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Die Nachkriegsfilme, die sich deutscher „Helden“ des zweiten Weltkrieges annahmen, waren in der Regel nicht glaubwürdig. Allzu oft wurde das Bild des tollen, edlen Soldaten gezeigt, der aufrecht und heldenhaft seinen Job macht und zum heimlichen Widerstandskämpfer mutiert. Man denke nur an die Filme über Marseille oder Prien, die für mich mit dem Führen eines Angriffskrieges schlecht vereinbar sind.

Da liegt der Verdacht nahe, dass die Verfilmung der Flucht von Franz von Werra in dieselbe Richtung geht. Das tut die filmische Umsetzung namens „Einer kam durch“ nur bedingt. Vielmehr fühlt man sich an Klassiker wie „Soweit die Füße tragen“ erinnert. Und man wird politisch unverfänglich recht ordentlich unterhalten.

Der Jagdflieger von Werra wird über England abgeschossen und kommt in Kriegsgefangenschaft. Dort unternimmt er zwei erfolglose Fluchtversuche, die von dem Film recht spannend dokumentiert werden. Dann geht es ab nach Kanada. Dort erfolgt die dritte und erfolgreiche Flucht, die von Werra in das noch neutrale Amerika führt. Nur im Abspann erfährt man, dass er von dort über zahlreiche Stationen zurück nach Deutschland kam, um dann wieder zu fliegen und sang- und klanglos abzustürzen.

Die verzweifelten Bemühungen eines Soldaten, aus der sicheren Krieggefangenschaft zurück in den Kampf zu kommen lassen sich kaum nachvollziehen. Zumindest nicht, wenn man eine ideologische Verbohrtheit ausschließen möchte. Das tut der Film (ob zu Recht oder Unrecht kann wohl keiner sicher sagen) aber, indem er von Werra nicht als Nazi, sondern nur als einen Menschen, der von übertriebenem Ehrgefühl und einer gehörigen Portion Selbstherrlichkeit angetrieben wird, darstellt. Dank der sehr überzeugenden Schauspielleistung von Hardy Krüger gelingt dieses Experiment. Krüger in seiner Paraderolle als deutscher Offizier spielt einen auf seine Flucht fixierten und von seiner Cleverness berauschten Piloten sehr überzeugend. Erst am Ende des Films verliert er sich in übertriebener Theatralik. Tut der Leistung aber keinen Abbruch.

Was dem Film sehr gut bekommt ist die völlige Ausblendung von Krieg und Politik. Beides findet statt, aber der Film will sich nicht selbst verwässern durch Kampfszenen oder braune Soße. Er konzentriert sich nur auf die Fluchtversuche und räumt nicht der am Ende erfolgreichen, sondern der zweiten, deutlich spannenderen aber erfolglosen Flucht den meisten Raum ein.

Was man „Einer kam durch“ vielleicht vorwerfen kann ist das harmonische Bild der Kriegsgefangenschaft. Aber es ist sicherlich für ein europäisches Friedensgefühl im Jahr 1957 dienlich gewesen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass der Film eine britische Produktion ist, die zwölf Jahre nach Kriegsende völlig auf das Bild des hässlichen Deutschen verzichtet. Auch dass finde ich positiv.

Die zeitliche Nähe zum Krieg bringt den unbedeutenden Vorteil mit, dass die technische Ausstattung des Films noch wehrtechnisch korrekt ist. Das ist ein großer Vorteil gegenüber späteren Filmen, wo wahllos Fahr- und Flugzeuge moderner Bauart bemalt wurden, um historische Vorbilder zu imitieren. Ich habe die Pseudos immer gehasst.

„Einer kam durch“ ist cineastisch kein herausragendes Werk, sondern ordentliche Unterhaltung, die man in völliger politischer Unbedenklichkeit genießen kann. Von mir 7 von 10 Punkten.

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