Dieser Mitte der Neunziger gedrehte und damit aus der Blütezeit von Kampfsport-Ass Gary Daniels („Recoil“, „Cold Harvest“) stammende B-Actioner dürfte unter seinen Fans einen besonderen Status genießen, denn rein von seinen schauspielerischen Qualitäten sah man ihn selten besser. Während insbesondere die Filme P.M. Entertainments sich doch lieber eindeutig auf die Kampftalente des blonden Engländers konzentrierten, traut Regisseur Marc F. Voizard ihm mit erstaunlichem Ergebnis weitaus mehr zu.
Nur schade, dass die finanziellen Möglichkeiten für „Hawk's Vengeance“ letztlich so limitiert zu sein schienen, dass man nahezu durchgehend in abrissreifen Bauten drehen musste und dem Streifen so einen billigen Look verpasst, den er eigentlich nicht verdient, obgleich das Drehbuch unendlich viele Plotholes parat hält und die Geschichte gelinde ausgedrückt an Ideenarmut krankt.
Gary Daniels hingegen, der auch gleichzeitig die Fights choreographierte, hat man selten in besserer Spiellaune gesehen. Als britischer Marine (und gleichzeitig Leader einer Anti-Terroreinheit) Eric Hawke muss er den schweren Weg nach Amerika antreten, um dort dem Begräbnis seines Halbbruders beizuwohnen. Der suspendierte Cop wurde hinterrücks in einer wenig einladenden Seitengasse von China Town erschossen aufgefunden. Obwohl Eric natürlich erklärt, dass er den Mord nicht auf eigene Faust aufklären würde, liegt er schon bald mit einer Bande Neonazis und Organmafiosos im Clinch. Da kommt ihm die Armee-Ausrüstung aus den Hinterlassenschaften natürlich wie gelegen.
Der Grundtenor des Films ist nicht durchgehend ernst, was Daniels überraschend entgegen kommt. Nicht, dass er jetzt zu einem Eddie Murphy – Imitat verkommt, aber es macht wirklich Spaß ihm zuzuschauen, wie er mal den einen oder anderen Oneliner zum Besten gibt oder gar ganz entnervt reagiert, wenn dann seine Pläne nicht wie erwartet laufen und Beispielsweise sein Auto ausgeschlachtet wird, als er gerade mit einem bewusstlosen Kontrahenten auf den Schultern um die Ecke biegt.
Zusammen mit Lipo Chung (George Chiang), den er nach einer Schlägerei in der Wohnung seines toten Bruders aufgabelt, eröffnet er ein Buddyduo, dem man sich nur unschwer entziehen kann. Beide nehmen sich gegenseitig gern auf den Arm, verkleiden sich (u.a. als Rabbi!) und vermöbeln auch mal im Duett hohlköpfige Glatzen. Der Actionanteil fällt dabei nicht durch Häufigkeit oder besondere Qualität auf, was „Hawk's Vengeance“ letztlich den Eintritt in die Königsklasse kostet, sympathisch werden die beiden dem Zuschauer allerdings schnell.
Neben einer Love Story mit Lizzie (Jayne Heitmeyer, „Sci-fighters“, „No Contest II“), der Partnerin seines ermordeten Bruders, tritt auch noch ein ungleiches Killer-Duo, bestehend aus einem eitlen Schwarzen und einem ungepflegten, dicken, hässlichen Brillenträger in Diensten des Organhändlers Garr, auf den Plan und sorgen auch für unplanmäßige Vorfälle (die einen positiv die anderen dann weniger ;)), damit der Film nicht ganz so fix zuende ist.
Gary Daniels ist dafür dann auch nahezu ständig unter Volldampf in Action. Nach einem abendlichen Barbesuch muss er erst mal drei Radaubrüdern Manieren beibringen, eine Gruppe Skinheads überlistet er, indem er sich als Feuerinspektor ausgibt, später dann zweimal Duelle mit den beiden auf ihn angesetzten Killern, wobei die fortwährende Verstümmelung des Dicken schon Running Gag – Qualitäten entwickelt. Final wartet dann regelkonform Obermotz Garr, der zwischenzeitlich immer wieder Sparringsgegner zerlegt und auf einem Dach von Eric seiner gerechten Strafe zugeführt wird. Leider fällt ausgerechnet dieser Kampf etwas unspektakulär aus.
