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Dass Clint Eastwood (Das Todesspiel) als Regisseur mindestens genauso viel drauf hat, wie als Schauspieler, konnte er uns inzwischen mit Mystic River und Million Dollar Baby eindrucksvoll beweißen. The Rookie gehörte zwar nicht zu seinen oscarprämierten Beiträgen, war aber Anfang der 90er eine hervorragende Persiflage auf Eastwoods Dirty Harry-Image sowie Actionstreifen a'la Lethal Weapon, Stirb langsam und Red Heat. Vor allem die Action, bei deren Inszinierung mehr als zweimal so viele Stuntleute wie Darsteller eingesetzt wurden, und der politisch unkorrekte Ton machen The Rookie zu einer runden Sache für Liebhaber von Old School-Action der 80er Jahre.

Fast hat der knallharte Cop Nick Pulovski (Clint Eastwood) die Bande von Gangster Storm (Raul Julia) gestellt, da wird sein Partner getötet. Als Ersatz tritt David Ackmann (Charlie Sheen) an seine Stelle - ein blutiger Anfänger. Wie erwartet, verpatzt der Rookie seinen ersten Einsatz gegen Storm. Die Folge: Storm und seine Freundin Liesl (Sonia Braga) entführen Nick und fordern zwei Millionen Dollar Lösegeld. David will seinen Fehler wieder gut machen und versucht auf eigene Faust, seinen Partner zu retten...

Routiniert mimt Eastwood den erfahrenen und abgebrühten Großstadtbullen und zieht nebenbei sein DH-Image durch den Kakao. Eine gewohnt gute Leistung die man hier von ihm zu sehen bekommt. Charlie Sheen (Made of Steel), der damals noch sein "Junge Wilde"-Image hatte, gibt ihr den ebenso harten Jungbullen, muss sich aber mit seiner Performance hinter Eastwood anstellen. Der inzwischen verstorbene Raul Julia (Street Fighter) kommt uns hier als lokaler Schurke daher, was er auch nicht schlecht macht. An seiner Seite spielt Sonia Braga (From Dusk Till Dawn 3) die sadistische Bitch vom Dienst. Auch auf der guten Seite hat man an einen Love Interest gedacht, den Lara Flynn Boyle (Red Rock West) solide abgibt. Der Nebencast wird dann noch von Tom Skerritt (Poison Ivy), Xander Berkeley (Poison Ivy 2) und Tony Plana (Halb tot) ergänzt.

Bezüglich der Action bekommt man hier eine Menge geboten. Allein die an Bad Boys 2 erinnernde Verfolgungsjagd zu Beginn kann sich sehen lassen, doch für Eastwood ist hier noch längst nicht Feierabend. Denn er fängt erst an. Wie oben schon erwähnt, hatte die Stunt-Crew allerhand zu tun, da sich Eastwood wirklich was hat einfallen lassen. Überragend spektakulär ist die lokale Action zwar nie, kann aber durch eine harte Gangart und brutale Sequenzen bestechen. Eine paar Explosionen hier und da waren auch noch drinn gewesen, wobei vor allem das fliegende Auto mit der Explosion im Hintergrund optisch was reißen kann. Mit Munition wird auch nicht sparsam umgegangen, was für ein paar derbe und blutige Shoot-Outs sorgt. Einer der Höhepunkte neben dem Showdown ist dann noch Sheens zweite Konfrontation mit den Kneipengästen, wo er mal richtig den harten Hund raushängen lassen darf.

Eastwood wäre nicht Eastwood, wenn er nicht an eine halbwegs unterhaltsame Handlung gedacht hätte. Zwar kann auch er einige Klischees des Buddy-Genres nicht vermeiden, kann die Chose jedoch turbolent abwickeln und lässt noch Platz für einige zynisch-trockene Oneliner seitens des Buddy-Duos. Bei der Persiflierung diverser Genrebestandteile macht er dann auch nicht vor seinem eigenen Dirty Harry und Kollegen wie der Lethal Weapon-Reihe Halt. Im Grunde läuft in The Rookie alles noch eine Spur härter und kompromissloser ab. Einen solchen Film könnte sich heutzutage vermutlich auch ein Eastwood nicht mehr leisten, da die pg-13-orientierten Studios immer mehr die politisch korrekte Schiene fahren, um möglichst viel Kohle zu scheffeln. Aber wer weiß? Zeiten ändern sich auch wieder... hoffentlich!

Alles in allem eine erfrischende Erholung von dem ganzen kinderfreundlichen PG 13-Unfug, den man in den letzten Jahren permanent aufgetischt bekam. Zu einem echten Action-Klassiker fehlt The Rookie zwar noch etwas, ist aber mit Abstand einer der besseren Beiträge des Genres.   

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