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Im flotten Übergang zu Don't open your Eyes nachgeschobene Produktion, die sich rein äusserlich zwar den Anschein der Ungebundenheit gibt, aber vom fast komplett selben Drehteam absolviert wurde und sich eher als ergänzende Hälfte denn als unabhängige Arbeit kategorisieren lässt.
Produzent Wong Jing liess sich nämlich nicht lumpen und fabrizierte für das Budget eines Filmes gleich zwei in der Art, ohne das Resultat des Ersten und eine etwaig gesteigerte Nachfrage oder das Nichtvorhandensein dessen abzuwarten.
Das Team wurde entsprechend beibehalten; so sind über die Hauptdarsteller Yuen Wah und Sammy Leung eben auch der Director Clarence Ford und seine Assistenten, der Art Director, der Kostümdesigner, der Kameramann, der Action Choreograph, der Komponist, der Cutter etc. diesselben Namen auf der Gehaltsliste. Don't open your Eyes lief am 18.05.2006 in den Kinos an; sein Nachzügler folgte am 16.06. des Jahres, ohne auch nur in irgendeiner Weise davon profitieren zu können. Beide Werke erregten so gut wie keine Aufmerksamkeit; haben aber auch nicht die Welt gekostet, um sich jetzt finanziell in die Nesseln zu setzen. Als eine Art Experiment und Steilvorlage für einen direkten Vergleich sowohl in Bezug von einem eigenständigen Film zum Anderen als auch auf die kantonesische Horrorgeschichte allgemein bieten sie sich allerdings schon gut an. Von hier aus Herzlichen Dank an Wongs unermüdliche Anstrengungen für diese vielleicht nicht grossartige oder gar neue, aber zumindest von der Intention her begrüssenswerte Idee [der Geldschneiderei und Bereicherung des Publikums gleichermassen.]

Der Titel mag nicht nur zufällig an die immens erfolgreiche und bisher zwei Fortsetzungen findende Fernsehserie My Date with a Vampire [ 1998 ] erinnern, hat aber nichts weiter damit zu tun und hängt sich in einigen markanten Segmenten eher an Die rabenschwarze Nacht - Fright Night [ 1985 ]:
Die beiden Medizinstudenten Eric [ Alex Fong Lik-Sun ] und Chuen [ Sammy Leung ] wollen für die Examensvorbereitung ein ruhiges Plätzchen finden und beziehen deswegen die leerstehende Bleibe eines Verwandten im sogenanten Longevity Village. Nicht nur, dass man weitab von der Stadt ist, auch soll der Wohnblock selber noch Ende des Monats abgerissen werden und ist deswegen weitgehend geräumt. Als Beide des Nachts erst auf unsichtbares Gelächter, Stimmen und Schritte und dann auf ein weibliches Vampirtrio stossen, rufen sie den im Fernsehen auftretenden Okkultisten Mister M [ Yuen Wah ] zur Hilfe. Dieser sucht erstmal das Weite.

Dass diesmal Wong Jing selber das Skript zu der Horrorkomödie plus A Chinese Ghost Story Flirt angefertigt hat, wirkt sich nicht so auffällig aus, dass man jetzt etwaige Qualitätssprünge nach vorne registriert. Wong, der sich immer noch aktiv auch für die Vorlage seiner Produktionen einsetzt und bisher über 100 Drehbücher verfasst hat, kennt sich natürlich auch mit dem speziellen Genre aus; obwohl er nicht gerade dafür gerühmt ist, entstanden etwa ein Dutzend Vertreter wie Step Into The Dark, Devil 666 - Satan's Return, Till Death Do Us Laugh, Seventh Curse oder Evil Cat nach seinen Ideen. Hiesig sorgt er vor allem dafür, dass das benötigte Budget durch Beschränkung auf sehr wenige Schauplätze und Personen gering gehalten wird und man dadurch eine Ausfransung der kompositionellen Struktur von vornherein vermeidet.

Horrorkomödien made in Hong Kong haben vielleicht in den 80ern einige Klassiker wie bspw. The Dead and the Deadly, Encounters of the Spooky Kind oder Mr. Vampire hervorgebracht, konnten diesen Standard allerdings nicht halten und formulierten nur noch vereinzelt Gleichwertiges. Sowieso sind die Genres sowohl voneinander abgetrennt als auch miteinander verschmolzen nicht gerade die Stärke der einheimischen Filmemacher; eine gewisse Sterilität und andersartiger Geschmack mit seltsamen Humorverständnis lässt sich selten von der Hand weisen. Auch hier findet man weder Noblesse noch Raffinement noch Distinktion vor; leider erreicht man auch nicht mal mehr im Ansatz den solventen Erzählfluss aus Schrecken und erlösendem Klamauk, kann aber mit verminderten Anspruch und gesunkenen Erwartungen durchaus unterhaltend wirken.