Sehr erfreulich ist der lockere Umgangston des Films, der nicht nur für sehr viel Wortwitz und schwarzhumorige, makabere Situationskomik (Stichwort: Obduktion) sorgt, sondern Eric auch äußerst rücksichtslos und gleichgültig walten lässt. Denn Gefangene will er auf seiner Suche nach den Mördern keine machen. Von Genickbrüchen, Zweckentfremdung von Knochensägen, Ventilatoren oder Napalm-Bomben bis zu den genreüblichen Shootouts deckt „Hawk's Vengeance“ eine breite Palette abwechslungsreich ab. Die Fights sind zwar leider etwas kurz, können sich dank Daniels exzellenter Fertigkeiten allerdings wie erwartet durchweg sehen lassen.
Spannung bleibt bis zuletzt leider ein Nebenprodukt für Marc F. Voizard, der seinen Film zwar solide, aber auch völlig akzentfrei über die Bühne bringt. Immerhin weiß er seine Darsteller zu instruieren und Gary Daniels seinen Freiraum zu lassen. Der schlägt sich nämlich auf die Seite einer chinesischen Straßengang, die regelmäßig mit ansehen muss, wie Mitglieder vom im Visier stehenden Organring entführt und als Ersatzteillager missbraucht werden, und landet schließlich selbst im „Vorratslager“, um von dort mit MacGyver – Tricks zu flüchten. Was folgt, ist der übliche Showdown mit hohem Bodycount auf Seiten der Bösen, während das längst liebgewonnene Killerduo ihr Schicksal fast auf der Toilette verpennt.
Etwas schade ist es dann schon, dass das schlampige Drehbuch so viele Ungereimtheiten offenbart und sich einige Folgen zusammenkonstruiert. Am Besten lässt sich das an Lizzie festmachen, die plötzlich mit Punk-Frisur (!) auf einem ominösen Nazikonzert auftaucht oder später sogar für ihre bestimmt gegen Dutzende von Vorschriften verstoßenden, hilfreichen Alleingang auch noch Lob von ihrem Vorgesetzten erhält.
Jetzt für „Hawk's Vengeance“ eine Lanze zu brechen, wäre sicherlich zuviel des Guten, denn allein die triste Optik und die schlicht durchgängig nach Abrissbauten aussehenden Sets drücken dem Zuschauer nahezu omnipräsent aufs Auge, dass das Budget nicht das Größte war. Angesichts der überraschend funktionierenden Humoreinlagen sollte jedoch jeder Genrefreund zumindest einmal den Blick riskieren. Gary Daniels und George Chiang dabei zuzuschauen, wie sie sich ständig kabbeln, macht wirklich Laune, zumal keiner der beiden nach ihrem ersten Zusammentreffen zurückstecken will. Einen nicht ganz so bierernsten Gary Daniels, der auch mal flunkern oder den tough guy raushängen lassen kann, hätte ich gern öfter gesehen.
Fazit:
Na klar, zur Genrereferenz reicht es für „Hawk's Vengeance“ bei weitem nicht. Dafür hätte allerdings auch mehr Knete verfügbar sein müssen, denn seine offensichtlich limitierten, finanziellen Mittel lassen sich unschwer an den Handlungsorten erkennen. Geld war bei den Dreharbeiten mit Sicherheit nicht über.
Doch die Action ist zufriedenstellend frequentiert, gut umgesetzt und abwechslungsreich, wohingegen das Drehbuch mit seinen Ideen um Organhandel und Neonazis sicher nicht zu den genialsten Ideengebern gehört. Auch weil einfach zu viele Plotholes auftreten und sich Figuren wie Lizzy nur schwerlich in die Handlung integrieren, weil sie nur als love interest oder Backup fungieren, reicht es nicht zu mehr.
Das sollte in diesem Fall allerdings besonders Gary Daniels – Fans nichts ausmachen, denn ihn sieht man, wie leider viel zu selten, als wichtigeren Bestandteil eines Buddyduos, das nicht nur seine Fights abspult, sondern auch noch ein paar lockere Sprüche aufbietet und sich mit George Chiang ein paar köstliche Dialoge liefert. Funktionierender Humor ist bekanntlich keine Selbstverständlichkeit im B-Movie-Bereich, wobei hier auch noch zusätzlich angemerkt werden sollte, dass der Film über eine ziemlich gute Synchronisation verfügt. Nicht der große Wurf, aber interessant wie unterhaltsam.