An „Jeepers Creepers“ scheiden sich die Geister. Für die einen ist es ein lächerlicher, weiterer Slasherfilm der versucht, auf der Scream-Welle mitzuschwimmen und für die anderen ein durchaus spannender Horrorfilm.
Als ich ihn mir das erste Mal ansah wusste ich, wie so oft, überhaupt nichts über den Film. Der Klappentext der DVD und der Trailer ließen mich aber annehmen, dass es nur einer der mir verhassten Teenie-Slasher Filme ist und so legte ich die DVD in einer Stunde der Muße nur mit Wiederwille ein.
Und ich wurde positiv überrascht (wer hätte das gedacht!)! Schon der Anfang des Films war außergewöhnlich und die beiden Hauptdarsteller, die mal zur Abwechslung nicht aus der Modelbranche zu kommen schienen, waren mir mit ihren ewigen Bruder-Schwester Gezanke sofort sympathisch (was wohl daran liegt, dass ich das Problem von meinen eigenen Brüdern kenne J). Jedenfalls machte der Beginn richtig Spaß und als dann der Truck auftauchte, war man zwar allzu deutlich an Spielberg’s Duell erinnert, aber ich hab nichts gegen das Stehlen von Ideen, solange es gut gemacht wird, und das wird es hier. Einen Dämpfer bekam meine zunehmende Freude über den Film dann an der Stelle, wo der Bruder in das Rohr klettern will, um herauszufinden, was der „schwarze Mann“ da hineingeworfen hat. Diese Handlung strotzt nur so vor Dummheit und Klischees, allerdings rettet seine Schwester mit dem Satz: „Kennst du die Situation in Horrorfilme, wo jemand eine total dumme Sache machen will und man ihn als Zuschauer am liebsten Köpfen wöllte?? Genau so eine Situation ist das jetzt!“ den Fall in die typischen Horrorklischees und rang zumindestens mir ein Schmunzeln ab. Gut, der Film verläuft dann erfreulich weiter, mit immer neuen (auch meistens geklauten) Ideen, die aber sehr schön eingebaut werden und bei denen man manchmal nicht weiß, ob das ernst oder ironisch gemeint ist (wenn zum Beispiel das Geschwisterpaar den Badguy mehrer Male mit dem Auto überrollt). Doch dann bekommt der Film ein gewaltiges Problem mit dem Drehbuch, das nun allzu konventionell wird. Der erste Auftritt des Creepers ist zwar schön atmosphärisch inszeniert, aber ab dann weiß man, dass der Kerl ein Wesen aus einer anderen Welt und kein Verrückter ist, was der ganzen Sache doch etwas die Spannung nimmt. Als dann noch die Wahrsagerin im Polizeirevier auftritt, wird’s blödsinnig. Ihre Person passt überhaupt nicht in den Film und wirkt wie eingeschoben. Auch die Polizisten werden so dümmlich dargestellt, dass man es mit der Angst zu tun bekommen könnte. Nun kommt jedenfalls der Creeper, Terminator-like in das Polizeirevier und als geübter Filmkonsument weiß man schon jetzt, dass er nicht aufgehalten werden kann. Ja, jetzt ist die Spannung und die Atmosphäre dahin und der Film zieht einfach nur noch an einen vorbei (ohne dabei jedoch langweilig zu werden) bis zu dem überraschenden Ende, welches mir den Film doch wieder sympathischer machte und ziemlich ironisch daherkommt.
Also, insgesamt kann man sagen, Schauspieler, Effekte, Atmosphäre, Musik, Regie usw. ist alles in Ordnung und mindestens überdurchschnittlich, aber das Drehbuch krankt merklich ab der zweiten Hälfte und verleidet einem den Spaß am Film etwas.
Trotzdem für Gruselfans oder Leute, die viele Horrorfilme kennen und sich an filmischen Zitaten erfreuen können eine klare Empfehlung.
7/10