GOD
SAVE THE QUEEN!
Gerade pünktlich zum zehn - jährigen Todestag von Diana Frances Mountbatten-Windsor, in Deutschland besser bekannt als Lady Diana, Prinzessin von Wales ist mit „Die Queen" eine wunderbare DVD erschienen, die dieses tragische Ereignis aus einem besonderen, bzw. bisher unbekannten und speziellen Blickwinkel zeigt.
Das Drama beginnt mit der „Inthronisierung" von Tony Blair, brillant gespielt von Michael Sheen („Blood Diamond", „Die vier Federn") im Frühjahr des Jahres 1997. Nach einem erdrutschartigen Wahlsieg seiner Labour Party wird Blair von der Queen, exzellent gemimt von Helen Mirren („Kalender Girls", Gosford Park") zum englischen Premierminister ernannt. Gemäß nach dem Motto „frisch, fromm, fröhlich, frei", voller Tatendrang, ohne jedoch die höfische Etikette zu kennen gestaltet sich das erste Treffen zwischen dem als großer Modernisierer gefeierten dynamischen Blair und der englischen Queen Elizabeth II. eher frostig. Bereits in dieser Szene kann sich der Betrachter ein umfangreiches Bild der beiden Protagonisten machen, denn man empfindet unweigerlich mehr Sympathie für den aufstrebenden, agilen Blair, als für die rustikal-konservative Monarchin. Beide Parteien versuchen erst gar nicht, ihr offenkundige Ablehnung und Abneigung von einander zu verbergen, was wiederum zu äußerst komischen Szenen führt.
Bewusst witzig und komisch möchte der Film von Stephen Frears allerdings gar nicht sein. Nach diesem Prolog gewinnt der Zuschauer Einblicke hinter die Kulissen der britischen Monarchie und den höchsten politischen Kreisen, die es jedem ermöglichen sowohl Empathie für die Queen, als auch für den Premierminister zu empfinden. Anlass ist der bereits erwähnte tragische Unfalltod von Diana, Prinzessin von Wales in den frühen Morgenstunden des 31. August 1997 in Paris.
Was nun folgt sind die vermutlich schwersten und schwierigsten Tage im Leben der britischen Monarchin und ihrer Familie. Deshalb steht laut Protokoll keine aufwändige Trauerfeier zu. Die Familie wird in privater Abgeschiedenheit trauern. Die beiden 13 und 15 Jahre alten Söhne der Prinzessin sollen vor der Neugier der Medien geschützt werden. Der Queen erscheint es angemessen, Dianas Tod als Privatsache zu behandeln. Da sich Diana von Charles ja hat scheiden lassen, ist sie gemäß den königlichen Statuten auch kein Mitglied der Familie mehr. Die Queen Elizabeth und Prinz Philip (äußerst authentisch gespielt von James Cromwell: „The Green Mile", „Ein Schweinchen namens Babe") erwecken zumindest anfangs den Eindruck, nicht gerade sehr unglücklich über den Verlust der ungeliebten und medienwirksamen (Ex-) Schwiegertochter zu sein. Man sieht aber durchaus auch sein sehr besorgtes Großelternpaar. Während Charles (Alex Jennigs: „Babel", „Bridget Jones - am Rande des Wahnsinns") seine Mutter überzeugen konnte, doch ein königliches Flugzeug anstelle eines normalen Linienfluges gestellt zu bekommen, um Diana aus Paris zurück zu holen, flüchtet unterdessen die Queen mit ihrem Gatten aus Sorge um die beiden jungen Prinzen William und Harry auf ihre Residenz Schloss Balmoral nach Schottland.