Dazu zählt auch, dass sich Regisseur Clarence Ford zwar immer noch als uneignet für stimmigen Grusel erweist und auch bei den Actionszenen heillos versagt, aber sein aggressiv-reißerisches Schnittstakkato lange Zeit auf halbwegs erträgliches Maß zurückfährt und sich nicht vollständig auf epileptischen Blitz- und Funkenregen verlagert. Der genretypische Spannungsbogen entwickelt sich relativ beherrscht mit Hinweisen auf den kommenden Schrecken; auch versteift man sich diesmal nicht von Beginn weg auf eine kreidebleiche, abgestorbene Apocalypse Culture, sondern lässt das etwaige Entsetzen langsam in die Realität einbrechen. Hier gibt es immerhin noch ein wahres Leben abseits von ungesunder Totenblässe, was auch eine Expansion klaustrophobischer Gedanken, abwechslungsreiche Sprünge zwischen Tradition und Moderne und ein Aufeinandertreffen grundverschiedener Welten zulässt. Wozu auch das Nest der Vampire selber zählt, die sich in einer Art Refugium der 60er Jahre zurückgezogen haben und dort als Lockmittel und Ablenkung der potentiellen Opfer einen Old School Tanzabend veranstalten.

Der hervorgebrachte Witz ernährt sich zwar lange Zeit aus irgendwelchen Frauengeschichten - der Charakter des Chuen ist wie üblich für den Darsteller Sammy Leung wieder einmal nur auf Sex fixiert -, findet aber später noch einige vereinzelte Höhen. Ein Deut Sprachakrobatik, etwas Selbstrefentialität, der problematische Aufenthalt eines nur halb verwandelten Vampirs unter normalen Menschen und seine Kostümierung mit Sturmmaske, Sonnenbrille und Schal im Hochsommer kann sich eben manchmal doch auf das Zwerchfell auswirken. Die Erleuchtung mit der Einbeziehung des Fernsehpredigers und Erics Bruder Kit [ Andy On ], der seine Kollegen von der SDU einfliegen lässt, klingt in der Theorie leider besser als die Umsetzung gelungen ist, aber bringt immerhin einen Hauch willkommenen Trash in die verdorrte Kapriole.

Die Gefahr der Zähflüssigkeit besteht nämlich vom - erneut künstlerisch verzerrten - Vorspann an: Joe Chans Kamera kann hierbei noch weniger Material als üblich einfangen, wodurch beim Schnitt auch öfters auf denselben Einstellungen und Szenenfolgen zurückgegriffen wird. So wird der Baum im Innenhof unzählige Male umkreist und auch das Durcheilen des Flures taucht so häufig auf, dass man dem so schon eintönigen Handlungsrahmen der öde symmetrischen Gebäudearchitektur noch überdrüssiger wird. Die geringen Ausbrüche aus der Location des leeren Wohnblocks hinaus in die richtige Gesellschaft bringen dabei eine willkommene Abwechslung in das sonst etwas dumpfe Geschehen. Auch hier fällt auf, dass man die Grundzüge der Geschichte vielleicht ebenso eher in einen 45 Minüter hätte verlagern sollen und aus den beiden Langfilmen durchaus auch einen Zwei - Episoder machen könnte. Da eine Diskussion darüber im Nachhinein müssig ist, kann man zumindest feststellen, dass nach einer etwas teilnahmslosen Anlaufphase doch noch leichter Schwung in das Szenario kommt; man zwar keine erquickend - aufputschenden Überlegungen vorlegt, sich freilich auf dem schon gewohnheitsmässig unschöpferischen Terrain zumindest solide in billiger Weise behaupten kann.

Leider macht das Finale - wenn man es denn überhaupt so nennen möchte - sehr vieles wieder kaputt. Was auch immer hier in die Filmemacher gefahren ist: Eine viertelstündige Tortur aus Gestöhne, Geschreie, Zeitlupen und der permanenten Zwischenschaltung von gleissendem Licht kann man nur als inszenatorischen Pferdefuss beschreiben.

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