Die Kaktusblüte (1969)
Eine kleine Notlüge von Schwerenöter und Zahnarzt Matthau setzt hier ein sehr spaßiges und erstaunlich wortwitziges Liebeskarussell in Gang.
Ich habe ja oft das Vorurteil dass "alte Filme", gerade aus dieser Kategorie einem orchestral die Eingeweide aus dem Körper fiedeln, die Darsteller gleichzeitig alle hektisch und schnell sprechend durchs Bild flippen und man nach gut 20 Minuten schon kurz vor Nervenzusammenbruch steht. Dies ist hier aber ganz und gar nicht der Fall, also die Hektik. Der Score ist minimal und sehr zurückhaltend, abgesehen natürlich der grandios ulkigen "Disco-Tanzeinlagen" aller Beteiligten. Noch grandioser natürlich I'm a believer von den Monkeys im Hintergrund laufen zu lassen, während sich die Darsteller gegenseitig die Lügen um die Ohren hauen. Das hektische Palaver hält sich ebenso komplett in Grenzen und der Film ist für eine eigentlich seichte Liebeskomödie überraschend witzig und (von mir) unerwartet dialogstark. Gut, die Story ist nach 3-5 Minuten bereits erahnt und durchsichtig wie eine geputzte Fensterscheibe, aber es macht dennoch verdammt viel Spaß Matthau, Hawn und Bergman zuzuschauen. Goldie Hawn, die hier den Oscar für die beste Nebenrolle erhielt hat derart große Augen, da bleibt für den Rest des Gesichts nicht viel Platz, Matthau ist eh ein genial-mimisches Knautschgesicht und Bergman zeigt sich hier auch von ihrer Schokoseite. Dazu noch Jack Weston als lispelnder Sidekick, prima.
Das Drehbuch des gebürtigen Ungars I.A.L. Diamond, langjähriger Freund und Weggefährte von Billy Wilder, ist rund und gut, natürlich mit Happy End versehen, aber unkitschig und stimmig.
Ja, mehr gibt es schon nicht zu sagen, Kategorie: Fröhliches Feel-Good-Movie!
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