Doch die Queen und ihr Gemahl Prinz Philip haben die Rechnung ohne die folgende Reaktion ihres britischen Volkes gemacht. Die Nachricht des Todes von Diana versetzt Menschen rund um die Erde in einen Schock und schon am nächsten Tag bedeckt ein Meer von letzten Blumengrüßen an die Verstorbene den Boden vor dem Buckingham Palace. Während in London die Masse der Trauernden immer größer wird und ungeahnte Dimensionen annimmt, verzichtet die Queen auf öffentliche Trauerbekundungen. Beide erkennen nicht, wie sich auch ihre persönliche Lage immer mehr zuspitzt. Die Queen und ihre Mutter, besonders aber der starrköpfige und uneinsichtige Traditionalist Prinz Philip übersieht den Ernst der Lage und handelt die Ereignisse in London eher als Spinnerei des britischen Volkes ab, welche sich in wenigen Tagen wieder selbst beruhigen würde. So wird die Situation später auch besonders brisant, als die Menschen bemerken, dass keine Fahne auf dem Buckingham Palast auf Halbmast weht: „Zeigt uns, dass das Haus Windsor ein Herz besitzt!". Nach höfischem Protokoll sind Emotionen tabu. Auch Prinz Charles gelingt es nicht, seine Mutter dazu zu bewegen, dass sie sich über das traditionelle, verstaubte höfische Etikett hinweg setzt. Ihre Trauer um einen besonders prächtigen erlegten Hirschen ist größer als um Diana. Einzig und allein Tony Blair erkennt die Situation richtig. Er ist es auch, der die Queen davon unterrichtet, dass laut einer aktuellen Umfrage jeder vierte Brite die Monarchie abschaffen möchte, denn nicht nur die Presse, sondern das ganze britische Volk empfinden das royale Verhalten als Affront gegen die verstorbene „Königin der Herzen". Anfangs schlägt die Queen alle Ratschläge von Tony Blair aus, ja sie ist eher erbost über die Dreistigkeit des Premierministers ihr, der Königin von England, sagen zu wollen, was sie tun soll. Das Volk nicht mehr verstehend, wird die Monarchin von ihrer Mutter, der Queen Mum darin bestärkt, an ihrem Amt festzuhalten und sich nicht einschüchtern zu lassen, auch nicht von Tony Blair. Die Stimmungslage ändert sich schließlich nach einer Woche. Tony Blair wandelt sich vom einstigen Monarchie-Skeptiker zum Verbündeten der Queen und versucht der herzlosen alten Dame so lange ins Gewissen zu reden, bis sie schließlich doch nach London zurückkehrt um mit dem Volk „die Trauer zu teilen" Auf dessen Druck ordnet sie für Diana ein Staatsbegräbnis an, besucht das Blumenmeer am Buckingham Palace und bezieht öffentlich zu ihrem Tode Stellung bezieht. In einer Fernsehansprache redet Elizabeth II. davon, aus Dianas Leben und aus der außergewöhnlichen und bewegenden Reaktion auf ihren Tod lernen zu können und die Erinnerung an die Prinzessin von Wales bewahren zu wollen.
Die schauspielerische Leistung aller Protagonisten ist absolut superb. Herausragend ist natürlich Helen Mirren als die englische Königin. Für diese Rolle ist sie auch zu Recht mit dem „Oscar" und dem „Golden Globe" ausgezeichnet worden. Die Macher des Films hätte die Wahl nicht besser treffen können. Helen Mirren verkörpert so authentisch und eindrucksvoll diese ältere Dame, deren Schicksal es ist, gefangen zu sein im starren und engen Korsett des höfischen Protokolls und der es (erziehungsbedingt) nur sehr schwer gelingt, eigene Gefühle zu zulassen, dass man wirklich meint, man hätte es hier wahrhaftig mit der Königin von England zu tun.
FAZIT:
Der Film ist absolut sehenswert. Er lässt die Ereignisse vor zehn Jahren in einem bis dato weitgehend unbekannten, aber dennoch absolut interessanten Licht erscheinen. Aufgrund der perfekten schauspielerischen Leistung gelingt es dem Betrachter sehr gut, sich sowohl in die Rolle der Queen, als auch in die Sichtweise des Premierministers hinein zu versetzen. Das Drama ist äußerst unterhaltsam und sehr kurzweilig. Es ist dramaturgisch perfekt umgesetzt, nicht zuletzt wegen der zahlreichen originalen Ausschnitte aus Fernsehberichten und Zeitungsartikeln aus „jener Woche" 1997, die immer perfekt in das Geschehen eingestreut sind. Interessant sind auch die verschiedenen Rückblenden auf das Leben und Wirken von Prinzessin Diana. Der Film ist für jedermann geeignet. Man muss kein Experte auf dem Gebiet europäischer Königshäuser sein, um die Handlung verfolgen zu können. Sowohl Freunde der Monarchie, als auch diejenigen, die diese eher Ablehnen, werden an Stephen Frears Meisterwerk ihre helle Freude haben.
(10 / 10 Punkten)