwillige Organspender. Hawk macht sich daran die Bande hochzunehmen…
„Hawk’s Revenge“ ist B-Action der schönen alten Schule: Die Lösung aller Probleme wird dadurch erreicht, dass man den Fiesling volle Packung was in die Fresse gibt – natürlich indem man immer eine Notwehrsituation herstellt wie Hawk sogar selber anmerkt. Da ist der Plot natürlich nicht allzu ausgearbeitet, Fieslinge und Motiv kennt man schon recht früh, sodass man kaum Überraschungen erlebt. Ehrensache, dass Hawk auch noch die Partnerin seines Bruders im Laufe der Ermittlungen durch die Laken knetet, aber trotz des Mangels an Innovationen wird der Plot doch recht kurzweilig vom Leder gezogen.
Dabei kommt die Action etwas kürzer als in anderen Gary Daniels Filmen und die Choreographie erreicht nicht das Niveau eines „White Tiger“, doch dank der vielfältigen Moves von Gary Daniels (u.a. ein gesprungener Drehkick in bester Van Damme Tradition) können die diversen Fights trotzdem unterhalten und aus der Masse ein wenig herausstechen. Zudem gelangt noch Abwechslung in die Schlägereien, wenn Soldiers Wohnungseinrichtung oder Werkzeuge im Operationssaal zweckentfremdet werden. Ansonsten gibt es noch ein paar kurze, aber (wohl aus Budgetgründen) recht unblutige Shoot-Outs.

Das Budget ist sowieso ein kleines Manko bei „Hawk’s Revenge“, denn der Look offenbart sehr schnell, dass hier nur wenig Geld zur Verfügung stand. Besonders sichtbar wird das in den paar mäßig getricksten Goreszenen (z.B. abgehacktes Ohr). Dafür kann „Hawk’s Revenge“ unerwartet in anderen Bereichen punkten, denn das Geschehen ist erfrischend ironisch. Neben der Buddycomedy zwischen Hawk und seinem Kumpel stehen noch zwei Profikiller auf dem Plan, die sich immer wieder amüsante Wortgefechte liefern, und deren Running Gag es ist, dass der eine den anderen immer zufällig in den Kampfszenen verletzt.
Zudem versucht Gary Daniels sich hier als Schauspieler und er mag ja kein Al Pacino sein, doch zu den besten B-Darstellern gehört er auf jeden Fall. So ist seine schauspielerische Leistung dann doch ganz gut, wenn er z.B. Trauer um seinen Bruder darstellen will (wenngleich ihm die ironische Haltung besser steht). Der Rest der Truppe spielt auch zufrieden stellend, wenngleich es halt nur B-Niveau ist.

Bleibt unterm Strich ein überdurchschnittlicher B-Actionfilm mit wenigen, aber schicken Actionszenen und einem gut aufgelegten Gary Daniels, was die Standardstory und das sichtbar schmale Budget dann halbwegs vergessen lässt.

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