Einmal quer auf der Landkarte, von oben nach unten und von links nach rechts wird der arme Pfarrer Braun im Verlauf seiner Dienstjahre von seinen unzufriedenen Vorgesetzten geschickt, von der Küste in den Harz, an das Rhein-Main-Gebiet und nun wieder zurück. Für gleich drei Folgen steht nun der Aufenthalt im sogenannten Pfaffenberg, der laut seiner Obrigkeit friedlichsten Stadt im ganzen Lande und ohne jedes Verbrechen überhaupt an. Entsprechend dieser Aussagen, hinter der noch Übles steckt und gut verpackt nur die Fassade ist, wird erstmals auch gleich der gesamte Hausstand, also die Möbel auf dem Wagen und der Jesus Christus hinten festgebunden am Kofferraum mitgeschleppt. Warten tut das Verbrechen aber trotzdem nicht lang, wird erst im zukünftigen Dorf der Gemeinde geheiratet und dann prompt der Sünden begegnet. Das ist glorreich bis peinlich bis hilarious:
Aber wegen seiner kriminalistischen Aktivitäten in der Dienstzeit strafversetzt, landet Pfarrer Braun mitsamt seiner treuen Haushälterin Margot Roßhauptner [ Hansi Jochmann ] im in den letzten Jahren komplett verbrechenlosen Pfaffendorf in Sachsen. Dabei entdeckt er in dem gar lieblichen Ort und dem auf den ersten Blick überaus angenehm eingerichteten Pfarrhaus schnell den Hinkefuss, dem ihn Bischof Hemmelrath [ Hans-Michael Rehberg ] und Priester Mühlich [ Gilbert von Sohlern ] mit auf dem Weg gegeben haben. Die Wohnstätte bald mehrmals am Tag von der Reisegruppe der Fremdenführerin Rosa Grevenich [ Friederike Kempter ] durchgeflutet, und auch der Ort selber ist ganz so lieblich nicht. Während der Hochzeitsfeier eines jungen Paares in der "Elbkrone" von Wirt Kobilke [ Veit Stübner ] wird die tote Rosa aufgefunden, an ihrer Seite kniend ihr ehemaliger Freund Matej Topol [ Roman Knizka ], dessen schnelle Flucht in Asyl suchend in die Kirche führt. Für die Polizei, allen voran den leitenden Franz Hagenow [ Peter Kremer ], den Stiefvater der Braut, ist der Fall klar, und für den sich im Wahlkampf befindlichen und den Fremdenhass schürenden Dr. Bartels [ Oliver Stritzel ] auch. Da die Lage verzwickt ist und die Verdächtigen zahlreich, nimmt Braun die Hilfe des sich auf Survival-Seminar währenden Kommissar Geiger [ Peter Heinrich Brix ] in Anspruch.
Dabei droht das Unheil noch vor dem ersten Mord, sind die Unkenrufe schon laut, als noch gar nichts geschehen ist. Eine wie sich selbst erfüllende Prophezeiung, die in dieser Zeichnung der Gegend um den Drehort Rathen, dem Luftkurort der Sächsischen Schweiz, nur eines von ganz vielen Bösartigkeiten. Denn das Skript von Arndt Stüwe, dessen erste von insgesamt drei Büchern für die Serie dieses ist, porträtiert das Umfeld der neuen Szenerie als wahrhaftiges Dunkeldeutschland, in dem nicht wirklich viel heilig und der Menschen hier nicht nur Atheist, die Kirche selbst beim Trauergottesdienst fast leer, sondern auch darüber hinaus ganz viel im Argen ist. Bereits bei der Ankunft wird den Westdeutschen der Empfang nicht gerade wohl bereitet, sondern gleich die Ressentiments der sächsischen Ureinwohner, die schwere Dialekt und die Dienstmarke der ortseigenen Dorfpolizei zur Durchsetzung von (GewohnheitsRecht und Ordnung gezückt. Das kriminalistische Büffet im ehemaligen Arbeiter-und-Bauernstaat aus braunem Sumpf, Beamtenwillkür und Liebe und Verrat ist eröffnet.
Ein herzliches Willkommen der früheren Mauerbewohner ist das gerade nicht, und in dem Ton geht es nahezu grundsätzlich weiter, was im Grunde auch alle anderen Anwohner, den geizigen und menschenschindenden Restaurantbesitzer, den gnadenlosen und intriganten und die Ausländer vertreiben wollenden Politiker, die entweder dummen oder gefährlich dummen VoPos, also die Einsatzkräfte, die Gesetzeshüter mit einschließt. So halbwegs positiv in dieser Schwarzweißzeichnung 'kurz nach der Wende' fallen eigentlich nur zwei Burschen, diese aber mit offensichtlich eher niederen Intellekt und etwas beschränkt im Gemüt auf; auch eine Leistung vom Skript, die Konstellationen und Sympathien noch anzuheizen und den Aufenthalt des Diener Gottes im Provinznest hier zum Spießrutenlauf und fast Märtyrertum zu porträtieren.
So wird zwar tags auch mal die bezaubernde Landschaft an der Elbe, die Lage direkt an Hang und Fluss, natürlich auch das touristische Merkmal des Elbsandsteingebirges, dafür aber nicht der Amselfall oder die Schwedenlöcher oder auch die Felsenbühne, aber immerhin bestaunt. Des Nachts und hauptsächlich liegt die Aufmerksamkeit und der wahre Trampelpfad der Gehässig- und Peinlichkeiten aber auf dem würdelosen Treiben in der Stadt, in der der Lynchmob aufgehetzt von den populistischen Parolen und Mordwut den vermeintlichen Täter, den armen Bub vom sozialistischen Bruder-, pardon, vom Nachbarland der Tschechei, den Gastarbeiter, die Hilfskraft durch die beengten Gassen jagt und von hinten in der Masse schon mit den Vorurteilen nahe gerückt und fast erdrückt.
Das kann man dumm finden und/oder auch lustig im schrägen Sinn, man kann es als gang und gäbe in der Reihung der Krimiplotte abtun, in der ja nicht das erste Mal die Simplizität und das Klischee bzw. die Schablone gewinnt. Selbst Geiger, der andere Mann aus dem Westen, der natürlich zufällig vor Ort ist gerät angesichts des Treibens der hiesigen "reinsten Stasi-Methoden" zum Verbündeten und Kämpfer für die Gerechtigkeit, was das Verhältnis der Waage Gut gegen Böse zusätzlich zu Brauns Kampfgewicht beinah wieder ausgleicht und noch ein wenig mehr Zunder und Feuer im recht geknechtet und in der Vorzeit von Matroshka, Tusch und Volksmusik hängengeblieben wirkenden Freistaat Sachsen schürt.