Wenn man heutzutage noch die Ambition besitzt, einen Tierhorrorfilm zu drehen, muss man schon eine verdammt clevere Idee haben, wie man den Fan bei der Stange halten könnte. Soll heißen, man überlegt, was man dem Zuschauer noch für eine neue Kreatur präsentieren könnte, die noch nicht in anderen Beiträgen auf die Menschheit losgelassen wurde. Und so musste man auch mal irgendwann auf ein urzeitliches Vieh wie dem Mammut kommen. Ist zwar nur ein Pflanzenfresser, aber in Rage geraten durchweg gefährlich, wie wir ja auch von den heute lebenden Elefanten wissen, dazu die ungeheuren Ausmaße, die imposanten Stoßzähne und ein markerschütterndes Trompeten, das macht bestimmt Eindruck.
Regisseur Tim Cox, dessen Name man nicht unbedingt kennen muss, hat es gut gemeint. Er mixt einfach Zutaten aus den Bereichen Horror, SciFi und einer Art Familienschmonzette zu einem reichlich ungenießbarem Gesöff zusammen mit dem Resultat, dass das hier Gezeigte auf keine Mammuthaut mehr geht. Denn selten habe ich einen so uninspirierten, dümmlichen und langweiligen Film gesehen.
Na gut, auf die Idee, einen eingefrorenen Dickhäuter in einem Museum von einem Meteoriten getroffen zu werden, der anschließend Amok läuft, muss man erst mal kommen. Leider wird's nun für die Zuschauer äußerst rätselhaft, warum nun im Mammut ein Sender versteckt war. Wer von der Wiederauferstehung profitieren sollte, bleibt genauso im Halbdunkel wie das Zottelvieh selbst, welches auf seinem zerstörerischen Feldzug fast nur nachts unterwegs ist. Wenn dann am helllichten Tag dann doch mal das Mammut in Aktion war, wurde klar warum: Die Tricktechnik lieferte einen grobkörnigen Elefanten-Pixelbrei und die Angriffe auf die Zweibeiner waren kaum der Rede wert.
Zwei Sachen nerven an diesem Schundwerk besonders. Zum einen das andauernde Zitieren irgendwelcher Filmhits, und zwar nicht etwa durch eine augenzwinkernde Hommage anhand einer abgewandelten Spielszene, das wäre ja zu anspruchsvoll. Stattdessen wird der Zuschauer beleidigt mit hohlen Dialogen wie in der Szene, als nach dem Meteorniedergang die Elektrik der Autos spann und der Straßenverkehr zum Erliegen kam: „Wow! Das ist ja wie in ‚Als die Erde still stand' " staunt ein Hauptdarsteller. Oder als das Urzeittrampel im Filmfinale wieder eingefroren werden sollte, wird hohl geschwafelt: „Mann, das ist ja wie in ‚Das Imperium schlägt zurück', weißte noch" - „Jau, das mit dem Han Solo und dem gefrorenen Karbonit!". Und mit den beiden unterbelichteten Spezialagenten der NRO, die den Fall untersuchen, wird dann noch versucht, „Man In Black" hier irgendwie an den Mann zu bringen, doch sind die Typen hier nur im Scheißelabern in Höchstform, im Original ging das Duo wenigstens gleich knallhart ran an den Feind. Einziger Pluspunkt: Leila Arcieri als weiblicher Special Agent Powers sieht appetitlicher aus als Tommy Lee Jones und Will Smith zusammen.
Doch der zweite Kritikpunkt, der noch schwerer wiegt, ist die extrem falsche Gewichtung in den Handlungssträngen Mammutjagd vs. Familienstress. Letzteren bekommt der Museumsdirektor Dr. Abernathy, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er sich lieber um die Ereignisse rund um sein Museum kümmern soll oder um die heranwachsende Tochter, zu deren Geburtstagsparty er einfach viel zu spät erscheint. Die hier einsetzenden Nebenkriegsschauplätze sind einfach nervtötend, da kaum storytragend und dienen nur als langweilige Lückenfüller.
Dabei ist es schon schlimm genug, wenn auch die eigentlich Handlung vor sich hindümpelt. Eine Jagd auf den vermeintlichen Hauptakteur findet kaum statt und somit fällt auch ein Großteil der Action flach. Die ganze Zeit wird nur fabuliert, gestritten und diskutiert, dass es in den Ohren anfängt zu klingeln. Man muss dem Zuschauer dann auch mal erklären, warum man so einen grenzdebilen Trupp zur Erlegung zusammengestellt hat, denn neben dem Museumspapi und seiner Tochter gesellen sich dann noch ihr Freund dazu und auch der etwas kauzige Simon Abernathy, der Vater des Doktors. Dass das Finale in einer abgelegenen Fabrikhalle dennoch vom Erfolg gekrönt ist, sollte dabei außer Frage stehen, denn Überraschungen hätte man in diesem Film sowieso nicht mehr erwartet.
Ich habe Verständnis für Billig-Effekte und auch mäßige Schauspieler, gerade wenn das Budget für eine TV-Produktion nicht mehr hergibt. Doch ein besseres Drehbuch, stimmige Horror-Wohlfühlatmosphäre, geistreiche Dialoge gewürzt mit einem Schuss wohldosierter Genre-Ironie oder auch schwarzem Humor wären auch für wenig Geld machbar gewesen. Nicht von ungefähr gibt es unzählige B-Movies im Horror-Bereich, die so was vorweisen können und damit um Längen besser sind. „Mammut" ist ohne diese Zutaten einfach nur uncharmant und lieblos, geradezu eine Beleidigung für den Genrefan.