Review

Staffel 1-4

ICH GESTEHE!
Ich bin ein Mann und finde Ally McBeal einfach göttlich!

Ähnlich wie früher Miami Vice (Ausstattung, Videoclip Ästhetik) später dann LA Law (Dramaturgie innerhalb einer Serie) So konnte auch Ally McBeal eine besondere Duftnote im Fernsehen hinterlassen und die Fernsehlandschaft für immer (ein wenig) verändern und sie berreichern.

Ich bin ein Kind der 70er und ein Teenie der 80er Jahre. TV Serien liefen damals immer nach dem gleichen Schema ab und zwar nach folgenden, " In 45 Minuten ist die Geschichte erzählt. Keine Storys über mehr als 2 Folgen, keine Charakterentwicklung, billige TV Optik usw.
Da war noch keine Rede von Akte X, Emergency Room, Six Feet Under, 24, CSI, usw....

Dann begannen eben Serien wie die oben genannten neue Wege zu gehen und heute ist der Serienmarkt sogar teilweise stärker und aufwendiger produziert als so mancher Kinoblockbuster. Von der Qualität her hat man das Kino sogar schon hinter sich gelassen.

Ally McBeal ist somit auch eine derjenigen Serien die man, egal ob man sie mag oder nicht, dennoch attestieren muß, Veränderungen in Sehgewohnheiten eingeführt zu haben.
Sei es wegen der vielen unterschiedlichen Charaktere, die zwar allesamt einen Psychiater notwendig haben, aber vielleicht gerade deshalb so liebenswert sind. Ich verzichte auf detaillierte Beschreibungen, ich sage nur "Pokiebsie" (keine Ahnung wie man das schreibt) oder "ich muß mich sammeln" oder einfach nur "John Cage". Dieser Charakter sei nur stellvertretend für all die anderen Individualisten und Sonderlinge, den Psychopaten und Neurotikern erwähnt, die allesamt doch irgendwie Alleine sind und sich der Welt da draußen stellen müssen!

Für jeden Zuschauer findet sich auch ein passendes Gegenstück von sich selbst, innerhalb dieses Sammelsuriums an kuriosen Charakteren. Und sollte der passende Charakter doch nicht vorhanden sein, so findet man sich innerhalb der ebenso wunderbaren Geschichten wieder.

Die hier erzählten Storys sind nämlich ebenso wie die Charaktere liebevoll entwickelt und geschrieben worden. Man hat sich sichtlich größte Mühe gegeben größtmögliche Abwechslung zu liefern. Sei es die eigentliche Geschichte selbst, oder die Inszenierung derer (Tagträume, oder situationsbedingte Gedanken werden dem Zuschauer "visualisiert" z.B. tanzende Babys, lange heraushängende Zungen bei attraktiven Gegenüber usw.)

Auch vor Musicaleinlagen wird nicht Halt gemacht. Aber nicht einfach platt mal eingeworfen, sondern wirllich lustig in die Handlung integriert. Zudem trifft man sich nach Dienstschluß oder zum Ende einer Folge im Stammlokal wieder sodaß man auch ohne Musicalhandlung dem Musikgenuß frönen kann.
(Vonda Shepard ist zufällig auch noch die Stammsängerin, von den Karaokeabenden will ich jetzt gar nicht reden). Einen besonderen Schauplatz bildet auch die "Unisextoilette" der Kanzlei.

Ich muß gestehen die abschließende letzte Staffel habe ich mir nicht mehr angesehen (zuviele Darsteller sind ausgewechselt worden) aber die ersten 4 Staffeln sind wirklich zu empfehlen.

Fazit: Hochwertigste Serienkost von David E. Kelly (Picket Fences, Chicago Hope, Boston Legal) Ein MUSS für alle hoffnungslosen Romantiker, Aussenseiter aller Art, Menschen die eine Vorliebe für hervorragend erzählte und skurrile Geschichten haben und die nicht in den Keller gehen müssen um zu lachen.

Mit normaler Punktevergabe eigentlich nicht beurteilbar. Mindestens aber 9/10 Punkten müßten es schon sein.

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