Review

Gesamtbesprechung

"Das Halstuch" ist der TV-Mehrteiler der 1960er Jahre, der mehr als andere Filme die Bezeichnung des "Straßenfegers" geprägt hat. Er sorgte für quai menschenleere Straßen und das zu einer Zeit, in der der Fernsehapparat noch als Statussymbol galt - also nicht jeder über selbigen verfügte. Doch wenn "Das Halstuch" lief, versammelte sich die ganze Nation um die "modernen Lagerfeuer", damit die Frage geklärt wird: "Who done it?"  oder Wer ist der Täter?

Der Täter wird natürlich hier nicht verraten, damit sich auch neue Generationen von Fernsehzuschauern an der Tätersuche erfreuen können, denn bis zuletzt fehlen dem Kriminalinspektor Yates (und somit auch dem Zuschauer) der letzte Beweis und das letzte Puzzlestück, um den Täter endgültig zu überführen. Diese Täterüberführung führte bekannterweise auch zu einem der ersten großen TV-Skandale, verriet doch der Berliner Kabarettist Wolfgang Neuss einen Tag vor der Ausstrahlung der letzten Folge den Täter, was ihm unter anderem sogar Morddrohungen einbrachte.

Dass über sechs Teile hinweg die Spannung hoch gehalten wird, liegt unter anderem daran, dass sich hier eine Vielzahl von deutschen Schauspielgrößen die Klinke in die Hand geben. Allein deren Spiel zuzusehen, ist schon eine wahre Freude. Hervorzuheben sind hier vielleicht Horst Drache als Inspektor Yates bzw. Eckhardt Dux als sein Gehilfe Sergant Jeffrey. Aber auch die anderen Rollen sind erstklassig besetzt mit Albert Lieven, Hellmut Lange, Horst Tappert, Margot Trooger, Eva Pflug oder Dieter Borsche. Oft reichen die Blicke der Schauspieler um ihren Charakteren neue Facetten bzw. der Handlung eine neue Richtung zu geben. Störend und für heute ungewohnt  ist vielleicht das ständige Rauchen der Figuren. Bis auf die Frau des Inspektors sind alle kräftig am Qualmen. Es mag unter Umständen als Hilfe für die Schauspieler gedacht gewesen sein, damit sie etwas mit ihren Händen zu tun haben, denn aufgenommen im damals neuen Ampex-Verfahren gab es wenig Schnitte und lange Kameraeinstellungen.

Die Handlung erlebt in den sechs Teilen immer wieder neue Wendungen - Cliffhanger am Ende der Teile präsentieren meist einen neuen und überraschenden Aspekt, der zum Weiterschauen animiert.
Der eine oder andere heutige Zuschauer mag sich am "Tempo" der Handlung stören. Hier wird eine Geschichte (mitunter hoch komplex) noch entfaltet und dafür nehmen sich Regisseur Hans Quest und sein Assistent Manfred Brückner entsprechend Zeit. "Action" findet man bis auf Teilen der letzten Folge hier nicht. Dafür aber ein überzeugender Plot und eine nachvollziehbare Auflösung. Da stört es auch nicht, dass für die Außenaufnahmen ein nordrhein-westfälischer Ort genutzt wurde, was mitunter etwas putzig wirkt.




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